Akt Now - Aktfotografie

Akt Now: Paula Winkler

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Paula Winkler, die die Posen gern gemeinsam mit dem Modell erarbeitet
Junge Aktfotografie:Die besten Aktbilder internationaler Fotografen

Paula Winkler fotografierte für ihre Serie "Exceptional Encounters" Männer, die sie über eine Sexplattform kontaktierte. Paula Winkler: "Encounter #3" aus der Serie "Exceptional Encounters", 2011

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Obwohl der Darstellung von nackten Körpern besondere Natürlichkeit zugeschrieben wird, ist kein anderes Genre so geschlechtsspezifisch konstruiert wie dieses. Bilder spiegeln ja nicht einfach nur eine Wirklichkeit wieder, sie sind konstruiert und prägen unser Verständnis von der Realität wie zum Beispiel von Geschlechterrollen und Sexualität. Und genau an diesem Diskurs möchte ich auf visueller Ebene teilhaben. Mich reizt vor allem der männliche Akt. Im Gegensatz zum weiblichen ist der männliche Akt visuell oder konkret fotografisch weit weniger behandelt worden – besonders von Frauen. In dieser Hinsicht ist er sozusagen ein fast unbeschriebenes Blatt. Unter anderem diese Tatsache macht es sehr reizvoll, sich damit zu beschäftigen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich bin mir meiner Rolle als Fotografin sehr bewusst und bin bemüht, besonders im Bereich der Aktfotografie keine starren oder veralteten Geschlechterkonventionen in Bildern zu reproduzieren.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Für mich ist es wichtig, dass dem zeitgenössischen Akt ein reflektierter Umgang mit dem eigenen Genre angemerkt werden kann. Er sollte über die Darstellung des nackten Körpers konzeptionell hinausgehen.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

In der Fotografie sprechen mich ästhetisch viele der klassischen Aktbilder der zwanziger bis fünfziger Jahre an, in denen viel mit Masken und Stoffen gearbeitet wurde.

Was war der peinlichste Moment?

Zu einem Shooting zu fahren und die Kamera zu vergessen.

Welche Rolle spielen die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Für die hier gezeigte Arbeit habe ich mich mit Männern von einer Online-Sexplattform getroffen, um sie in Hotelzimmern zu fotografieren. Die Männer waren ausschließlich Amateure ohne Kameraerfahrung. Außerdem hatte ich sie zuvor nicht getroffen – das erste Treffen fand also direkt dort zum Fotografieren statt. Ich legte das jeweilige Hotelzimmer fest, und in diesem festen Rahmen erarbeiteten wir uns die Posen gemeinschaftlich.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich werde auch weiterhin an dem Themenkomplex von Körper, Identität und Sexualität arbeiten. Dieses Spannungsfeld beschäftigt mich immer noch sehr.

Steckbrief:

Name: Paula Winkler

Alter: 33

Hochschule/Ausbildung: Studium der Fotografie an der FH Bielefeld

Nächste Ausstellung: "The Space Beyond", Camera Club, New York im Januar 2014

Preise/Stipendien: European Photo Exhibition Award, Residency im Atelier de Visu in Marseille, F-Stop Festival Leipzig
http://www.paulawinkler.com/
mail@paulawinkler.com

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