Bryan Adams - Düsseldorf

Die Queen und die Rock-Legende

Von der Bühne hat Bryan Adams sich zwar noch längst nicht verabschiedet, dennoch widmet er sich neben der Musik auch der Fotografie und hatte schon Berühmtheiten wie Mickey Rourke, Amy Winheouse und Lana Del Rey oder eben die Queen vor der Kamera. Das NRW-Forum Düsseldorf zeigt die Porträtaufnahmen des gebürtigen Kanadiers.

"Those were the best Days of my Life" hallt es hier und da noch aus den Lautsprechern mancher Radiosender. Der "Summer of ´69" ist längst vorbei. Mittlerweile ist es Winter 2013 und Bryan Adams macht sich nicht mehr als Sänger eines großen Sommerhits, sondern als Fotograf einen Namen.

Die Arme fest um den eigenen Körper geschlungen, schaut die Schauspielerin Julianne Moore scheu in die Kamera, wohingegen Helena Bonham Carter mit Kaffeetasse in der Hand dem Betrachter mit sehr selbstbewusstem Gesichtsausdruck entgegenblickt. Pamela Anderson steht mitten auf der Straße, lachend, nur eine Decke um den Körper gewickelt. Gesichter bekannter Menschen, Filmstars und Musiker bilden den ersten und umfassenderen Teil der zweiteiligen Ausstellung mit dem Titel "Exposed" des Komponisten und Fotografen Bryan Adams, in der insgesamt zirka 150 Bilder gezeigt werden. Einige davon sind Studioaufnahmen, andere wiederum haben die Anmutung von Filmszenen, wirken eher situativ, wie eine Aufnahme von Ben Kingsley, der in einer Art Bademantel gekleidet einen Fernseher bedient. Amy Winehouse, mit der Adams insgesamt sechs Mal zusammengearbeitet hat, ist gleich mehrfach zu sehen. Eine Studioaufnahme zeigt die verstorbene Sängerin, wie sie vor einem Plattenspieler auf dem Boden kniet. Auf einem anderen ist sie in Bikini am Strand zu sehen. Das Highlight dieser Bilder ist jedoch ein Schwarzweiß-Foto der Queen, die lächelnd neben dem Seiteneingang des Buckingham Palast auf einem Stuhl sitzt, neben ihr zwei Paar Gummistiefel.

Zwei Mal war Adams unter den Gewinnern des Lead Awards in Hamburg. 2006 mit einer Fotostrecke über den Schauspieler Mickey Rourke. 2012 gelangte er auf den zweiten Platz mit Bildern der Stil Ikone Daphne Guinness. Dennoch sagt Adams: "Nur weil meine Anrufe beantwortet werden, heißt das noch lange nicht, dass es für mich einfacher ist, andere Stars zu fotografieren. Meine Arbeit muss für sich selbst sprechen". Seine Fotografien sind ausdrucksstark, teilweise erotisch, intim, witzig. Sie zu betrachten macht Spaß und es wird deutlich, dass die Berühmtheiten aus Film- und Musikgeschäft sich in Gegenwart des Fotografen wohl und vertraut fühlen. Er ist einer von ihnen und kommt dementsprechend auch nah an sie heran. Auf die Frage, ob er lieber Männer oder schöne Frauen fotografiere, antwortet Adams: "Ich mag Charaktere, mir ist es egal welchen Geschlechts".

Der zweite Teil der Ausstellung findet in einem separaten Raum statt und eröffnet mit einer zerfetzten britischen Flagge, dem einzig farbigen Bild in diesem Part der Schau. Die restlichen Aufnahmen sind Schwarzweiß-Porträts ehemaliger britischer Soldaten, die von ihren Einsätzen aus dem Irak oder Afghanistan zurück gekehrt sind. Adams hat alle Männer vor einem weißen Hintergrund fotografiert. Ein Mann spielt mit seiner Beinprothese, ein anderer wurde mit nacktem Oberkörper fotografiert, auf dem Narben zu sehen sind, darunter prangt ein Tattoo mit dem Schriftzug "unscarred". Das Gesicht eines weiteren Mannes ist völlig entstellt, dennoch lächelt er in die Kamera. Einige haben einen Tarnanzug an, andere noch ihre Uniform, einer der ehemaligen Soldaten trägt in seinem verletzten Auge als Kontaktlinse den "Union Jack".

Adams Intention war es, den starken Lebenswillen dieser Menschen zu zeigen. Zu verdeutlichen, dass trotz der Grausamkeiten des Krieges ihr Stolz und ihr Humor ungebrochen sind und das Leben weitergeht. "Ich bewundere einfach ihren Optimismus", sagt der Fotokünstler. Gut, dass man diese Information bekommt, denn sonst könnte man leicht zu der Vermutung gelangen, es handle sich hierbei um eine patriotische Kriegsheldenverehrung. Adams verarbeitet in seinen Fotos keine neuen Informationen. Die Bilder wirken steif, transportieren wenig Emotion und kommen fast wie eine Art Produktfoto daher.

Der kleine, charismatische Mann mit dem zerfurchten Gesicht beantwortet auf der Pressekonferenz alle Fragen mit viel Geduld. Er wirkt routiniert, hier und da macht er ein Witzchen. Ein echter Profi eben. Und bei der Eröffnung vor dem prall gefüllten Foyer des NRW-Forum lässt er es sich nicht nehmen, sich ausführlich für die tolle Ausstellung zu bedanken. "Das ist die beste Show, die ich bisher hatte", verrät er.

Bryan Adams – Exposed

bis 22. Mai
im NRW-Forum Düsseldorf,
kuratiert von Anke Degenhard,
unterstützt von der Carl Zeiss AG.
Anlässlich der Ausstellung, die nach Düsseldorf auf eine Welttournee durch große Museen gehen wird, erschien im Steidl Verlag der Bildband "Bryan Adams – Exposed" (64 Euro), der im Museumsshop erhältlich ist.
http://www.nrw-forum.de/bryan_adams_exposed