Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Neil Craver

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal mit den wunderbaren Unterwasseraufnahmen von Neil Craver
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder junger Fotografen

Neil Craver: "Brilliantly Despairing", 2012

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Durch die Auflösung seiner Kleider, des Charakters und der Zeit ist der Akt das Destillat des Menschen. Er verwischt alle Elemente, die auf ein Datum der Arbeit hindeuten könnten.

Ich mag die Zeitlosigkeit, das Gefühl, etwas zu schaffen, das nicht weiter zerlegt werden kann. Das Freilegen des Grundgerüsts und die Illumination des Fundaments treiben einen Dialog der Entstehung voran.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich bin mit dieser Fotoserie weiter gegangen, als manche der Models bereit waren – nicht in Hinblick auf die Moral, sondern auf die gefährlichen Steinbrüche, in denen ich fotografiert habe. Viele Leute durchqueren solche Steinbrüche jedes Jahr und sterben, und ich muss natürlich ehrlich sein, wenn ich meine Models über die Gefahren aufkläre. Moralisch gesehen halte ich mich natürlich an das Gesetz der Abmachung.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Das ist schwer zu sagen, aber die Rarität und die hervorragende Qualität stehen an erster Stelle für meine Arbeit. Ich glaube, der einfachste Weg, um das zu beantworten, ist, dass Kunst als solche funktioniert.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Es gibt viele Künstler, die mich inspirieren, nicht unbedingt für die Produktion einer Serie, aber allgemein. Ich mag die Arbeiten von Roger Ballen, seine Gegenüberstellung von Anomalie und Allegorie. Peter Joel Witkin fasziniert mich ebenfalls mit seinen kraftvollen, etwas romantisierten Verdrehungen von wunderschönen Körpern. Für mich aber ist es, mehr als jeder andere Künstler, das Beobachten von Wasser. Denk an den Speichel in deinem Mund; er könnte ein Tal mit Dinosauriern geflutet haben, der Urin von Jesus Christus gewesen sein oder die flüssigen Bestandteile des Auges einer Drachenfliege.

Was war der peinlichste Moment?

Um ein Level an Kontrolle zu erreichen, muss ich ständig das Licht im Steinbruch beobachten. Das Finden des perfekten Winkels für die Ausleuchtung braucht das Timing eines ganz bestimmten Monats und einer bestimmten Tageszeit. Eines Tages bin ich alleine quer durch den Steinbruch geschwommen, um eine dunkle Ecke zu erforschen und fand ein einsames Kabel, das in das Wasser reichte. Meine neugierige Natur brachte mich dazu, daran zu ziehen. Ich konnte dessen Spannung fühlen, wie es wahrscheinlich bis zum Grund reicht. In diesem Moment erfasste mich eine Panik, meine Kommunikation mit dem Grund könnte die dunklen Kreaturen, die dort leben, aufgeschreckt haben. Gestrandet auf einem kleinen Felsvorsprung und wissend, dass der einzige zurück durchs Wasser führte, bin ich panisch losgeschwommen. Panik ist ein komisches Gefühl, das dich kontrolliert. Ich bin mir darüber bewusst, dass es dort in der Tiefe nichts dergleichen gibt. Ich schwamm bis zur Erschöpfung, um meinen eigenen Ängsten zu entkommen.

Welche Rolle spielt die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Ich glaube, das eine ist untrennbar mit dem anderen verbunden. Es ist egal, wie viel du planst und inszenierst, die wahre Magie kommt durch das Ungeplante.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich bin momentan auf der Suche nach einem Verlag für mein erstes Buch, in dem es um die Unterwasser-Aktserie "Omni-phantasmic" gehen wird, die ich der Welt gerne zeigen möchte.

Neil Craver

Alter: 33

Ausbildung: Randolph Technical College, USA (Fotografie)
http://www.neilcraver.com/
NeilCraver@aol.com

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