Akt Now: Susann Probst - Aktfotografie

Akt Now: Susann Probst

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Susann Probst, für die Nacktheit ein Weg zur Zeitlosigkeit ist.
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Susann Probst versucht Gefühle und Stimmungen einzufangen: ohne Titel

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich beschäftige mich nicht direkt mit dem Thema Akt. Meist ergeben sich die Fotos ganz von selbst, ohne dass die Nacktheit geplant ist.

Für mich spielt der Akt nie eine vordergründige Rolle in meinen Bildern. Ich mag besonders die Zeitlosigkeit, die ein Bild dadurch bekommt und die Nähe, die entsteht. Meine bisherige Erfahrung ist, dass der Mensch, den ich fotografiere, nach der ersten Scheu sehr viel mehr von sich preisgibt, wenn er nackt ist – dass man mit Nacktheit eine Barriere lösen kann. Auch die eigene.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich kann diese Frage leider nicht eindeutig beantworten, weil es immer auf die Situation, die Stimmung und vor allem das Gegenüber ankommt. Ich weiß nur, dass ich hinter meiner Kamera weiter gehe, als ich es normalerweise tun würde. Ich bin ziemlich zurückhaltend und breche durch meine Fotografie oft eigene Grenzen auf.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Wann wird ein Foto überhaupt zum Kunstwerk? Kunst ist laut Duden: "Schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt". "Das Können, besonderes Geschick, [erworbene] Fertigkeit auf einem bestimmten Gebiet". Für mich ist der Begriff Kunst mittlerweile genauso nichtssagend wie diese Erläuterung. Viel zu abgenutzt um etwas zu bedeuten. Mir ist es wichtig, dass mich ein Bild berührt, aber macht es das alleine zur Kunst? Ich weiß es nicht.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Ich sehe mir gern Bilder bestimmter Fotografen an und kann hier auch gern einige aufzählen: Anders Petersen, Larry Clark, Michael Ackerman, Jacob Aue Sobol, Elinor Carucci, Sarah Moon, Francesca Woodman. Ich finde allerdings, dass "Vorbild" ein ziemlich starkes Wort ist, das ich selbst nicht benutzen würde. Ich weiß nicht, in wie weit mich diese Bilder in meiner eigenen Fotografie oder Wahrnehmung prägen. Ich denke, dass man sich nicht weiterentwickelt, indem man schaut, was andere machen. Es ist vielmehr mein Umfeld, was meine Sicht auf die Dinge ändert und mich inspiriert. Wenn ich mich menschlich weiterentwickle, dann entwickle ich mich auch fotografisch weiter. Ich werde eher durch Kleinigkeiten inspiriert, die wahrscheinlich total banal sind. Alles was in mir ein Gefühl auslöst, inspiriert mich.

Was war der peinlichste Moment?

Wirklich peinlich war mir bisher beim Fotografieren noch nie etwas. Da ich meistens mein Umfeld oder mich selbst fotografiere, kenne ich mein Gegenüber in der Regel. Vor vertrauten Menschen muss einem nichts peinlich sein ...

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Ich gebe ungern Anweisungen. Oft weiß ich vorher gar nicht, wie mein Bild aussehen soll. Ich mache mir grob Gedanken, was ich machen möchte...aber eigentlich auch nur, um der zu fotografierenden Person eine Vorstellung davon zu geben, was auf sie zukommt. Im besten Fall passiert dann etwas total Unerwartetes. Wenn ich vorher schon ein ganz bestimmtes Bild im Kopf hätte, könnte ich dieser Vorstellung sowieso nicht gerecht werden. Es kommt zudem natürlich immer darauf an, was mein Modell von mir erwartet. Personen, die vor der Kamera unsicher sind, kann man nur bis zu einem gewissen Punkt sich selbst überlassen und muss im Zweifelsfall eingreifen und das Bild etwas lenken. Dabei stellt sich die Frage, wo die Inszenierung anfängt.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich arbeite nicht in Projekten. Würde ich sagen, dass jedes meiner Fotos aus dem Nichts entstanden ist, dann würde das auch nicht der Wahrheit entsprechen aber wie schon mehrfach angedeutet, spielt für mich das Gefühl eine sehr wichtige Rolle. Ich versuche nicht zu inszenieren und Stimmungen und Gefühle zu erzeugen, sondern etwas real existierendes festzuhalten. Oft geht es dabei allerdings nicht um die fotografierte Person, sondern um mich selbst, weshalb es einfacher ist, das Gefühl in einem Selbstporträt umzusetzen. Aber Gefühle kommen und gehen und so ist es für mich schwierig langfristig etwas zu planen, weil der "Zustand", bis zum Shooting vielleicht schon längst verschwunden ist.

Steckbrief

Name: Susann Probst

Alter: 26

Hochschule/Ausbildung: Ausbildung zur Fotografin

http://www.zimmer117.de
mail@susann-probst.de

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