Akt Now! - Aktfotografie

Akt Now: Ben Hopper

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Ben Hopper, der Tänzer und Akrobaten, nackte Mädchen mit Masken und Mode vor seine Linse bringt.
Junge Aktfotografie: Ben Hopper:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Draußen und drinnen, schwarz-weiß und in Farbe, Ausschnitte oder ganze Körper. Ben Hoppers Fotografie ist vielfältig aber immer auf der Suche nach der vollkommenen Ästhetik. Ben Hopper: "Betty. #NGWM BM 001208", August 2010, Brighton, Einhornmaske Unicorn Mask designt und in Auftrag gegeben von Sarah McAndrew für caves.tv, finanziert durch The Arts Council of England

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich finde Akte attraktiv, sie machen mich an. Um präziser zu sein: Frauen machen mich an, nackte Männer finde ich faszinierend.

Ich suche eine körperliche Einzigartigkeit. Muskelspiele, zum Beispiel im modernen Zirkus oder beim Tanz, interessieren mich. Vor Jahren, als ich begann, Zirkusartisten zu fotografieren, bemerkte ich die breiten Schultern einiger Zirkusmädchen. Ich fragte meinen Bruder, selbst Akrobat und Jongleur, weshalb diese Mädchen so muskulöse Schultern haben, dass man sie von hinten auch für einen Mann halten könnte. Als er mir erklärte, dass es ihnen nicht um Aussehen ginge, sondern darum, einen bestimmten Trick ausführen zu können, lernte ich zu lieben, was ich zu Beginn merkwürdig fand.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich glaube, ich wäre kein guter Fotojournalist. Das Leid der Menschen fühlt sich so privat an, dass ich es nicht fotografieren könnte. Zumindest nicht direkt, vielleicht etwas versteckter. Auf jeden Fall schüttelt es mich und macht mich krank, jemanden in seinem schwächsten Moment zu fotografieren.
Ich mag es auch nicht, Sex-Szenen zu zeigen. Manchmal geht da so viel, da ist es effektiver, nur einen Ausschnitt zu zeigen. Das lässt auch Raum für Interpretation. Ich bin nicht ganz sicher, wie weit ich wirklich gehen würde, das ändert sich ja auch. Mit jedem Jahr steige ich tiefer und tiefer in die Materie ein, es fühlt sich an, als würde ich mich selbst vorwärts schieben. Gleichzeitig mag ich es, herunterzuschalten und weniger zu zeigen.
Vielleicht kann man sagen, dass der Zweck die Mittel heiligt. Daran kann ich glauben, wenn ich jemanden finde und eine Beziehung zu ihm aufbaue. Mit der Zeit nerven mich Konsum und Modetrends mehr und mehr an. Auch viele kulturelle Verhaltensweisen halte ich für Quatsch. Ich denke, wenn ich eine komplette Familie, mit Mutter, Vater und Kindern, nackt fotografieren sollte, um gegen Apples Verbot von Nacktheit im App Store zu protestieren, würde ich das tun.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ich glaube, es geht nicht nur um das Nacktsein. Wenn ein Bild gut genug ist, um zeitlos zu sein, ist egal, ob es einen Akt zeigt oder nicht. Das könnte hier eine sehr philosophische Diskussion über Art, Akt und individuellen Geschmack werden – vielleicht könnten wir ein ganzes Interview nur darüber führen?!

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Alles inspiriert mich. Um etwas genauer zu werden: Höflichkeit, Intelligenz, Technologie, starke Frauen; sowohl sexuell als auch auch geistig, Macher, Denker, Natur, Tiere und gutes Essen. Menschen, die freundlich zu mir sind, inspirieren mich. Geld motiviert mich mehr, als dass es mich inspiriert. Es ist merkwürdig, aber wenn ich kein Geld habe, habe ich keine Lust, zu arbeiten. Aber je mehr Geld ich habe, desto produktiver werde ich.
Die Künstler, die ich heute mag, sind die, die machen, was ich mache: Das Vulgäre mit dem Schönen mixen, einen Kontrast, einen Widerspruch kreieren.
Kann sein, dass ich auch tue, was sie tun. Ich bin wohl definitiv nicht der Erste in dieser Branche.
Egal, so aus dem Bauch heraus: Manuel Vason, Sara Sitkin, Lloyd Newson, und zuletzt habe ich Daniel Arsham entdeckt. Ich mag seine Ästhetik.
Es sind meistens die Menschen, deren Arbeit mich denken lässt: „Ooooh, warum hab nicht ich daran gedacht?“

Was war der demütigendste Moment?

Es gab einen Moment, als ich ein weibliches Model in der Dusche fotografierte und wir ihren Kopf und ihr Gesicht mit einem Bondageseil umwickelten. Das Wasser ließ das Seil schrumpfen und irgendwann bekam sie keine Luft mehr. Da gab es dann einen kleinen Moment der Panik, weil wir sie wieder auswickeln mussten, und zwar schnell! Am Ende ging alles gut. Ich weiß, es war nicht sooo schlimm aber dies war der demütigendste Augenblick, oder zumindest nahe dran. Obwohl einige meiner Bilder gefährlich scheinen, gibt es im Vorhinein eine ganze Reihe an Vorsichtsmaßnahmen, die wir beachten.
Ich möchte nicht, dass jemand verletzt wird, während ich ein Foto mache. Außer, er oder sie will es so.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Gestellte Bilder sind nur eine Art und Weise, die Arbeit zu meiner eigenen zu machen. Ich kreiere eine Situation, und dann versuche ich, darin die Realität passieren zu lassen.
Es ist wie beim Jazz: Du weißt, dass du acht Takte improvisieren musst. Innerhalb dieser Takte kannst du spielen, was immer du magst. Aber es gibt acht Takte in einem Lied, und irgendjemand hat dieses Lied nun mal geschrieben. Meine Takte sind meine Rahmen. Dem Model sage ich: „Dies ist dein Rahmen, von hier bis dort, nun spiel“.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich plane, 2014 ein Jahr in den USA zu verbringen und dort sowohl an bestehenden als auch an neuen Projekten zu arbeiten. Dies wird dann ein Sabbatjahr, sodass ich alles ein bisschen lockerer angehen lassen kann.
„Naked Girls with Masks“ und „Dancers on Rooftops“ sind naheliegende Projekte, an denen ich dort weiterarbeiten kann. Ich möchte aber auch einige meiner persönlichen Helden fotografieren, wie Paul Simon, Tom Waits, Noam Chomsky, Bon Dylan und so. Menschen, die ich nicht mehr lange werde fotografieren können. Oder treffen. Ich möchte sie wirklich sehr gerne treffen.

Ben Hopper

Alter: 31

Ausbildung: keine

Nächste Ausstellung: Einzelausstellung "TBC", Stour Space in London, vom 6. September bis 1. Oktober
http://therealbenhopper.com
info@THEREALBenHopper.com

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