Watermark - Dokumentarfilm

Wasserfall der Panoramen

Der Dokumentarfilm "Watermark" von Jennifer Baichwal und Fotograf Edward Burtynsky zeigt mit eindrucksvollen Bildern die Kraft und universale Bedeutung von Wasser. Welche Energie Wasser birgt, was passiert, wenn es fehlt, und wie abhängig wir von ihm sind, ist ab 15. Mai deutschlandweit auf den Kinoleinwänden zu sehen.
Jetzt wird's feucht: Watermark" beeindruckt mit faszinierenden Bildern

Faszinierende Luftaufnahme auf das Colorado River Delta in der Nähe von San Felipe, Baja California, Mexiko 2011

Minutenlanges Rauschen, dann ohrenbetäubendes Tösen und schließlich der Blick auf gigantische braune Wassermassen, die mit beruhigender und zugleich monströser Kraft eine meterhohe Wand aus Wasserdampf aufwirbeln.

Die Regisseurin Jennifer Baichwal und der Fotograf Edward Burtynsky beginnen ihren Dokumentarfilm "Watermark" mit einer mehrminütigen Sequenz über die gewaltigen Wassermengen, die sich aus den Schleusen des Xiolangdi-Staudamms am Huang He in China entladen. Rund um den Globus fließt, rauscht, schäumt, knackt und zischt das ungewöhnlichste Element, das unsere Erde kennt. Mit beeindruckenden Panoramen und faszinierenden Luftaufnahmen wird in "Watermark" der wohl wichtigste Stoff der Menschheit in 92 Minuten nun so nah herangeholt, dass sich der Betrachter mal Schwimmweste, mal Regenschirm wünscht. Mit 20 Geschichten in zehn Ländern auf allen Kontinenten spannen die Filmemacher einen Erzählbogen vom größten Staudamm der Welt im chinesischen Xiluodu, über die gewaltigen Eismassen Grönlands bis hin zum Wasserballett der Bellagio Fountains in Las Vegas. Eines bleibt stets gewiss: Ohne Wasser gäb es kein Leben, keine Zivilisation und keine wirtschaftliche Entwicklung. Ohne seine energiebringende Kraft, ganz gleich ob in flüssigem, festen oder gasförmigen Zustand, wäre da nur Ödnis.

"Watermark" ist die zweite Zusammenarbeit von Jennifer Baichwal und dem Kameramann Nicolas de Pencier mit Edward Burtynsky. Er gilt als Nachfolgeprojekt des Dokumentarfilms "Manufactures Landscapes" aus 2006, der bereits die Vor- und Nachteile der Industrialisierung plakativ vor Augen führte. Mit Burtynskys als Ko-Regisseur stieß Baichwal auf einen der angesehensten Fotografen Kanadas, dessen Fotografien großer Industrielandschaften sich rund um den Globus in den Sammlungen von mehr als 50 der wichtigsten Museen der Welt befinden. Als aktiver Dozent für Fotokunst und renommierter Fotograf erhielt Burtynsky unter anderem den TED-Preis und erschien mit seinen Arbeiten in zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen wie beispielsweise der National Geographic Society, der Canadian Art oder der New York Time's. Seit 20 Jahren produziert Baichwal Kunstdokumentationen, oftmals in enger Kooperation mit Fotografen, und lässt dabei die fotografischen Ausgangsprodukte lebendig werden. Auch bei "Watermark" war das zentrale Anliegen der Regisseurin, Burtynskys fotografische Essays stimmig in das Medium Film zu übertragen.

Die Anfangsszene, die Wasser in scheinbar verschwenderischer Fülle zeigt, spannt einen Bogen zu den toten Flussarmen des ausgetrockneten Colorado River Delta in Mexiko. Wo der Fluss einst in die Karibik mündete, erstreckt sich heute eine kilometerweite Wüstenlandschaft. Eine alte Indianerin erinnert sich wehmütig an den Fischreichtum und das Leben, das der Colorado barg und das der Mensch durch seinen rigorosen Eingriff in die Natur zum Versiegen brachte. Das Imperial Valley in Kalifornien demonstriert den ambivalenten Charakter, den die Nutzung des Wassers für die Agrarwirtschaft besitzt: Aus Wüste wurde 12 000 km² Farmland geschaffen – Nutzland, das rund um die Uhr mit Wasser aus dem Colorado River bewässert wird. Die eigens geschaffenen Beregnungsanlagen bilden kreisrunde Formen, die aus der Luft wie ein Kunstwerk oder eine riesige Patchwork-Decke aussehen.

Mit hochauflösenden Bildern, Ruhe und Distanz führen uns die Filmemacher weiter zu den kunstvoll terrassierten, Jahrhunderte alten Reisfeldern in der Yunan-Provinz Chinas. Und auch die Luoyuan Bucht am ostchinesischen Meer bietet beeindruckende Aufnahmen. Auf dem Wasser dümpeln Zuchtfarmen für Abalone-Meeresschnecken, dazwischen kleine Familienhäuser auf künstlich angelegten Arealen, die nur durch Boote erreicht werden können. Ohne Frage, Wasser bietet Leben und Sicherheit, an anderer Stelle hingegen birgt seine Abwesenheit Gefahren:

Als 1913 das Owens-River-Äquadukt erbaut wurde, das das Flusswasser nach Los Angeles umleitete, rechnete niemand damit, dass der Fluss bereits ein Jahrzehnt später einen ausgetrockneten Seeboden mit einer Schicht giftiger Staubpartikel zurücklassen sollte. Ein ähnliches Bild liefert die Hazaribagh-Gerberei in Dhaka, Bangladeschs Hauptstadt, wo das Wasser zum Färben und Spülen ungefiltert durch die Straßen rinnt und schließlich zu einem stinkenden Bach aus Müll und Chemikalien wird.

Doch Wasser besitzt nicht nur einen Nutzwert, sondern auch einen Unterhaltungsfaktor: In den warmen Quellen der Blauen Lagune in Island finden die Menschen innere Ruhe, während in Maha Kumbh Mela in Allahabad alle zwölf Jahre 30 Millionen Inder ein "big bath" im Ganges nehmen, um sich von ihren Sünden reinzuwaschen.

Drei Jahre sammelten Baichwal und Burtynsky mit ihrem Kameramann Nicolas de Pencier Aufnahmen aus aller Welt. Mit einem Mosaik faszinierender Geschichten, einer unvergleichbaren Lebendigkeit der Filmsequenzen und atemberaubenden Bildern porträtiert "Watermark" ein Element, das der Mensch verehrt und gleichzeitig missbraucht. Am Ende verlässt der Zuschauer von Eindrücken "beschwipst" und mit dem Vorsatz das Kino, den Wasserhahn während des Zähneputzens das nächste Mal zuzudrehen.

Watermark

Regie: Jennifer Baichwal / Edward Burtynsky (Kanada 2013), Senator Film Verleih

Der Film läuft ab dem 15. Mai 2014 in der 92-Minuten-Fassung deutschlandweit im Kino.

Bis zum 24. Mai 2014 ist die Ausstellung "Edward Burtynsky – Water" in der Berliner Galerie Springer zu sehen

http://www.wildbunch-germany.de/movie/watermark-ot