Rencontres d`Arles - Fotofestival

Nach dem Nullpunkt

Nachdem die Digitalfotografie fast das Ende den Bilder in Schwarzweiß bedeutet hätte, kommt das Medium zurück: Beim Fotofestival von Arles sind bedeutende Werke und Einzelaustellungen zu sehen.

Lange standen Schwarz und Weiß für die Fotokunst der Klassischen Moderne oder für den nostalgischen Blick zurück auf die Avantgarde von gestern.

Ihr scheinbar endgültiger Niedergang begann mit Beginn der digitalen Revolution in den frühen neunziger Jahren, und um 2000 landete ihre Produktion quasi auf dem Nullpunkt. Damit ist es jetzt vorbei, behaupten die Verantwortlichen der Rencontres d’ Arles und zeigen in der 44. Ausgabe des weltweit wichtigsten Fotofestivals mit insgesamt rund 50 Ausstellungen, wie heute immer mehr Künstler, Mode- und Reportagefotografen die Farbe aus ihren Aufnahmen eliminieren, um sich von der Flut der bunten Massenmedien abzuheben. Zu den Höhepunkten zählen zwei Einzelschauen von Hiroshi Sugimoto, dessen Block "Revolution" aus tafelbildgroßen Meditationen über die Grenzlinie von Himmel und Ozean besteht. "Schattenfarben" untersucht die Grautöne des Morgenlichts, das der Japaner zehn Jahre lang täglich mit der Polaroidkamera durch ein farbiges Prisma hindurch fotografiert hat.

Von Konzeptkünstler Alfredo Jaar sind Fotoinstallationen zu sehen, unter anderem zum Völkermord in Ruanda oder zur Jagd auf Osama Bin Laden. Der Südafrikaner Pieter Hugo zeigt Porträts seiner Freunde, der Kolumbianer Miguel Angel Rojas mit versteckter Kamera aufgenommene Schüsse aus Kinos, die in den siebziger Jahren als Treffpunkt für die Homosexuellen Bogotás dienten. Und Wolfgang Tillmans präsentiert seinen Werkblock "Neue Welt".

Wie immer wird in Arles, das in diesem Jahr unter die Aktivitäten der Europäischen Kulturhauptstadt Marseille-Provence fällt, Zeitgenössisches mit Historischem vermischt: Aus dem Nachlass des 1991 gestorbenen Pariser Modefotografen Guy Bourdin sind 100 gerade erst entdeckte Schwarzweißabzüge zu sehen, von Fotopionier Jacques Henri Lartigue das rare Familienalbum "Bibi", und eine große Retrospektive ehrt erstmalig den chilenischen Magnum-Fotografen und Zeichner Sergio Larrain aus Chile.

Les Rencontres d’ Arles

Arles, verschiedene Orte
1.7. bis 22.9.

Der Katalog kostet 46 Euro
http://www.rencontres-arles.com/A11/Home

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