Sandro Miller - Fotografie

Being John Malkovich

Unfreiwillig komisch sind die Bilder, in denen Schauspieler John Malkovich berühmte Fotoikonen nachstellt. Dem Fotografen Sandro Miller aber ist es ernst mit dem Projekt.

Er ist jedermanns Lieblings-Egozentriker. John Malkovich selbst liebt das Spiel um die eigene Person und sich selbst zu parodieren. Als begnadeter Schauspieler hat er kein Problem damit, nahtlos von einer Rolle in die andere zu schlüpfen. Insofern war er der perfekte Kandidat für den Chicagoer Porträtfotografen Sandro Miller.

Miller hat Malkovich und die Mitglieder der Steppenwolf Theatre Company, der auch Malkovich seit den siebziger Jahren angehört, mehrmals fotografiert. 2011 drehte er den experimentellen Kurzfilm "Butterflies" mit dem Schauspieler. Dann kam dem Fotografen die Idee, gemeinsam mit Malkovich eine Hommage an eine Reihe von Meisterfotografen und ihre berühmten Porträts zu erarbeiten. Er flog nach Frankreich, wo der Star einen Zweitsitz hat, um Malkovich von dem gewagten Projekt zu überzeugen. Nach zwei Flaschen Wein holte Miller 30 bekannte Fotos von 28 Meistern heraus. Malkovich war begeistert. Im April nahmen sich die beiden drei Tage und schossen die Porträts, die Miller und Team zuvor über Monate bis auf das letzte Detail studiert hatten. Um sicherzustellen, dass die Malkovich-Interpretationen so nah am Original wie möglich sind. Schließlich sollen die Porträts mit den Fotos geehrt werden – es soll keine Persiflage sein.

So sieht man den bald 61-jährigen Malkovich splitternackt wie John Lennon neben seiner Yoko Ono und als nackte Simone de Beauvoir vor dem Badezimmerspiegel (Originalfoto von Art Shay, 1950). Er posiert als Marilyn Monroe, Andy Warhol und Einstein. Natürlich hat es etwas unfreiwillig Komisches, wenn Malkovich in die Rolle der von Armut und Hunger gezeichneten Mutter schlüpt, die Dorothea Lange 1936 in Kalifornien fotografierte. Da macht er sich schon besser als Alfred Hitchcock, Che Guevara, Ernest Hemingway oder als Truman Capote in dem bekannten Bild, das Irving Penn schoss, und besonders als Salvador Dalí. Sein Doppelauftritt als die in den sechziger Jahren von Diane Arbus fotografierten Zwillingsmädchen hat etwas eigenartig Anrührendes. Und überraschenderweise gibt Malkovich eine recht überzeugende Bette Davis ab.

"Meine größte Sorge war, dass die Leute dieses Projekt nicht ernst nehmen", sagt Miller, dessen Serie ab dem 7. November in der Catherine Edelman Gallery in Chicago ausgestellt wird. "Mir ist es mit der Hommage an diese Fotografen und Bilder, die meine Perspektive auf die Fotografie verändert haben, ernst. Diese Bilder haben mich während meiner Karriere inspiriert und aus mir den Fotografen gemacht, der ich heute bin. Dies ist mein Weg, mich bei den Meistern zu bedanken."

Malkovich, Malkovich, Malkovich: Hommage To Photographic Masters

Termin: 7. November 2014 bis 31. Januar 2015 in der Catherine Edelman Gallery in Chicago

Ein dazugehöriges exklusives Interview mit John Malkovich erscheint im Oktober in der französischen Zeitschrift 7-POST und der Zeitung Liberation.
http://edelmangallery.com/exhibitions-and-projects/exhibition-pages/2014/sandro-miller-malkovich,-malkovich,-malkovich-homage-to-photographic-masters.html