Harry Callahan - Hamburg

Ein ABC der Fotokunst

In den USA gilt er als einer der einflussreichsten Fotokünstler des 20. Jahrhunderts. In Europa blieb Harry Callahan dagegen lange nahezu unbekannt. Als einer der ersten begriff er die Fotografie als rein künstlerisches Medium und überwand so die vorherrschende Ästhetik des Realismus. In Hamburg eröffnet nun eine große Werkschau des vielseitigen Künstlers.

In sagenhaften 38 Ausstellungen im New Yorker Museum of Modern Art war er vertreten. Als erster noch lebender Fotograf bespielte er 1978 den amerikanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig (zusammen mit dem Maler Richard Diebenkorn) und gilt in den USA als einer der einflussreichsten Fotokünstler des 20. Jahrhunderts.

In Europa aber blieb Harry Callahan (1912 bis 1999) dem breiten Publikum nahezu unbekannt. Ein Grund könnte sein, dass es unmöglich ist, Callahans Namen mit einem eigenen visuellen Stil zu verknüpfen. In 60 Jahren fotografischer Praxis schuf der in Detroit geborene Autodidakt ein Werk, dessen Umfang sich wie ein ABC der fotografischen Genres und Techniken liest: Akt, Architektur, Landschaft, Porträt, Reportage, Street Photography – das alles in Schwarzweiß und in Farbe, mal abstrakt, mal realistisch, als Collage und Mehrfachbelichtung, mit Kleinbild-, Mittelformat-, Großformatkamera.

Es wäre falsch, ihm ob dieser Vielfalt künstlerische Beliebigkeit zu unterstellen. Callahan begriff die Fotografie früh als rein künstlerisches Medium und stellte – im Gegensatz zur angewandten Fotografie – nicht mehr das Objekt, sondern das eigene Sehen in den Mittelpunkt seines Schaffens. Und das änderte sich ständig. Harry Callahan lebte für die Fotografie und fotografierte sein Leben. Dabei gibt es drei feste Themen, um die seine Arbeiten kreisen: die Natur, die Stadt und Eleanor, seine Frau. "Fotografie war Harrys Art, den Tag zu begrüßen und Frieden mit ihm zu schließen", beschrieb John Szarkowski, der langjährige und legendäre Direktor der fotografischen Abteilung am MoMA, Callahans Arbeitsweise.

Eine Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen/Haus der Photographie zeichnet Callahans Entwicklung nun eindrucksvoll nach. Präsentiert werden über 280 Arbeiten des Amerikaners, darunter frühe, sehr grafische Naturaufnahmen und selten gezeigte experimentelle Farbfotografien aus den vierziger Jahren, die ungewöhnlichen Architekturbilder mit extrem stürzenden Linien und natürlich viele wunderbare Porträts und Aktaufnahmen seiner Frau. Die Auswahl der Arbeiten verdeutlicht, wie Callahan ein Leben lang auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen blieb und so die bis Mitte des 20. Jahrhunderts in der amerikanischen Fotografie vorherrschende Ästhetik des Realismus überwand.

Harry Callahan

Termin: 22. März bis 9. Juni, Deichtorhallen Hamburg

Der Katalog erscheint im Kehrer Verlag und kostet 49,90 Euro.

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten in den Deichtorhallen ermäßigten Eintritt.

http://www.deichtorhallen.de/index.php?id=350