Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Céline Manz

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: die neugierige Céline Manz.
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Céline Manz: "Untitled", aus der Serie "A1", 2013

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Wenn ich Bildmaterial mit viel Haut aus der Werbung oder der Mode für eine meiner Arbeiten verwende, dann geht es weniger um eine Faszination, als um ein Mittel zum Zweck: eine bestimmte Aussage zu einem Thema zu machen.

In "A1" z.B. habe ich ausschließlich mit Fotos vom amerikanischen Modefotografen Terry Richardson gearbeitet, die ich aus dem Internet geklaut habe, um das Phänomen "Pornification" zu hinterfragen. Humor ist dabei sehr wichtig und macht das Thema einer breiten Masse zugänglich. In der Publikation "Hungry for Love", eine Zusammenarbeit mit dem Grafiker Xavier Fernandez Fuentes, werden die "A1"-Collagen aus demselben Grund auf doppelseitige Kampagnenbilder von Terry Richardson gesetzt, die er für das Modelabel Sisley gemacht hat – daher auch der Name. Seine Bilder sind einfach prädestiniert dafür, als Stellvertreter für diese Art von Darstellungen in der Mode- und Werbefotografie zu fungieren.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Um bei "A1" zu bleiben: Natürlich kenne ich bei meinen Darstellungen keine Tabus, weil die ursprünglichen Bilder von Richardson ja auch keine Tabus kennen. Was zum Beispiel bei den recht expliziten Tom-Ford-Werbungen, die ich in "A1" genutzt habe, wie eine Zensur aussehen mag, ist lediglich das Überdecken des beworbenen Produkts, des Parfumflacons. Womit wir beim anderen großen Thema dieser Serie wären, der Urheberrechtsfrage. Denn so was "darf" man ja auch als Künstler nicht unbedingt machen. Aus urheberrechtlicher Sicht stellen die meisten der 44 Bilder dieser Serie also einen Tabubruch im wörtlichen Sinn dar, wenn man so will. Auch "Hungry for Love" ist aus einer rechtlichen Perspektive etwas pikant. Ich finde aber, wenn man als Künstler etwas zu einem Thema zu sagen hat, dann soll man das tun. Dass ich Terry Richardson jeweils über die beiden Arbeiten informiert habe, kam allerdings weniger aus einer urheberrechtlichen Sorge heraus, sondern war meiner Neugierde geschuldet, was er von der Arbeit halten mag.

Tabubrüche finden aber auch anders statt: Bei Ausstellungen sind mir Leute begegnet, die meine Arbeit so vulgär fanden, dass sie sie mit einem Schrei des Missfallens und, offensichtlich durch deren Anblick beleidigt, schnurstracks daran vorbeigelaufen sind. Da funktioniert der Humor nicht, denn auch der setzt voraus, dass man sich auf ihn einlässt. Ich mag solche Reaktionen natürlich, suche aber die Provokation nicht auf Teufel komm raus. Wenn jemand vor meiner Plakatwand steht und grinst, ist das einfach ein richtig gutes Gefühl und tausendmal besser.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Um das zu beantworten, müsste man sich erst mal darüber einig sein, was Kunst alles nicht ist. Der Akt ist ja ein sehr ästhetisches Genre und Kunst ein breiter Begriff, da verliert man sich schnell in Vagheiten. Sagen wir mal so: Am interessantesten finde ich Aktfotografie, wenn sie eine Reibfläche bietet, ohne vulgär zu sein. Wenn ein Sujet, dass auf jede bereits erdenklich Art bereits fotografiert wurde, mich aus irgendeinem Grund dennoch fesselt. Mit einem schönen Model und eine erotischer Pose oder so was ist es noch lange nicht getan. Eine gute Aktfotografie wird sich in meinem Bewusstsein einprägen, weil sie mich ein wenig verstört. Und vermutlich auch, weil sie Tabus bricht. Jemand, der richtig tolle Akte macht, ist zum Beispiel der niederländische Fotograf Paul Kooiker.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Bei "A1" sicher Terry Richardson. Seine Bilder ziehen mich an und stoßen mich ab, diese Ambivalenz weckt eine Neugierde in mir, die sehr inspirierend ist. Überhaupt ist Neugierde eine sehr starke Kraft in meinem Leben. Ansonsten, so aus dem Bauch heraus: Die Arbeiten von Roman Signer, Fischli/Weiss, Pipilotti Rist, Christoph Schlingensief und Mike Kelley mag ich sehr. Die meiste Inspiration ziehe ich aber aus dem Alltäglichen und aus Begegnungen.

Gab es einen peinlichen Moment?

Nicht, dass ich mich erinnern könnte. Wenn ich selber Fotos schieße, dann ist mir in dem Moment alles um mich herum sowieso recht egal, dann bin ich ganz auf das Fotografieren fokussiert.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Bei meinen eigenen Fotografien arbeite ich oft mit Selbstporträts beziehungsweise Selbstdarstellungen für die Kamera. Bei denen geht es nicht darum, möglichst adäquate Fotos von mir zu schiessen oder eine Stimmung einzufangen, sondern darum, eine Aussage zu machen. Ich liebe Ambivalenz und suche sie in meinen Bildern. Dabei spielt Inszenierung immer eine Rolle, aber vieles passiert während des Inszenierens aus dem Bauch heraus.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Das Ausüben meines Berufes ist das Beste, was ich mir wünschen kann. Ich hoffe, dies noch sehr, sehr lange machen zu können. Und ich versuche immer, das in die Tat umzusetzen, worauf ich Lust habe. Denn ich glaube, das Leben ist zu unvorhersehbar, um große Träume auf die lange Bank zu schieben. Es gibt so vieles, das mich neugierig macht.

Céline Manz

Nächste Ausstellung: 18. Juli bis 16. August 2014, Schwarzwaldallee Basel

Ausbildung: Bachelor in Fine Arts am Photography Department der Gerrit Rietveld Academie Amsterdam

Auszeichnungen: Nominierung für den Gerrit Rietveld Award in Fine Arts 2013, Nominierung Gogbot Youndblood Award 2013, Shortlist Selection Photoprix Photoforum Pascquart 2013, Runners Up im Nachwuchsförderpreis des VFG 2011

Alter: 33
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