Bruce Gilden - Stern Fotografie

Die Gesichter des Bösen

Er ist ein Mann der Straße – und fotografiert auch so: Der US-Amerikaner Bruce Gilden ist nie dezent, sondern schonungslos und oft obszön. Die 64. Ausgabe von "Stern Fotografie" gilt deshalb dem Piraten unter den Magnum-Fotografen, der manchmal hart am Rande der Moral fotografiert. Seine intimen Bilder von japanischen Yakuza-Gangstern und russischen Schlägern zeigen Verbrecher aus allernächster Nähe.
Die Gesichter des Bösen:Stern Fotografie Nr. 64: Bruce Gilden

Gilden wuchs als Sohn eines Gangsters in Brooklyn auf. Vielleicht scheint er deshalb keine Angst vor der Nähe zur Gewalt zu haben. Er sagt: „Ich stehle mir meine Bilder nicht aus der sicheren Entfernung.“

„Mein Vater war ein Gangster", sagt Bruce Gilden. "Man hat mir erzählt, dass er einen pinkfarbenen Imperial-Wagen fuhr. An das Auto kann ich mich erinnern, an die Farbe nicht." Das Zitat verrät das Geheimnis von Gildens bestechenden Gangsterporträts: Statt in Farbe und aus der Distanz der Mittelschicht sind seine Bilder schwarz-weiße Schlaglichter, geschossen auf Atemnähe mit Bandenmitgliedern, Schlägern und Clan-Nachwuchs.

Die Ausgabe Nr. 64 der Reihe Stern Fotografie zeigt die beeindruckendsten Arbeiten des bedeutenden Fotografen. Das Portfolio nimmt den Betrachter mit in die vibrierende Stimmung von Gildens Bildern, der, selbst der Sohn eines Kriminellen, mit harten Jungs aus dem East End wie mit russischen Schlägern und Gangstern der japanischen Yakuza auf Tuchfühlung geht. So nah, dass ihm kaum etwas verborgen bleibt: "Du siehst genau, wer der Trinker, wer der Denker und wer der Muskel werden wird."

Seine Aufnahmen zeigen die Gewalt von Verbrechern unmittelbar und großporig, jedoch nicht ohne feine Ironie: Gilden legt auch die martialische Selbstinszenierung frei, das teils bemühte Muskelspiel, den bewusst kriegerischen Ausdruck.
Durch den konsequenten Einsatz von Blitzlicht schafft Gilden schwarz-weiße Kontraste, die das Gesehene abstrahieren, bis nur das Wesentliche bleibt. Indem er die Hommage meidet, gelingen ihm fesselnde Menschenstudien von ethnologischer Schärfe. Die Schauplätze seiner Werke reichen von den Straßen New Yorks bis Haiti, vom eingeschworenen Kreis irischer Pferdehändler bis zu den Geheimbünden der japanischen Unterwelt.

Stern Fotografie Nr. 64 "Bruce Gilden"

Die neue Ausgabe ist ab 14. Juni 2011 im Handel erhältlich und kostet 18,00 Euro.
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