Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Carlito Schilirò

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Carlito Schilirò

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Es gibt auf jeden Fall einen speziellen Reiz, einen regelrechten Adrenalinschub während einer Aktfotosession. Das kann ich nicht abstreiten. Aber es unterscheidet sich auch nicht grundlegend von anderen Shootings.

Ich strebe immer danach, das Perfekte im Unvollkommenen, die Schönheit inmitten des Gewöhnlichen zu finden. Deshalb neige ich dazu, meine fotografische Sichtweise auch auf die Aktfotografie anzuwenden. Der Körper, die Silhouette, ist nur eine Hülle. Ich versuche daher immer, hinter die Fassade zu blicken, bis ich den Grund erreicht habe, die Seele. Wenn ich einen reinen, nackten und ungeschützten Körper vor meinem Objektiv habe, erlaubt mir das, die Seele noch schneller zu ergründen. Und es gibt keinen größeren Reiz als mit der Seele von jemandem verbunden zu sein.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich neige dazu, mir Grenzen zu setzen. In meinem Privatleben habe ich absolut keine Tabus, dennoch lege ich für den Akt spezielle Grenzen fest. Dabei geht es nicht um guten oder schlechten Geschmack, sondern um Eleganz – um Zeitlosigkeit und Eleganz.


Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Wenn die Kraft der Aussage über die der Gedanken hinausgeht. Weil die Aussage dann direkt das Herz berührt.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

In der Welt der Fotografie gibt es eigentlich niemanden. Kein Fotograf aus der Vergangenheit oder Gegenwart hat meine Werke jemals beeinflusst. Natürlich recherchiere ich viel. Entweder verbringe ich schlaflose Nächte im Internet oder blättere durch Fotobücher. Das mache ich allerdings nur, um meine Leidenschaft und meine Sucht nach Bildern zu stillen, und nicht weil ich Inspiration suche. Der Moment ist meine größte Inspiration. Ich jage keinem Trend hinterher, ich verfolge das ultimative Gefühl.

Was war der peinlichste Moment?

Hatte ich noch nicht, erst recht nicht bei Akt-Shootings. Meine Musen oder Models fühlen sich sicher, behaglich und beschützt, weil uns allen immer bewusst ist, dass wir etwas Geschmackvolles und Zeitloses kreieren. In diesem Moment erschaffen wir eine starke Bindung, die weder gestört noch unterbrochen werden kann.


Welche Rolle spielen Inszenierung und Zufall in ihren Fotografien?

Da ich aus der Welt der klassischen Fotoreportage komme, sind der Zufall und der perfekte Moment schon immer meine größten Herausforderungen und gleichzeitig meine größten Ziele. In Bezug auf kommerzielle Fotografie, ganz gleich ob Mode oder Kunstprojekte, muss ich "The Notorious B.I.G" zitieren, wenn ich sage: "In the process, I admit tricked a little", (Ich gebe zu, während des Ablaufs etwas geschummelt zu haben).


Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich entwerfe Bilder. Ich transformiere Geschichten und Gefühle in perfekt gestaltete Rahmen. Und obwohl ich sehr früh, nämlich schon 1999, angefangen habe professionell zu fotografieren, habe ich meine künstlerische Fotografie nie vernachlässigt oder gar eingestellt. Ich bin ein Perfektionist. Mich selbst herauszufordern ist das größte Hindernis und gleichzeitig die beste Motivation. Aber ich träume nicht davon, besser als jemand anderes in dieser Branche zu sein. Am Ende möchte ich einfach Werke geschaffen haben, auf die ich stolz sein kann. Denn Fotografie zu erforschen und zu verstehen ist nicht nur mein Job, es ist mein Leben.

Mein absoluter Traum ist es jedoch, das Erzählen von Geschichten mit kommerzieller und künstlerischer Fotografie zu vereinen. Das werde ich bei meinen nächsten Projekten auf jeden Fall in Angriff nehmen.

Carlito Schilirò

Alter: 34

Ausbildung: Kommunikationswissenschaften, Journalismus, fotografischer Autodidakt

carlitoschiliro.tumblr.com
http://www.carlitoschiliro.com/
info@carlitoschiliro.com