William Eggleston - New York

Sammler vs. Fotograf

Darf ein Fotograf neue Digital-Prints von alten limitierten Auflagen produzieren? Diese Grundsatzfrage klärte ein New Yorker Gericht.
Klage abgeschmettert:Eggleston darf alte limitierte Fotografien neu auflegen

William Eggleston bei der Eröffnung seiner Retrospektive im New Yorker Whitney Museum im November 2008

Ein New Yorker Sammler war gegen die Fotografen-Legende William Eggleston vor Gericht gezogen – und hat den Fall verloren. Der Ärger um Eggleston begann, als der Fotograf 36 Prints von Bildern, die er vor mehr als 30 Jahren im Mississippi-Delta geschossen hatte, über das Auktionshaus Christie’s in New York versteigern ließ. 5,9 Millionen Dollar machte er mit dem Verkauf. Dank Digitalprints gab es die Fotos, darunter berühmte Motive wie die rote Zimmerdecke oder das Kinder-Dreirad, das einen neuen Rekord von 578 000 Dollar brachte, erstmals in einem wandfüllenden Format.

Der New Yorker Bankier Jonathan Sobel, Besitzer von 192 Vintage-Fotos von Eggleston und nach eigenen Angaben der größte Sammler des Fotografen, unterstellte dem Künstler betrügerische Absichten. Weil die von Egglestons Sohn geleitete Stiftung in Memphis die Dreistigkeit besessen hatte, limitierte Editionen aus den siebziger und achtziger Jahren in Neuauflage zu verkaufen. Sobel forderte nicht nur Schadensersatz, sondern auch, dass derartige Aktionen aus dem Hause Eggleston in der Zukunft unterlassen werden müssen.

Der Fall berührt die grundsätzliche Frage, wieweit sich ein nicht exklusives Medium wie die Fotografie sammeln lässt. Und was passiert, wenn neue Editionen von längst ausverkauften Fotos auf den Markt kommen. Was gängige Geschäftspraxis ist und in der Vergangenheit von Fotografen wie Lee Friedlander, Stephen Shore oder Joel Sternfeld praktiziert wurde.

Sobels Eggleston-Sammlung wird auf einen Wert von drei bis fünf Millionen Dollar geschätzt. Nachzuweisen, dass die acht im Dye-Transfer-Verfahren gedruckten Vintage-Originale, die er zwischen 2008 und 2011 erworben hatte, durch die Auktion an Wert verloren haben, wird schwierig. Die großformatigen Digitalprints scheinen im Moment zwar beliebter zu sein. Doch grundsätzlich ist der Marktwert des 73-jährigen Eggleston, der auf seine alten Tage in Los Angeles von Larry Gagosian vertreten wird, gestiegen. Eggleston, eine Kultfigur in der Welt der Fotografie, hat sich mit der Auktion dem großen Kunst-Publikum vorgestellt, das begeistert reagierte. Außerdem wird ein Sammler einem Künstler kaum das Recht streitig machen können, seine Arbeiten neu zu interpretieren und in anderer Form aufzulegen.

"Obwohl sowohl die Arbeiten der limitierten Edition als auch die Arbeiten der nachfolgenden Edition von denselben Aufnahmen produziert wurden, sind sie deutlich unterschiedlich”, schrieb die Richterin in ihrer Erklärung, die nicht nur Eggleston, sondern auch seine Fotografen-Kollegen aufatmen lässt. Eggleston hätte sich nur dann strafbar machen können, wenn er eine Neuauflage seiner Originale im Dye-Transfer-Verfahren auf den Markt gebracht hätte. Sobel kommentierte die Entscheidung als unfair gegenüber den Fotografie-Sammlern. 2009 hatte er Egglestons Retrospektive gesponsert, die vom New Yorker Whitney Museum über LA und Chicago in das Haus der Kunst in München gereist war. Ob Sobel die Entscheidung anfechten will, blieb vorerst unklar. Die Zeit wird zeigen, ob die neuen Groß-Prints oder Egglestons alte Originale bei Sammlern begehrenswerter sein werden.

Mehr zum Thema auf art-magazin.de