Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now!

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Giovanni Lipari
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Giovanni Lipari: "Betcee", 2011 aus seinem Projekt "The Death of Youth"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich habe mir diese Frage ehrlich gesagt selber noch nie gestellt, obwohl es wahrscheinlich die offensichtlichste Frage überhaupt ist. Allerdings halte ich mich auch nicht für einen Künstler, der ausschließlich mit Aktmodellen arbeitet. Für dieses spezielle Projekt ("The Death of Youth") habe ich versucht, die Rolle eines Fotografen zu erschaffen, eines Playboys, der die Welt bereist und schöne Frauen trifft. Ich glaube nicht, dass das Projekt diese Fantasie in der Serie ohne den Gebrauch von Nacktheit eingefangen hätte; es wäre banal gewesen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich glaube nicht wirklich, dass es irgendetwas gibt, das in Hinsicht auf Kunst ein Tabu ist. Kunst allgemein ist dafür bestimmt, der Gesellschaft einen Anstoß zu geben. Wenn Künstler etwas erschaffen, dann zerstören sie gleichzeitig auch etwas – zum Beispiel die Grenzen der normalen Wahrnehmung. Für "The Death of Youth" wollte ich eine Fantasiewelt darstellen, und die Bilder sollen damit übereinstimmen. Sie sind sexy, aber nicht pornografisch, die Absicht ist nicht, die weibliche Anatomie darzustellen, sondern viel mehr den Lebensstil eines Playboys. Natürlich sind sie erotisch, weil sie Interesse gegenüber dem Vorgang, gegenüber dem, was auf der Fotografie passiert, hervorrufen sollen; zum Beispiel wer ist die Person hinter der Kamera? Warum ist die Frau nackt? Und wo befinden sich die beiden?

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ein Akt wird dann zum Kunstwerk, wenn der Künstler sagt, dass es Kunst ist, und auch wenn der Betrachter es als Kunst akzeptiert. Das kann man fast in der ganzen zeitgenössischen Kunstszene beobachten. Zum Beispiel Marcel Duchamps Pissoir trägt den Titel "Fountain" (Springbrunnen), weil es so dargestellt wird, und auch weil die Betrachter es akzeptieren. Meiner Meinung nach kann man das Gleiche über die Unterscheidung von Nacktbildern und Kunst sagen. Dieser Unterschied hängt deutlich davon ab, wie eine bestimmte Gesellschaft zur Nacktheit steht. Es gibt einen innewohnenden Konflikt zwischen Erotik und Pornografie, der stark von der subjektiven Meinung des Betrachters abhängt. In einer sehr konservativen Gesellschaft beispielsweise, könnte schon ein Bild einer bekleideten Frau als Pornografie gesehen werden (das nicht Kunst ist). Während aus meiner Sicht eine Fotografie, die zwei Menschen beim Geschlechtsverkehr zeigt, als beeindruckende Kunst erachtet werden kann.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Ich finde Musik und Film äußerst inspirierend. Es ist das Unbewusste, das Gefühle entstehen lässt, und dieser Zustand ermöglicht es mir, meine Werke zu erschaffen. Gute Musik zu hören bewegt mich mehr als irgendetwas anderes. Während Filme die Leute wirklich einnehmen, bis zu dem Punkt, an dem der Betrachter dem Künstler Konzentration und Zeit entgegenbringt, was andere Medien nicht voraussetzen. Das ist wirklich inspirierend für mich, weshalb mir jegliche Kunstwerke von Chris Marker sehr gefallen.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Am meisten interessieren mich Menschen. Persönlich würde ich am liebsten den Rest meines Lebens damit verbringen, Dokumentationen über Menschen zu machen. Realität ist viel interessanter als Fiktion. Einige der Menschen, denen ich in meinem Leben begegnet bin, sind so interessant und einzigartig, dass ich die Möglichkeit, ihre Geschichten mit so vielen Leuten wie möglich zu teilen, großartig fände.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich würde gerne die große Dokumentarserie, an der ich momentan arbeite, abschließen. Es wird ein großes Projekt, und ich bin wirklich aufgeregt, diese Geschichte in Fotografien umzusetzen. Ich bin sehr stolz auf die Reichweite und den Erfolg von "The Death of Youth". Es war ein äußerst ehrgeiziges Vorhaben, und ich glaube, dass ich wirklich etwas erreicht habe.

Giovanni Lipari

Steckbrief:
Giovanni Lipari ist ein amerikanischer Fotograf im Alter von 31 Jahren. Er studierte Film und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Iowa. Im ersten Jahr seines Studiums besuchte er ein Fotografie-Seminar.
http://www.deathofyouth.com
deathofyouth@gmail.com

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