Man Ray - Köln und London

Fotografieren auch ohne Kamera

Zwei große Ausstellungen zeigen Prominenten-Porträts, Rayographien und andere Aufnahmen des amerikanischen Dadaisten und Surrealisten Man Ray – die Sammlung L. Fritz Gruber im Museum Ludwig und seine Porträts in der National Portrait Gallery in London.

Charmant ging Man Ray mit seinen Modellen nicht gerade um. Hatte er Prominente wie die Künstler Alberto Giacometti, Pablo Picasso oder Jean Cocteau fotografiert, so vergab er Sympathiepunkte, die er auf der Rückseite der Kontaktbögen notierte.

Ganz oben an der Spitze rangierte einsam und unerreicht seine Frau Juliet mit 20 von 20 möglichen Punkten. Picasso bekam auf der Richterskala des Fotografen immer noch 17 Punkte, der Maler Fernard Leger und der Schriftsteller James Joyce brachten es auf poplige sechs Punkte, und der Dichter T.S. Elliott kriegte die rote Laterne mit nur drei Zählern.

Dieses Konvolut an kommentierten Kontaktabzügen ist ein Schmankerl der Ausstellung "Man Ray. L. Fritz Gruber Archiv. Das besondere Archiv einer außergewöhnlichen Beziehung". Bevor der Leiter der Fotografischen Sammlungen im Museum Ludwig, Bodo von Drewitz, in den Ruhestand gegangen war, hatte er das Archiv des Publizisten, Fotosammlers und Gründer der Messe "Photokina" L. Fritz Gruber (1908 bis 2005) für sein Haus angekauft – für 200 000 Euro unter Mithilfe der Kulturstiftung der Länder. Jetzt wird die Sammlung zum ersten Mal öffentlich präsentiert und zeigt das gesamte Spektrum von Man Rays Fotokunst. Die jetzt angekaufte Sammlung ergänzt ein Konvolut aus der Kollektion Gruber, die das Museum bereits 1977 erworben hatte.

Ein neuer Bildtypus, die Rayografie

Man Ray, eigentlich Emmanuel Rudnitzky oder Emmanuel Radnitzky, war ein exerimentierfreudiger Fotograf, der mit Solarisation (Verfremdung durch starkes Überbelichten) oder bewusstem Verwackeln arbeitete und sogar einen nach ihm benannten neuen Bildtypus entwickelt hatte – die Rayografie. Umrisse und Schatten von auf eine lichtempfindliche Platte oder auf lichtempfindliches Papier gelegten Objekte erzeugten ohne Zuhilfenahme einer Kamera magische Schwarzweißbilder. Man Ray Porträts sind Thema einer Ausstellung in der Londoner National Portrait Gallery: Über 100 Vintage Prints (Originalabzüge, vom Fotografen selbst hergestellt) aus der Zeit von 1916 bis 1968 kamen aus Privatsammlungen sowie aus Museen wie dem Museum of Modern Art und dem Metroplitan Museum in New York, dem Centre Pompidou in Paris oder dem J. Paul Getty Museum in Los Angeles nach London.

Prominenz vor der Kamera

Man Ray hatte Prominente fotografiert – Künstler wie Salvador Dali, Yves Tanguy, Marcel Duchamp, Andre Breton, Jean Cocteau, Pablo Picasso, Georges Braque oder Henri Matisse, die Fotografin Berenice Abbott, den Dichter James Joyce, die Komponisten Igor Stravinsky und Erik Satie, den androgynen Trapezartisten Barbette, die schöne Schauspielerin Catherine Deneuve, den Architekten Le Corbusier und Wallis Simpson, um derentwillen der britische König Edward III. 1936 abgedankt hatte. Auch Man Rays Freunde aus dem privaten Umfeld gehörten zu seinen Modellen – allen voran seine Frau und Muse Juliet Browner.

Man Ray in Köln und London

Museum Ludwig, Köln: bis 5. Mai
National Portrait Gallery, London: bis 27. Mai, Katalog: 25 Pfund
http://www.museum-ludwig.de/

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