Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Jessica Rosen

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Jessica Rosen
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Jessica Rosen: "Bianca + Fabiola", 2005

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich glaube nicht, dass mein Hauptinteresse überhaupt in der Aktfotografie liegt.

Zwischen 2002 und 2007 habe ich einige Porträtserien wie "The Girls from Avenida Mem de Sa" umgesetzt. Dabei interessierte mich vor allem die Sprache der Selbstrepräsentation. Mein Fokus lag auf der Art und Weise, die Menschen wählen, um ihr Selbstempfinden öffentlich zu kommunizieren, da dieses direkt an ihr Geschlechterweltbild geknüpft ist. In den Porträts, die ich von Frauen gemacht habe, geht es darum, bestimmte Vorstellungen von Weiblichkeit abzubilden. Ich habe auch zwei Projekte zum Thema Männlichkeit gemacht – bei einem habe ich Männer am Strand in Rio de Janeiro fotografiert und beim anderen Go-go-Tänzer in New York. Einige der Bilder zeigen deshalb nackte Haut, weil das Thema Geschlecht direkt mit dem physischen Körper verbunden ist. So macht es in vielen Fällen Sinn, den physischen Körper zu thematisieren.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Die Abbildung des nackten Körpers ist eines der ältesten Themen in der Kunstgeschichte. Beim jetzigen Stand der Geschichte glaube ich nicht, dass die Repräsentation von Nacktheit Tabus kennt. Wenn Tabus existieren, dann glaube ich nicht, dass sie irgendwas mit meiner Arbeit zu tun haben.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ab wann wird ein Aktfoto als Kunst eingestuft? Ich glaube, jegliche Arbeiten werden im Kontext von Konzept und Intention des Künstlers zu Kunst. Das ist ebenso wahr für den Akt wie auch für alle anderen Kunstwerke.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Während der Arbeit zu "The Girls from Avenida Mem de Sa" habe ich viel über die Repräsentation meines eigenen Ichs und meiner eigenen Beziehung zur Weiblichkeit nachgedacht. Ich dachte, dass das Aufgreifen spezifischer Verhaltensweisen oder Erscheinungsbilder irrelevant ist. Es faszinierte mich, dass Geschlechterstereotype für so viele Jahrhunderte als gegeben akzeptiert wurden, obwohl sie so offensichtlich ein zufälliges kulturelles Konstrukt sind. In jedem Falle – ob man an die Existenz von Geschlechtern glaubt oder nicht – steckt man selbst trotzdem in einem physischen Körper und entscheidet darüber, wie man wahrgenommen werden will. Von genau dieser Entscheidung war ich fasziniert.

Auch interessierten mich andere Fotografen, die inszenierte Aufnahmen von Menschen machen, wie: Rineke Dijkstra, Gregory Crewdson, Wolfgang Tillmans, Robert Mapplethorpe, David LaChapelle, Hiro, Richard Avedon und Matthew Barney.

Was war der peinlichste Moment?

Während des Fotografierens war mir noch nie etwas peinlich. Ich entscheide, wen ich fotografiere und wo ich fotografiere, so läuft alles stets nach Plan.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Inszenierung ist sehr wichtig. Meine Bilder sind allesamt gestellt. Beim Zufall bin ich mir nicht sicher, aber ich denke, Kommunikation, Zusammenarbeit und Verbundenheit zwischen mir und dem Model sind sehr wichtig. Ich weise die Leuten, die ich fotografiere, bis zu einem bestimmten Punkt an, aber ich bin auch abhängig von den natürlichen Reaktionen und Interpretationen meiner Models in Hinblick auf die Umgebung und den Kontext, in die ich sie setzte.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Dieses Jahr habe ich mit einem neuen Projekt namens "Seeing With Closed Eyes" begonnen. Es geht um die sinnliche Wahrnehmung, die über die Grenzen der physischen Sinne hinausgeht. Das Projekt beinhaltet Fotoporträts von Frauen und einige Installationen mit geometrischen Skulpturen, die aus Seiten von Magazinheften bestehen. Die Form des Projekts ist beeinflusst von der Architektur und dem Raum, in dem es ausgestellt wird. Bis vor kurzem war es mein Traum, diese Skulpturen in einem einzigartigen, tiefen, dunklen, höhlenartigen Raum bei Phosphorus Art in Sao Paulo auszustellen. Jetzt aber bin ich eingeladen worden, dort die Installationen im Januar 2014 zu realisieren! Deshalb ist es jetzt mein Traum, eine Ausstellung dieser Arbeiten im Schloss Versailles zu realisieren.

Jessica Rosen

Nächste Ausstellung: Januar 2014, Phosphorus Art, Sao Paulo

Ausbildung: California College of Arts, San Francisco (Fotografie, Bachelor) und Hunter College, New York (Fotografie, Master)
http://www.jessicarosen.com
rosenjess@gmail.com