Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Phillip Gätz

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Phillip Gätz
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Phillip Gätz: "Untitled"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?
Mich interessieren die vielen unterschiedlichen aber auch sehr intimen Situationen und sensiblen Zwischenmomente und der Weg, diese fotografisch festzuhalten – weniger das Thema Akt im Sinne purer Nacktheit.

Akt ist für mich weniger eine Jagd nach exponierten Körpern und deren spätere Zurschaustellung im Trophäenzimmer, als die persönliche und fotografische Neugier, was jemanden antreibt sich zu entblößen – in Verbindung mit unterschiedlichen Orten, Geschichten und deren Facetten bis hin zu einer oft skurril anmutenden Körperlichkeit meiner Protagonisten und ihr Umgang damit.


Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Die gibt es sicherlich. Ich würde die Fragen getrennt betrachten. Einem Model würde ich nie Aspekte wie Schmerz, Anwendung von Gewalt oder diskreditierende Zusammenhänge abverlangen, über die nicht auf beiden Seiten Einverständnis herrscht. Meine Grenzen kann ich nicht jetzt und hier stecken, sondern situativ im eigentlichen Kontext.


Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Vielleicht nach acht Bier oder einem Startpreis von zwei Millionen Euro? Nein, schwierige Frage. Ich möchte mir ungern anmaßen, eine Definition aufzustellen, was generell irgendetwas, und sei es ein Aktfoto, zu einem Kunstwerk erhebt oder erklärt. Ich halte es eher gemäß der "Attention-Based-Photography": Für mich ist etwas sehenswert, wenn ich sofort daran hängenbleibe, sei es durch die Widerspiegelung und das Wechselspiel von Leistung, einer guten Idee oder ausgelösten Emotionen. Ist es dadurch ein Kunstwerk? Vielleicht. Kunst ist und bleibt ein subjektives Gut.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Sicher. Mindestens unterbewusst werden wir sie alle haben. Im Grunde finden sich nicht nur quer durch die Fotografie immer wieder Zitate, Neuinterpretationen oder Imitationen. Mich inspiriert oft der Alltag, Ernstes wie Banales. Sei es das noch immer nicht ausgewachsene Phänomen des Amateur-Porno von Wohnzimmer zu Wohnzimmer oder ist Malerei, die für Millionen in London unter den Hammer geraten oder um die ich auf dem Flohmarkt feilsche.

Was war der peinlichste Moment?

Ein Vorgespräch mit einem Model an ihrem Arbeitsplatz – einem Bordell. Das Prozedere, angefangen beim Aussteigen aus dem Auto, der Frage wer mich dabei sieht, die latente Aufregung, für die es eigentlich keinen Grund gab, da mein Besuch von einer anderen Intention lebte – das ganze Szenario eben. Die Hausdame verwechselte mich eingangs mit einem Freier und eröffnete mir erst nach Richtigstellung nun gerne im privaten Bereich der Damen Platz zu nehmen, das Model hätte "noch Kundschaft" und folgte wenig später: Sie begrüßte mich mit Sperma im Gesicht.

Welche Rolle spielt die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Oft ein Übergang. Inszenierungen verlieren sich in Zufälle und anders herum. Ich mache mir grob Konzepte, was ich suchen oder finden möchte. Das gibt mir im Vorhinein ein gutes Gefühl. Ein noch besseres ist es dann fünf Minuten später das Gekritzel in die Tonne zu werfen. Ich suche in meinen Bildern nicht das Perfekte, eher das Reale – gerade in Bezug zu scheinbar dem Zeitgeist entsprungen Schönheitsidealen, dem Suchen, Finden und Nacheifern dieser.


Welches Projekt würdest Sie gerne einmal realisieren?

Sagen wir anders: Ich fand bereits viele serielle Projekte bekannter oder auch unbekannter Fotografen genial. Von der Idee her, aber noch viel mehr von der Vorstellung einer mehr als inspirierenden Umsetzung. Entlang Letzterem bin ich immer auf der Suche, vielleicht schon auf dem Weg. Es wird sich zeigen.

Phillip Gätz

Nächste Ausstellung: In Planung.

Hochschule/Ausbildung:
Fotografie & Medien, FH Bielefeld, Diplom 2011 bei Emanuel Raab & Axel Grünewald

Preise: Ab 800 Euro aufwärts. Sonst kann ich noch zwei Ehrenbürgerschaften anbieten, die ich von der Stadt Füssen und der Gemeinde Steinhagen für meine Diplomarbeit www.reiseindenverstand.de bekommen habe, quasi im Vorbeilaufen.

Alter: 29
http://phillipgaetz.de/
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