Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Larissa Kikol

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: die deutsche Fotografin und Doktorandin Larissa Kikol. In ihren Arbeiten verschwimmen die Grenzen zwischen Haut und Papier.
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

"Ich versuchte, das Papier wie eine zweite, künstliche Haut zu behandeln. Es wurde geknittert und gekrempelt, gestaucht und gedehnt. Es ist ein Spiel mit dem Medium, welches uns im Alltag mit nackten Menschen bekannt machte." Larissa Kikol: ohne Titel

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

In Berlin habe ich Kostümbild und Theaterdramaturgie studiert. In dieser Ausbildung ging es besonders um zwei Momente: das dramatische Moment, das bereits in jedem Individuum und dessen Körper angelegt ist, und jenes, das durch die Inszenierung von Außen hinzukommt. Während der Arbeit an meiner Bilderserie agierte ich weniger als Fotografin, sondern vielmehr als Regisseurin der dramatischen Momente in meinem Ausgangsmaterial. Als solche spiele ich gerne mit gesellschaftlichen Sehgewohnheiten, Menschenbildern und auch mit Humor.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich finde es witzig, dass diese Fragen eigentlich nur noch in der Kirche und in der Kunst gestellt werden. Aber diese beiden Systeme sind sich ja auch sehr ähnlich.
Mir sind ethische und persönliche Grenzen genauso wichtig wie gesellschaftliche Tabubrüche. Keine Fragen mehr zu stellen, ist für mich jedoch ein Tabu.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Das kann man gewissenhaft nur im Einzelfall entscheiden. Ein künstlerischer Akt kann manchmal ja auch ein Readymade oder eine politische Demonstration sein. Die Geschichte des Aktes ist ja auch mit der visuellen Geschichte des Leidens verknüpft, da Schmerz und Kummer vielmals am nackten Körper dargestellt wurden. Hier war der ganze Körper oft eine einzige, bebende Karte der Dramaturgie. Eine emotionale Topografie am Körper darzustellen, finde ich immer noch spannend, daher habe ich nach zeitgenössischen Methoden gesucht. Die Dramaturgie beschreibt ja die emotionale Führung, das Auf und Ab, den Angriffspunkt, die Stille, die Krise. Ich habe versucht so eine Karte auch über meine Akte zu legen. Oder in sie hinein.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Der Künstler Egon Schiele, die Dramatikerin Yasmina Reza und der Hirnforscher und Zoologe Gerhard Roth. Ich stelle mir gerne vor, wie die drei zusammen zu Abend essen.

Was war der peinlichste Moment?

Nach einem peinlichen Moment sage ich mir immer, dass ich noch zu jung bin für peinliche Momente. Aber das sehen meine Eltern wahrscheinlich anders.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in ihren Fotografien?

Ich glaube mein Unterbewusstsein inszeniert Zufälle, auf die ich leichtgläubig hereinfalle. An Zufälle glaube ich deswegen nicht wirklich, an überraschende Variablen aber schon. Diese Variablen befinden sich zum Beispiel in dem Zeitungspapier, auf welchem die Körper gedruckt wurden. Ich versuchte das Papier wie eine zweite, künstliche Haut zu behandeln. Es wurde geknittert und gekrempelt, gestaucht und gedehnt. Es ist ein Spiel mit dem Medium, welches uns im Alltag mit nackten Menschen bekannt machte.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Auf meiner Kunst-Wunschliste stehen schöne Dinge. Zur Zeit arbeite ich an meiner Doktorarbeit in Kunstwissenschaft und Medientheorie. Für die Zukunft wünsche ich mir an innovativen Forschungsprojekten mitzuarbeiten, welche interdisziplinäre Denkprozesse anregen. Ich interessiere mich zum Beispiel für Schnittstellen zwischen der Kreativitätsforschung und der Soziologie oder zwischen Ausstellungskonzepten und der Theaterwissenschaft. Zusätzlich würde ich gerne als Dramatikerin arbeiten, so freue ich mich auch sehr, dass mein Theaterstück "Massenseele – Absolut Likeable" bald beim Pegasus Theater- und Medienverlag erscheinen wird.

Larissa Kikol

Alter: 28

Hochschule/Ausbildung: Kunsthochschule Berlin (Diplom als Bühnen- und Kostümbildnerin), École supérieure d'art et de design Marseille-Méditerranée (Stipendiatin für Fotografie), Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (Doktorandin für Kunstwissenschaft und Medientheorie)

Preise/Stipendien: DFJW-Stipendiatin

http://larissakikol.tumblr.com/
l.kikol@gmx.de