Junge Aktfotografie

Akt Now: Allison Barnes

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Allison Barnes und ihre täglichen Selbstporträts
Akt Now: Allison Barnes

Allison Barnes: "July 30, 2012; incision"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

All diese Fotos sind von meinem Projekt "The Dailys", bei dem ich ein Jahr lang täglich ein Selbstporträt mit meiner Großformatkamera geschossen habe, vom 3. Juli 2012 an. Es sind nicht alle dieser Bilder Akte, aber es sind einige dabei.

Ein Selbstporträt zu machen heißt, sich selbst oder etwas von sich selbst preiszugeben, und für mich war es dabei ganz normal, auch ausgezogen zu sein. Ich war beinahe entspannter wenn ich nackt war. Ich hatte das Gefühl, ehrlicher zu sein, oder dass alles andere im Bild wichtiger wurde, weil meine Kleidung nicht ablenken konnte. Ich wollte nicht, dass meine Outfits Teil der Bilder wurden, weil sie unnötig waren. Ich wollte vielmehr kleinere Momente zeigen, die Aufmerksamkeit auf kleinere Dinge lenken, etwa was ich in der Hand halte, was um mich herum ist, wie das Licht auf meinen Körper scheint, oder wie Textilien im Kontrast zu meiner Haut stehen. Diese Ereignisse waren kleine Ausschnitte aus meinem Tag, und sie sollen Verletzlichkeit genauso wie Stärke vermitteln, und sie sollen über die Dinge erzählen die uns nahe sind, die Teil von uns sind, Teil unserer täglichen Geschichten.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Die meisten Bilder wurden in meinem Hinterhof oder in meinem Haus gemacht. Ich war also relativ geschützt und fühlte mich hinter den Bäumen sicher, auch vor meinen Nachbarn nackt zu posieren. Trotzdem – der erste Akt der Serie wurde am 7. Juli gemacht, erst am vierten Tag. Da war ich an einem Strand auf einer Insel vor Georgia, allerdings ganz alleine. Am nächsten Tag war ich in meinem Hinterhof, und am Tag danach wieder in Georgia, beim Campen. Ich glaube nicht dass ich Selbstporträts, egal ob nackt oder bekleidet, vor einem Publikum machen könnte, einfach weil es ein langwieriger, meditativer Prozess ist. Ich fühle mich zwar sicher in meiner Haut, trotzdem ist es für mich als Künstlerin schwierig den bestimmten Moment zu finden. Ich brauche Raum, um diesen Moment zu finden. Aber mir gefällt der Prozess, meine eigenen Grenzen auszutesten, meine Beziehung zu unbekannten und bekannten Situationen oder meine Beziehung zur Kamera.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Ich glaube wir alle reagieren anders auf Akte, aber mir geht es da meist um die Beziehung die man selbst zu seiner Umgebung hat. Bei "The Dailys" habe ich den Bogen der Zeit benutzt, um Veränderung in den Porträts abzubilden. Das hat zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen geführt. 


Gibt es inspirierende Vorbilder?

Wenn es um Akte geht, dann halte ich mich oft an Renaissance-Gemälde, oder an Delacroix. Auch die modernen Akte von Matisse inspirieren mich – mir gefällt etwa, wie er Laub und Pflanzen einsetzt. Was Fotografie betrifft, so liebe ich Mohna Kuhns Bilder, sie sind sehr sinnlich und gefüllt mit Licht und Stoff und Objekten. Jeder Zentimeter in ihren Bildern ist wichtig, und trotzdem deutet alles auf die abgebildete Person. In der Literatur inspirieren mich antike griechische Gedichte von Sappho, die oft über ihren Körper und ihre Beziehung zu sich selbst und anderen geschrieben hat. v

Was war der peinlichste Moment?

Ich hatte Gott sei Dank noch keine peinlichen Momente, aber ein paar schmerzhafte. Einmal fotografierte ich in der Nähe eines Kaktus, und ich wusste nicht dass diese Spezies namens "Jumping Cholla" springende Stachel hat, die sie auf vorbeilaufende Tiere abschießt, damit diese die Samen des Kaktus weitertragen. Ich hatte den Kaktus zwar nicht berührt, aber trotzdem trafen mich hunderte Stachel – und ich war oben ohne. Ich habe damit vermutlich einige Kaktuspflanzen weitergetragen. 

Akt Now: Jonathan Leder
Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal Aktfotografie im Retrostil von Jonathan Leder

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Ich inszeniere natürlich meist, aber lasse dann trotzdem auch gerne den Zufall Einfluss auf meine Bilder nehmen. Ich glaube es ist wichtig, immer genau zu wissen, was in deinem Kamerasucher vor sich geht, aber ich mag es auch wenn das Schicksal seinen Lauf nimmt und etwas schafft, was man niemals hätte planen können. Das großartige an Analogfotografie ist die Alchemie dahinter. Manchmal denke ich, ich hätte ein bestimmtes Bild gemacht, und bei der Entwicklung stellt sich heraus, dass es etwas komplett anderes geworden ist, manchmal etwas besseres. Ich würde das aber nicht Zufall nennen, weil sich Bilder einfach oft selbst erzeugen. Wenn ich ein Selbstporträt mache, dann verlasse ich mich sowieso viel auf das Glück, weil ich nicht genau weiß, wie das Licht auf mich fällt oder ob ich mich im Bildausschnitt bewegt habe. Aber genau diese Überraschungen liebe ich an meinem Projekt. 

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich freue mich gerade darauf, viel zu reisen und für ein Projekt zu recherchieren, an dem ich seit zwei Jahren arbeite. Die meiste meiner Arbeit hat viel mit Recherche zu tun, und ich treffe oft unglaubliche Leute und sehe unglaubliche Orte. Ich hoffe meine Arbeit wird mich weiter auf spannende Wege führen und dass ich noch mehr über die Beziehung zwischen Fotografie, Landschaft, Raum und mich selbst erfahre.

Allison Barnes

Alter: 29

Nächste Ausstellung: Derzeit Garner Center for Photographic Exhibitions, Gruppenausstellung "Intimate View", demnächst Ausstellung bei Albi Fine Arts in Chicago

Ausbildung: School of Visual Arts, BFA, Savannah College of Art and Design, MFA

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Die besten Aktbilder junger Fotografen – jede Woche neu!