C/O Berlin - Umzug

Mitte-Kind am Bahnhof Zoo

Ab Sommer 2013 wird C/O Berlin im Amerika-Haus Fotokunst zeigen und wertet damit die City West kulturell auf. Das ehemalige Kunstquartier Berlin-Mitte hingegen verliert einen wichtigen Publikumsmagneten.
Fotografie am Zoo:C/O Berlin zieht ins Amerika-Haus

Stephan Erfurt, Vorstandsmitglied der C/O Berlin Stiftung, im Anschluss an die Pressekonferenz vor dem Amerika Haus in Berlin - das Haus wird neuer Standort der Fotogalerie C/O Berlin.

Berliner und Berlin-Besucher, die sich für Fotografie interessieren, werden zukünftig am Bahnhof Zoo aussteigen und nicht mehr am Hackeschen Markt. Denn ab Sommer 2013 wird C/O Berlin, die wichtigste Foto-Institution der Stadt, auf 2000 Quadratmetern im Amerika-Haus direkt am Bahnhof Zoo den Ausstellungsbetrieb aufnehmen. Damit befindet sich die im Jahr 2000 durch den Fotografen Stephan Erfurt, den Gestalter Marc Naroska und den Architekten Ingo Pott gegründete Privat-Institution mit den populärsten großen und interessantesten kleinen Ausstellungen thematisch in bester Nachbarschaft:Ddas staatliche Museum für Fotografie, die Newton-Stiftung und die kommerzielle Camera-Work-Galerie an der Kantstraße arbeiten in fußläufiger Nähe.

"Wir sind ein Mitte-Kind" erklärte Stephan Erfurt, C/O Berlin-Direktor auf der heutigen Pressekonferenz im Amerika Haus, während auf der Hardenbergstraße raußen der Verkehr rauschte. Doch auch Kinder würden eben erwachsen und verstünden oft ihre Eltern nicht mehr. Jahrelang war das renommierte Ausstellungshaus für zeitgenössische Fotografie auf Quartiersuche gewesen und von der Lokalpolitik und anderen Akteuren auf eine harte Probe gestellt worden. Der aktuelle Eigentümer des Postfuhramts, die Herzmaschinen-Firma Biotronic, möchte C/O lieber heute als morgen aus dem Gebäude haben. In der ehemaligen jüdischen Mädchenschule an der Auguststraße zog statt C/O ein Edelrestaurant ein. Zuletzt scheiterten die Bemühungen um die ehemaligen Ateliergebäude im Monbijou-Park trotz Zusagen der Politik an der verwaltungspoltischen Realitäten im Bezirk-Mitte.

Nun jedoch scheint alles gut: Groß ist die Freude darüber, endlich ein neues Domizil gefunden zu haben. Mit bebender Stimme dankte der C/O-Direktor allen am Gelingen Beteiligten, unter anderem dem neben ihm sitzenden Kulturstaatssekretär André Schmitz, der eins ums andere Mal "den Rücken breit" gemacht habe, als es um die Quartiersuche für die extrem erfolgreiche und von der Existenz bedrohte Institution ging.

Dass es so dramatisch wurde, wirft auch ein weiteres Mal Licht auf die fehlgeleitete Berliner Liegenschaftspolitik der letzten Jahre: Die Stadt hat es schlicht versäumt, das Postfuhramt an der Oranienburger Straße als Kulturstandort zu sichern. Seit der Wendezeit war der schöne, unter Denkmalschutz stehende Gründerzeit-Backsteinbau schließlich in erster Linie immer nur eines gewesen: Ateliergebäude und Ausstellungsort, unter anderem für verschiedene Berlin-Biennalen. Seit dem Verkauf 2005 durch die Post AG geriet der Bau immer mehr zur Verschiebemasse zwischen verschiedenen Großinvestoren. Ein ähnliches Schicksal bleibt dem Amerika-Haus wohl fürs Erste erspart. Am letzten Mittwoch, den 12. Dezember wurde ein Mietvertrag mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) über die Nutzung des Gebäudes für die nächsten 16 Jahre unterschrieben. Das ehemalige US-Kulturzentrum wurde 1956/57 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung nach Plänen des Architekten Bruno Grimmek von der United States Information Agency (USIS). Der steinerne Zeuge der Re-Education wurde 2006 dem Liegenschaftsfonds zur meistbietenden Veräußerung übereignet und im letzten Jahr von dort durch die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres für die Landeszentrale für politische Bildung zurückgeholt. Diese wird zukünftig 500 Quadratmeter im Haus belegen und womöglich vom C/O-Effekt beträchtlich profitieren.

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