Ulrike Rosenbach - Bonn

Tanzen bis zur Ohnmacht

Beuys-Schülerin, Feministin, Videokünstlerin – Ulrike Rosenbach entdeckte das Medium Film für sich, als es hieß, dem Feminismus in Deutschland Gehör zu verschaffen. Das LVR-Landesmuseum in Bonn widmet ihr jetzt eine Retrospektive.

Eine Frau dreht sich zu lieblicher Walzermusik im Kreis. Wir sehen sie von oben, sehen ihren Tellerrock lustig fliegen und sehen mit wachsendem Unbehagen, wie sie sich gleich einem menschlichen Drehkreisel immer weiterdreht. Schließlich bricht die Frau erschöpft zusammen und lässt das Versprechen des Walzers "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein" wie blanken Hohn erscheinen.

Mit seinem sprechenden Minimalismus zählt "Tanz für eine Frau" (1975) zu den schönsten Arbeiten der deutschen Videokunst-Pionierin Ulrike 
Rosenbach (Jahrgang 1943). In den siebziger Jahren gehörte sie zur Speerspitze der feministischen Bewegung und erklärte die junge Videokunst in einer vielzitierten Formel zum "Medium der Emanzipation". Damit meinte sie nicht nur die im Vergleich mit traditionellen Kunstgattungen wie der Malerei deutlich besseren Aufstiegschancen für Frauen, sondern auch die technischen Möglichkeiten des Mediums. So nutzte Rosenbach die Livebilder einer Videoübertragung, um in Performances wie "Reflexionen über die Geburt der Venus" (1976/78) durch Überblendungen den doppelten Körper der Weiblichkeit zu inszenieren: hier das männliche, von Botticellis Venus vorgeführte Ideal, dort die reale, von Rosenbach dargestellte Frau. Die bis heute aktuelle Pointe dieser Arbeiten liegt darin, dass sich Wunsch- und Realbilder nicht voneinander trennen lassen.

Das Rheinische Landesmuseum in Bonn zeigt jetzt eine Werkschau der Beuys-Schülerin, die in den siebziger Jahren mit Marcel Odenbach und Klaus vom Bruch auch das Fernsehen mit einem Piratensender entern wollte. Unter dem Titel "Weiblicher Energie Austausch" sind Werke aus allen Schaffens­phasen Rosenbachs zwischen 1969 und 2012 zu sehen, wobei der Schwerpunkt der Bonner Ausstellung auf den feministischen Pionierarbeiten liegt. Außer den bekannten Videos präsentiert das Landesmuseum zahlreiche Fototableaus und Medieninstallationen sowie selten gezeigte frühe Objekte, etwa die "Hauben für eine verheiratete Frau" (1969/70).

Ulrike Rosenbach – Weiblicher Energieaustausch

bis 5. Oktober,
LVR-Landesmuseum,
Bonn

Der Katalog zur Ausstellung (mit CD-ROM) erscheint im Kehrer Verlag und kostet im Buchhandel 39,90 Euro.
http://www.landesmuseum-bonn.lvr.de/de/ausstellungen/ulrike_rosenbach/ulrike_rosenbach_1.html