Stan Douglas - München

Der Geschichtenerzähler

Mit seinen Filmen setzte Stand Douglas hohe Maßstäbe, doch auch seine großformatigen Fotografien sind nicht weniger aufwendig inszeniert und durchdacht. Das Haus der Kunst in München widmet sich nun den Fotoarbeiten des kanadischen Videokünstlers.

Zeitreise in die siebziger Jahre: Wir befinden uns im legendären Columbia Records Studio mitten in Manhattan. Jazzmusiker improvisieren für eine Tonaufnahme. Konzentriert mit geschlossenen Augen und wippendem Oberkörper grooven sie sich auf 
den gemeinsamen Sound ein, der sie 
die nächsten Stunden tragen wird. Mode, Drinks, Zigaretten und Instrumente erinnern an die Hippie-Ära.

Die Doku-Fiktion "Luanda-Kinshasa" ist die jüngste Videoinstallation von Stan Douglas und zugleich die einzige in seiner neuen Ausstellung im Haus der Kunst. Denn obwohl der 1960 
in Vancouver geborene Künstler vor allem durch seine ebenso technisch aufwendigen, wie raffinierten Film- und Videoarbeiten bekannt ist, liegt der Schwerpunkt seiner Münchner Ausstellung auf den großformatigen Fotografien. Mit einer Länge von mehr als drei Metern haben manche von ­ihnen ohnehin fast die Ausmaße einer Kinoleinwand.

Douglas bezieht sich in diesen ­Fotoarbeiten auf literarische Vorlagen und auf historische Ereignisse. So erinnern etwa die sorgsam inszenierten Fotografien aus der Reihe "Crowds and Riots" an die politischen Auseinandersetzungen der Bürgerrechtsbewegung in Kanada in den fünfziger Jahren. Meist verwendet Douglas Dokumentaraufnahmen als Vorlagen für seine Werke, so auch für eine Bilderserie von alteingesessenen Geschäften im Stadtgebiet von Vancouver.

Auf ein Medium festschreiben lässt sich dieser Künstler aber nicht. Nachdem die als Videoinstallation ­geplante Arbeit "Helen Lawrence" – 
ein historischer Krimi aus dem Jahre 1948 – einfach nicht zu finanzieren war, schrieb Douglas den Stoff kurzerhand zum Bühnenstück um. "Er ist 
ungeheuer produktiv", schwärmt ­Kurator León Krempel, der mit seiner Ausstellung im Haus der Kunst dicht an den Fersen des Allround-Genies bleiben will. In den Münchner Kammerspielen feiert derweil am 18. Juni mit "Helen Lawrence" die erste Theaterproduktion des kanadischen Künstlers ihre Europa-Premiere.

Stan Douglas – Mise en scène

bis 12. Oktober,
Haus der Kunst,
München

Der Katalog zur Ausstellung erscheint bei Prestel in Englisch, Booklet 
in Französisch 
und Deutsch, Preis 49,95 Euro.
Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten 
unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.
http://www.hausderkunst.de/