Annick Ligtermoet - Starter

Wunderbare Einsamkeit

In der Serie "Starter" stellt art junge Künstler vor. Annick Ligtermoet begeistert mit ihren ruhigen und melancholischen Fotografien von unberührter Natur und Portraits stiller Menschen.
Wunderbare Einsamkeit

Von einem solchen Start können viele nur träumen: Frisch von der Den Haager Kunstakademie hatte Annick Ligtermoet 2009 ihre erste Einzelausstellung, und zwar gleich in Manhattan, wo die Horton Gallery ihre Examensarbeit "Die beunruhigende Welt" zeigte. "Nocturnes Nr. 4"

Von einem solchen Start können viele nur träumen: Frisch von der Den Haager Kunstakademie hatte Annick Ligtermoet 2009 ihre erste Einzelausstellung, und zwar gleich in Manhattan, wo die Horton Gallery ihre Examensarbeit "Die beunruhigende Welt" zeigte. "Echt fantastisch war das", schwärmt die heute 32-jährige niederländische Fotografin. "Ich stand sogar im 'Artforum'!" Die Rezensentin der internationalen Kunstzeitschrift ging lobend auf ihre Fotoserie aus verfremdeten Landschaften und unscharfen, unheimlichen Porträts ein. Der dunkle, leere Schacht – wohin mag er wohl führen? Und was hat es mit dem traditionellen Familienporträt auf sich? Warum hat nur der Vater ein Gesicht und Mutter und Kinder statt dessen eine weiße ausradierte Fläche? Den Betrachter beschleicht ein Gefühl des Unbehagens.

Genau das beabsichtigt die junge Fotografin auch: Gefühle und Stimmungen in Bilder umzusetzen, vorzugsweise dunkle, unheimliche, das ist ihre Spezialität. Dabei greift Ligtermoet am liebsten auf die gute alte Analogtechnik zurück: "Heute sind mir digitale Fotos zu glatt, zu perfekt." Entdeckt hat sie die Fotografie mit 19, schon als Jugendliche war sie am Photoshoppen. Bilder aus dem Internet benutzte sie so lange, bis sie sich eines Tages sagte: "Mach deine Fotos selbst!" Seitdem tut sie nichts anderes mehr, geht auf Reisen in Gebiete, wo der Mensch kaum Spuren hinterlassen hat: "Dort ist es egal, ob ein Foto vor zwei Tagen oder vor 20 Jahren entstanden ist – zu sehen ist dasselbe." Diese Kontinuität des Ortes findet Ligtermoet beruhigend. Ihre eigenen Aufnahmen kombiniert sie oft mit Bildern aus alten Fotoalben, zum Beispiel Urlaubsfotos aus ihrer Kinderzeit, wie in der Serie Voyage von 2012. Inzwischen hat sie sich in Finnland niedergelassen – der Liebe wegen. Die Landschaft dort passt ihr gut: "So viel unberührte Natur findet sich so schnell nicht wieder."

Ihr nächstes Projekt ist die Suche nach Spuren des Christentums in Landschaften

In Helsinki war gerade ihre dritte große Serie Nocturnes zu sehen, Thema: die Mitternachtssonne und die Folgen monatelanger Dunkelheit auf den Menschen. Alle Aufnahmen sind in jenem Grünlichgrau gehalten, das den Tagen im Norden eigen ist, wenn sie zur Nacht werden: faszinierende Landschaftsbilder mit einsamen Felsbrocken oder unheilvoll glatten Wasseroberflächen, Porträts von Menschen, die still und stumm leiden. "Kaum zu glauben, welche Rolle die Natur hier im Alltagsleben noch spielt."
Als Nächstes will Ligtermoet in dem ihr eigenen Tempo nach Spuren des Christentums in Landschaften suchen. Zur Langsamkeit musste sie allerdings erst wieder zurückfinden nach ihrem rasanten Debüt in New York: "Alles hat seine Vor- und Nachteile, auch ein schneller Start."

<b>Annick Ligtermoet</b>

Geboren 1983 in Putten.
Wohnt in Helsinki in Finnland.
Ausbildung: Fotografiestudium an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste, Den Haag.
Annick Ligtermoet target="_blank">http://www.annickligtermoet.com

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