Foto-Ikone von Steve McCurry

Afghanische Madonna verhaftet

1984 enstand das berühmtestes Motiv des US-amerikanischen Fotografen Steve McCurry: das Porträt eines afghanischen Mädchens mit rotem Kopftuch. Es wurde zur fotografischen Ikone. 2002 gab es ein lange für unmöglich gehaltenes Wiedersehen mit der Porträtierten. Jetzt nahm die Geschichte eine neue, tragische Wendung.
Reisender in Asien:Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt Steve McCurrys Fotos

Steve McCurry und sein berühmtestes Bild, das Porträt eines afghanisches Mädchens aus dem Jahr 1984, rechts das Bild derselben Frau aus dem Jahr 2002

Die Fotos von Steve McCurry sind bunt. Wenn man sie betrachtet, wird man in eine Zeit zurückversetzt, als es in Magazinen noch Zigarettenwerbung gab und die Farbigkeit von Bildern ein Versprechen für die Exotik fremder Länder und Kulturen war. Das Werk des 1950 in Philadelphia geborenen Fotografen umfasst jedoch mehr als das Heraufbeschwören heiler Welten mit farbenfrohen Kleidern, religiösen Bräuchen und spektakulären Landschaften. Immer wieder fotografierte McCurry auch in Krisenregionen. Erste Bekanntheit erlangte er Anfang der achtziger Jahre mit Bildern aus Afghanistan in der Zeit der sowjetischen Invasion. Über Pakistan gelangte er damals in das für westliche Fotografen unzugängliche Land. Vor Ort ließ er sich zur Tarnung einen Bart wachsen, trug traditionelle afghanische Gewänder und bewegte sich unter dem Schutz der Mudschaheddin.

Steve McCurry berühmtestes Bild entstand in einem pakistanischen Flüchtlingscamp

Auch sein berühmtestes Bild entstand im Rahmen des Afghanistankonflikts: 1984 porträtierte McCurry ein afghanisches Mädchen mit rotem Kopftuch und leuchtend grünen Augen. Einmal gesehen, kann wohl kaum jemand dieses Gesicht vergessen: So eindringlich ist der Blick, so perfekt die Farbkomposition, bei der sich das Grün der Augen in der Farbe des Hintergrundes und des Gewandes widerspiegelt. Das Porträt der viele Jahre Unbekannten entstand in einem pakistanischen Flüchtlingscamp, zierte Magazin- und Buchcover und wird schon mal als "Afghanische Mona Lisa" bezeichnet.

Der asiatische Kontinent hat es Steve McCurry besonders angetan. Allein nach Indien reiste er mehr als 80 Mal. Nur an Orten, wo es warm genug ist, dass sich das Leben der Menschen auf der Straße abspielen kann, findet er laut eigenem Bekunden die Geschichten, die er mit seinen Bildern erzählen möchte. Es sind Geschichten von Mönchen, die in Burma mit ihren Gebeten einen goldenen Fels vorm Abstürzen zu bewahren scheinen, von in Burkas gekleideten Frauen, die an einem Marktstand (vermutlich plagiierte) Markensportschuhe begutachten oder von waghalsigen Rangierern auf einer Dampflok vor dem Taj Mahal.

2006 wurde Sharbat Gula verhaftet, ihr drohen Gefängnis und Abschiebung

Mit dem afghanischen Mädchen gab es übrigens ein lange für unmöglich gehaltenes Wiedersehen: Nach sowjetischer Besatzung und Taliban-Herrschaft trafen Fotograf und Modell im Jahr 2002 noch einmal aufeinander. Nach 18 Jahren erfuhr Steve McCurry schließlich den Namen der Frau, deren Porträt ihn berühmt gemacht hat, und Sharbat Gula sah zum ersten Mal ihr eigenes Foto.

Nun nahm die Geschichte eine weitere, tragische Wendung. Wie bekannt wurde, ist Sharbat Gula oder Sharbat Bibi, wie sie heute heißt, in der pakistanischen Stadt Peshawar verhaftet worden. Sharbat Bibi drohen wegen Fälschung einer Identitätskarte bis zu sieben Jahre Gefängnis und die Abschiebung nach Afghanistan.

Gegenwelten:Interview mit Magnum-Fotograf Steve McCurry
Sein Porträt eines afghanischen Mädchens mit rotem Kopftuch und den leuchtend grünen Augen wurde zur modernen Ikone und machte ihn weltberühmt. In Hamburg zeigt Steve McCurry jetzt Fotos, die auf Reisen entlang des "Coffee Trails" entstanden sind, unter anderem in Kolumbien, Brasilien, Äthiopien oder Vietnam. Anlässlich der Ausstellung in der Flo Peters Gallery sprach der Magnum-Fotograf mit art über den Wahrheitsgehalt von Bildern, die...
Rubrik Fotografie
Aktuelle Ausstellungen, Artikel zur Kunst und Geschichte der Fotografie und regelmäßige Kolumnen