Lorna Simpson - München

Rätselhafte Schachpartie

Das Haus der Kunst zeigt die erste Museumsretrospektive der Afroamerikanerin in Europa.

Als Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten wurde, schien der Rassismus in Amerika endgültig überwunden zu sein. Doch im Alltag werden Schwarze oft noch unterschwellig diskriminiert.

Lorna Simpson hat den Sexismus und Rassismus gegenüber Afroamerikanern zum Thema ihrer künstlerischen Arbeit gemacht. Die gelernte Dokumentarfotografin konfrontiert den Betrachter aber nicht etwa mit nüchternen Fakten, sondern verwickelt ihn subtil in rätselhafte Geschichten.

Im Haus der Kunst ist die erste monografische Ausstellung in Europa der 1960 in New York geborenen afroamerikanischen Künstlerin zu sehen. Sie wurde zusammen mit der Foundation for the Exhibition of Photography, Minneapolis, und dem Jeu de Paume in Paris konzipiert und umfasst Fotografien, Filme, Videos und Zeichnungen aus mehr als 30 Jahren ihres künstlerischen Schaffens.

Lorna Simpson ist auch in Europa schon lange keine Unbekannte mehr. So wurden ihre Arbeiten bereits auf der Biennale in Venedig und auf der documenta in Kassel gezeigt. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre lebensgroßen Porträts von afrikanischen Frauen, die sie in unterschiedlichen Zusammenhängen inszeniert. Dabei spielen auch Perücken eine Rolle. Die Auseinandersetzung mit der kulturellen Bedeutung von Haaren und Frisuren in Bezug auf Ethnie, Klasse, Alter und Geschlecht hat seit 1988 einen zentralen Platz in ihrem Werk.

Mitte der neunziger Jahre beschäftigte sie sich zunehmend mit dem Verhältnis von Sprache und Bild. So entstanden kombinierte Textbildtafeln, bei denen sie die Fotografien auf Filz, statt auf glänzendem Papier ausdruckte. In den letzten zehn Jahren konzentrierte sie sich vor allem auf Film – und Videoinstallationen. Im Haus der Kunst ist auch ihre neue Drei-Kanal-Videoinstallation "Chess" zu sehen – eine elegische, rätselhafte Schachpartie mit einer schwarzen Spielerin (Lorna Simpson), fünffach kaleidoskopisch zersplittert, in Männeroutfit gekleidet. "Für mich ist das Interessanteste an Filmen, wenn ich nicht weiß, wie sich die Sachen entwickeln. Wenn man den Zuschauer zwar emotional einbindet, aber nicht manipuliert und eine gewisse Offenheit zulässt", erklärte sie in einem Interview: "Es ist interessant, sich unsicher zu fühlen."

Lorna Simpson

München, Haus der Kunst
25.10.– 2.2.14

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