Douglas Gordon - Essen

Das Abbild als Fetisch

Neue Foto- und Videoarbeiten des britischen Turner-Preisträgers
Das Abbild als Fetisch:x

400

Kinder posieren in Halloween-Kostümen, die aus der Gruppe eine Armee zum Verwechseln ähnlicher Monster machen; neugierige Passanten spiegeln sich im Schau-fenster einer Metzgerei, die wie Luftballons aufgeblasene Tierdärme präsentiert; eine vor Schmutz triefende Hand schwebt über einer Lache, und auf einer Fotografie hat das Empire State Building plötzlich einen Zwillingsturm.

Dies sind nur vier Motive aus Douglas Gordons 360 Objekte umfassender Fotogalerie "Everything Is Nothing without Its Reflection", aber sie vermitteln schon einen guten Eindruck vom unheimlichen Charakter dieser Schau. Zumal Gordon etliche Spiegel zwischen die dicht gedrängten Fotografien hängt und uns so auch über unser Selbstbild leise erschrecken lässt.

Im Werk des britischen Video- und Fotokünstlers Douglas Gordon, Jahrgang
1966, taucht die Spiegelmetapher mit großer Verlässlichkeit immer wieder auf. Etwa wenn er Robert De Niros berühmtes Selbstgespräch aus dem Film "Taxi Driver" ("You talkin’ to me?") auf zwei einander gegenüber aufgestellte Leinwände im Raum verteilt oder indem er in der Videoarbeit "Ein gespaltenes Ich" seine Arme – der eine rasiert, der andere behaart – miteinander ringen lässt.

Sein neuestes, als Kooperation mit der Ruhrtriennale entstandenes Spiegelkabinett steht im Essener Museum Folkwang und macht aus den Bildern einen Fetisch: Wenn wir schon nichts ohne unsere fotografischen oder filmischen Spiegelbilder sind, sollten wir lieber ganz genau hinschauen.

Im Rahmen der Ruhrtriennale ist in Essen noch eine zweite neue Arbeit von Gordon zu sehen. Neben der "Photografic Panto­mime" im Museum Folkwang hat er unter dem Titel "Silence, Exile, Deceit" in der Mischanlage der Kokerei Zollverein eine "industrielle Pantomime" eingerichtet (23.August bis 6. Oktober.). Ihre Bühne ist die ehemalige Mischanlage, passend zum Ort handelt die Videoinstallation vom Schweigen der Maschinen, dem Exil der Arbeiter und von den falschen Versprechen der Politik.

Douglas Gordon: Silence, Exile, Deceit

bis 17. November,
im Rahmen der Ruhrtriennale,
Museum Folkwang und Mischanlage Kokerei Zollverein,
Essen,
Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Zu den Ausstellungen wird ein Beiheft erscheinen.
http://www.ruhrtriennale.de/de/programm/produktionen/douglas-gordon-silence-exile-deceit/