Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Ghislain Mirat

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: der französische Fotograf Ghislain Mirat
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Ghislain Mirat: "Light From West", 2010

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Was meine eigenen Arbeiten angeht, gefällt mir vor allem der Aspekt der Intimität.

Wenn ich das erste Mal ein Modell fotografiere, begebe ich mich auf unbekanntes Terrain. Ich muss erst den richtigen Weg finden, ihr zu erklären, was ich mir vorstelle, und ich muss ihr Vertrauen gewinnen. Innerhalb weniger Stunden zu jemandem ein intimes Verhältnis herzustellen, den man vorher nicht kennt, fühlt sich einfach gut an, vor allem wenn man es schließlich in den Bildern sehen kann.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Nein, Tabus gibt es keine. Ich arbeite einfach so, wie ich möchte. Und ich habe nicht das Gefühl, weiter gehen zu müssen. Aber vielleicht denke ich darüber in ein paar Jahren auch anders.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ich denke, dass ein Akt als Kunst betrachtet werden kann, sobald er Gefühle auslöst, die man nicht richtig erklären kann. Das kann durch eine bestimmte Technik oder eine bestimmte Perspektive, die man so vorher noch nicht gesehen hat, hervorgerufen werden. Meine Arbeit dreht sich jedoch nicht in erster Linie um Kunst, sondern um die Fotografie an sich. Wenn jemand es vorzieht, meine Bilder als Kunst zu bezeichnen, freue ich mich natürlich.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Ich bin vor allem vom Reisen inspiriert. Ich spreche dabei auch von kleinen Ausflügen, Kurztrips. In Bewegung zu sein hilft mir, über Projekte nachzudenken. Es nährt regelrecht meine Kreativität. Es gibt aber auch einige Künstler, die mich stark inspiriert haben: Wim Wenders, Jean Eustache, Bruce Davidson, Bohdan Holomicek, Raymond Depardon, Bernard Pierre Wolff, David Bellemere, Andrew Wyeth, Helmut Newton, Peter Knapp.

Was war der peinlichste Moment?

Die meiste Zeit herrscht bei mir eine angenehme Atmosphäre. Ich bin nicht empfänglich für Scham. Peinliche Momente bringen mich zum Lachen. Ich kann leicht darüber hinwegschauen und auch mal über mich selbst Scherze machen. Wenn ich mit einem Modell arbeite, schieße ich sehr oft Bilder in seltsamen Positionen und halte bei jedem Auslöser den Atem an. Nach zirca einer Stunde schwitze ich so fürchterlich, dass ich wie ein Perverser vor einer Grundschule wirke. Wenn ich nicht in der Lage wäre, über mich selbst oder das Modell zu lachen, könnte ich mich gleich zu Hause einschließen. Eines ist sicher: Eine unangenehme Situation birgt meistens eine gute Story!

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Inszenierungen sind bei Auftragsarbeiten sehr wichtig. Sie helfen mir, dem Projekt einen Rahmen zu geben. Ich arbeite stark mit den Reaktionen des Modells und improvisiere dann rum. Für das CSLBT (Choeurs et Solistes de Lyon Bernard Tétu) hatte ich eine vage Idee von der Bewegung, den Bildern und den abstrakten Formen. Darum machte ich einige Tests und zeigte sie einer Tänzerin. Sie verstand das Projekt und improvisierte einige Tanzbewegungen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ebenso mache ich sehr viel Street Photography. Ich verbringe viel Zeit draußen, laufe durch die Gegend und schieße instinktiv Fotos. In solchen Situationen spielt der Zufall für meine Bilder eine große Rolle.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich würde meine eigenen künstlerischen Ideen gerne öfter mit Auftragsarbeiten vermischen können. Das passiert leider nicht oft genug. Ich denke, Modefotografie könnte mir diese Möglichkeit geben, jedoch ist es kein Arbeitsgebiet, das mir besonders zusagt. Mit Figure7 arbeite ich in diese Richtung. Es handelt sich um ein multidisziplinäres Designstudio, das dieses Jahr in Kooperation mit den Designern Gapard Ollagnon und Clément le Tulle Neyret gegründet wurde. Die Zusammenarbeit bietet mir eine gute Möglichkeit, meine Fähigkeiten zu verbessern.

Ghislain Mirat

Ghislain Mirat ist in Brest geboren. Er lebt und arbeitet in Lyon

Alter: 33

Ausbildung: University of arts and entertainment Rennes, 1999-2001, und
Fotoschule der französischen Armee, 2001-2002

http://ghislainmirat.com
ghislainmirat@gmail.com

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