Akt Now: Junge Aktfotografie

Akt Now: Joanna Szproch

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Joanna Szproch, deren Aktfotografien bis September auch in einer Berliner Gruppenausstellung zu sehen sind.
Akt Now: Joanna Szproch

Joanna Szproch: "Ohne Titel"

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

In erster Linie sind es das Porträt und die kreative Auseinandersetzung mit meinem Gegenüber, die mich faszinieren. Ich möchte Nacktheit nicht verteufeln, da es etwas ganz natürliches ist. Trotzdem ist sie im kulturellen Kontext zu etwas Intimen geworden. Für mich ist Nacktheit eine Art des Porträts, das eine enge Verbindung zwischen mir und - in den meisten Fällen - dem weiblichen Modell zulässt. Ich fotografiere in der Regel Frauen, weil ich mich als Frau mit ihnen identifizieren kann; es ist die authentischste Weise, mich auszudrücken und mit anderen zu kommunizieren. Dadurch habe ich das Gefühl, dass ich es wirklich verstehe. Dass ich die Möglichkeit habe, sie als nackte Frau zu fotografieren, bedeutet für mich, dass ich einen Zugang zu ihrem wahren Ich erhalte. Es geht um Vertrauen und eine besondere Verbindung, wodurch ich sie als sie selbst sehe.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Es gibt keine Grenzen solange sich mein Modell wohlfühlt. Mich interessiert der neurobiologische Aspekt der menschlichen Natur sehr, sodass ich Tabus als einen kulturellen Aberglauben betrachte. Außerdem glaube ich an eine spirituelle Ebene, auf der wir uns mit Neugier und voller Respekt begegnen.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Egal um welches Thema es sich handelt, Authentizität ist für mich immer am wichtigsten. Es gibt diese besondere Beziehung zwischen dem richtigen Moment (und damit der Verbindung zu meinem Gegenüber) und den perfekten Umständen – zu welchen Licht, Komposition, Farben und Kontext gehören. Alles kann Kunst sein, daher schätze ich besonders das Handwerk, Talent und die Fähigkeit, Bedeutung einzufangen. Ganz davon abgesehen ist Langeweile überhaupt nicht meins.


Gibt es inspirierende Vorbilder?

Zunächst versuche ich immer, Inspiration bei mir selbst, bei der Begegnung mit meinem Gegenüber oder bei ihr selbst zu finden. Ich weiß, dass die interessantesten Projekte ihren Ursprung im privaten Leben von Fotografen haben. Es war mir eine Ehre Teil der letzten Ausgabe von "Mosless", einer sehr interessanten Publikation, kuratiert von der tollen Charlotte Cotton, zu sein. Darin bin ich neben meinen Lieblingskünstlern – darunter Arvida Bystrom, Molly Soda, Ilana Savdie, Juno Calypso, Signe Pierce, Katie Stienstra und Rollin Leonard – aufgetreten. Und es passt perfekt zu mir, mich in diesen vorrangig weiblichen Blickwinkel, diese neue Generation einer post-internet, pastellfarbenen Welt einzuordnen. Wo ich Labels eigentlich doch hasse!

Akt Now: Katja Sonnewend
Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal mit erotischen Polaroids von Katja Sonnewend

Was war der peinlichste Moment?

Nicht wirklich. Als ich jedoch an meinem aktuellen Projekt gearbeitet habe – wir hatten sehr viele Shootings mit meiner Muse Patrycja aka @smilefomedaddy – hatte sie einen schlechten Tag. Allerdings konnten wir die Aufnahmen nicht verschieben, weil wir den Ort schon so lange im Voraus gebucht hatten. Es gab so eine gewisse Spannung - daran kann ich mich noch gut erinnern -, die wir von beiden Seiten gespürt haben. Sie hat meinen Frust gespürt und ich habe gemerkt, wie sie mich in dem Moment einfach nur hasste. Es war trotzdem eine lustige Erfahrung; heute können wir beide darüber lachen.


Welche Rolle spielt die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Vorbereitung hat immer Vorrang, bis Spontanität dazukommt. Diese bringt dann immer einen unerwarteten Dialog mit meinem Modell mit sich. Aber es ist auch wichtig, was nach einem Shooting passiert. Ich bin ein Freak, wenn es um die Bildauswahl und die Kreation eines Narratives geht, der eine Geschichte nicht auf eine klassische Weise erzählt.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

2010 habe ich damit angefangen, Patrycja zu fotografieren. Seitdem haben wir uns sehr oft getroffen und zusammen gearbeitet. Unsere Beziehung ist sehr eng geworden, fast intim. In ein paar tausend Bildern habe ich ihr Gesicht und ihre Launen festgehalten und dabei sehr viele verschiedene Facetten an ihr entdeckt. Sie kann sich wie ein Chamäleon verändern. In den Fotografien habe ich mit verschiedenen Objekten experimentiert, die alle besondere visuelle Charakteristika besitzen und die ich optische Algorithmen nenne. Ich habe sie durch Fenster, Prismen und schillernde Folien fotografiert. In ihrer Reflektion schaut Patrycja auf ein Foto von sich selbst. Sie posiert wie ein klassisches Modell in der Mitte eines sich unaufhörlich wiederholenden Fraktales: Sie sieht ein perfektes Portrait von sich selbst. Ich möchte mit analogen Effekten und Übergängen wie die Idee von optischen Effekten – Spiegel, Prismen, Folie – experimentieren um zunächst ein organisches Layout zu designen. Das Ergebnis wird in Form eines Buchs erscheinen; ein Buch über Patrycja und optische Erscheinungen.

Joanna Szproch

Alter: 37

Ausbildung: Studium der Fotografie an der Strzemiński Academy of Art Łódź

Bilder von Joanna Szproch sind noch bis zum 23. September in der Gruppenausstellung "Gold Train" im K-Salon in Berlin zu sehen.

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Die besten Aktbilder junger Fotografen – jede Woche neu!