Junge Aktfotografie

Akt Now: Nikki Silver

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal Nikki Silver mit ihren natürlichen Aktfotos unrasierter Frauen
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Nikki Silver: ohne Titel

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ich möchte Nacktheit als etwas ganz Normales zeigen. Aber will ich die Leute gleichzeitig schockieren. Ich selber bin Nudistin und nackt, so oft ich kann. Besonders für Frauen ist Nacktheit auf etwas Erotisches reduziert und ich denke, dass das nicht hilfreich ist.

Das ist eine dem Sex gegenüber negative, patriarchalische Kultur. Nacktheit in der Kunst zeigt uns, dass Sexualität nicht vom alltäglichen Leben, von Kunst und unseren Erfahrungen auf der ganzen Welt getrennt gesehen werden kann. Wir versuchen, uns mit Kleidung zu verhüllen, aber sobald wir sie loswerden, können wir uns nicht verstecken oder angeben, jemand zu sein, der wir gar nicht sind.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Das kommt ganz auf den Betrachter, den Künstler und das Model an. Alle drei können da ganz anderer Meinung sein! Ich will meine Arbeit gar nicht von Pornografie trennen. Wie ich schon sagte, ist Sexualität für mich kein separater Teil unserer selbst. Daher sehe ich keine Linie zwischen Pornografie und Kunst. Meine Lieblingskunst ist sogar eine Kombination aus beidem.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich glaube nicht an Tabus. Ich bin nur gegen Bilder die Menschen verletzen oder verletzende Gedanken beinhalten. Oder wenn sich das Modell selbst von dem Inhalt angegriffen fühlt. Für all meine Arbeiten und auch für mein Buch "Unshaven" rede ich mit den Models und versuche, sie zu einer echten Zusammenarbeit zu bewegen. Ich möchte immer sicher gehen, dass sich mein Gegenüber wohlfühlt. Alle sollen mit der Art, wie sie dargestellt werden, zufrieden sind.
Ich würde sehr gerne eine Serie zum Thema Menstruation machen und zeigen, wie Blut aus einem menschlichen Körper fließt. Klar gilt das als Tabu, aber es ist doch etwas ganz Natürliches, das niemandem wehtut. Dagegen sind Bilder von dünnen, weißen, jungaussehenden Models in schwachen Posen, wie man sie in so vielen Modemagazinen sieht, viel gefährlicher. Dass diese Aufnahmen eine „normale“ Idee von Schönheit vermitteln, wird dagegen nicht als Tabu betrachtet.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Meine größte Inspiration sind die Natur und die unrasierten Models, die ich fotografiere. Indem ich sie in der Natur ablichte, will ich beides verbinden – das fühlt sich für mich tatsächlich am natürlichsten. Werner Herzogs Achtung vor der Schönheit und sein Streben nach Wahrheit in seinen Filmen sind toll. Nan Goldin mit ihrem Engagement für die Leute, die sie mit ihrer Fotografie repräsentiert, ist es auch. An Kiki Smith schätze ich ihre hexenartige, aber natürliche und irgendwie krankhafte multimediale Kunst. Dann Corwin Prescott und seine Aktmodelle in atemberaubender Natur sowie seine Art, die Orte, an denen er die Bilder aufnimmt, zu respektieren. Zuletzt Miyazaki für seine Erfindung der starken aber auch verletzlichen Prinzessinnen-Heldin und sein Talent, beide Eigenschaften gleichberechtigt nebeneinander zu stellen.

Was war der peinlichste Moment?

Ich glaube nicht, dass ich überhaupt peinlich berührt sein kann. Es gibt Situationen, in denen ich mich nicht gerne wiederfinde oder in denen ich mich unwohl fühle, aber die vermeide ich so gut es geht. Ich kann mich nicht daran erinnern, mich einmal wirklich blamiert zu haben.

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Welche Rolle spielt die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Beides ist sehr wichtig. Normalerweise wähle ich einen Ort und vielleicht ein paar Outfits oder Zubehör, aber dann lasse ich den Models freien Lauf. Es kann schon sein, dass ich ein paar Vorschläge mache, aber meistens sollen sie sich frei in der Natur bewegen, ganz wie ihnen danach ist. Eine wichtige Rolle nimmt natürlich die Sonne ein, weil ich sie nicht kontrollieren kann und sie sich nicht von mir führen lässt.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Es gibt so viele. Die meisten Ideen kann ich nicht preisgeben, weil ich sie mir nicht klauen lassen will. Ich freue mich über meine Entwicklung – durch und mit dem Akt. Ich bewege mich in einem neuen Terrain, einem filmischen. Außerdem hoffe ich darauf, eine dunklere Seite von Sexualität zu entdecken, die weder mit Gewalt noch mit den Klischees, denen BDSM ausgesetzt sind, verbunden ist. Im Grunde wünsche ich mir, Grenzen weiter aufzulösen – gesellschaftliche, aber auch meine eigenen. Das habe ich bereits mit dem Filmprojekt getan, das wir gerade abgeschlossen haben, der Film heißt "Diathesis".

Nikki Silver

Kontakt: xnikkisilverx@gmail.com

Niki Silvers Buch "Unshaven" ist hier erhältlich.

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