Jeff Bridges - ICP-Preis

Der Dude wird geehrt

Nach Henri Cartier-Bresson und Richard Avedon zeichnet das ICP jetzt den Schauspieler Jeff Bridges für seine Fotografien aus.

Dass Jeff Bridges, der legendäre Dude aus "The Big Lebowski", ein begnadeter Schauspieler ist, weiß man.

Dass er Gitarre spielen und gar nicht so schlecht singen kann, wurde dann spätestens mit "Crazy Heart" bekannt. Die wenigsten wissen jedoch, dass Bridges zeichnet, sich an Keramiken versucht und bereits seit jungen Jahren fotografiert.

Das International Center of Photography (ICP) zeichnet den Schauspieler nun neben sieben weiteren Fotografen, darunter der Südafrikaner David Goldblatt, der mit dem "Cornell Capa Lifetime Achievement Award" geehrt wird, mit dem "Infinity Award" aus. Zu den Preisträgern der seit 1985 verliehenen Auszeichnung zählten Fotografen-Legenden wie Robert Frank, Henri Cartier-Bresson und Richard Avedon.

Wie schon Dennis Hopper fängt der inzwischen 63-jährige Bridges Momente aus der ihm so vertrauten Welt des Films ein und schießt seine Fotos gern während Dreharbeiten. 2006 erschien der Bildband "Pictures by Jeff Bridges" mit einem Vorwort von Peter Bogdanovich, mit dem er das Meisterwerk "The Last Picture Show" drehte und der den engagierten Schauspieler "Prinz Jeff" taufte. Mit Schwarz-Weiß-Bildern im Panorama-Format liefert Brigdes spontane, private Aufnahmen von Co-Stars wie John Turturro, Kevin Spacey, Barbra Streisand, Bob Dylan, Jane Fonda, Bianca Jagger oder Philip Seymour Hoffman. Auch Selbstporträts – mit langem Arm geschossen – sind dabei.

Natürlich handelt es ich bei einigen der Bilder nicht um fotografische Glanzleistungen. Aber allein die Tatsache, dass die Fotos am Set vom "Big Lebowski" oder "Texasville" entstanden, machen sie sehenswert. Und meistens gelingt es Bridges, seine berühmten Kollegen wie Michelle Pfeiffer beim Auftragen ihres Lippenstiftes in einem unbeobachteten Moment zu erwischen. Oder mit Bildern von Filmsets, Drehpausen und Regiebesprechungen einen intimen Blick hinter die Zauberkulissen zu gewähren. Kameramänner schweben vor der künstlichen Skyline von Manhattan am Set von "The Fisher King". Bogdanovich rückt mit seiner Crew einem Auto zu nahe, um die nächste Kamera-Einstellung zu finden.

Das erste Foto in Bridges Buch ist ein Bild von seinen Eltern, das er mit der Nikon seines Vaters geschossen hatte. Später arbeitete er mit einer Widelux F8 Panorama-Kamera, die ihm seine Frau zum Hochzeitstag geschenkt hatte und die für Bridges auf Grund des Formats und der Linse wie ein Verbindungsstück zwischen Film und Fotografie funktioniert. "Die Widelux ist eine launische Geliebte", so Bridges. "Der Bildsucher ist nicht akkurat. Es gibt keine manuelle Fokussierung, so dass sie etwas Willkürliches, Unberechenbares hat. Das mag ich. Es ist etwas, nach dem ich in all meiner Arbeit strebe – ein Mangel an Kostbarkeit, der die Dinge menschlicher und ehrlicher macht."

"Am besten am Filmemachen gefällt mir, dass es eine gemeinschaftliche Kunstform ist", schreibt Bridges in seinem ersten Buch. Mit "Jeff Bridges: Portraits" soll im nächsten Jahr der zweite Fotoband erscheinen. "Wenn ich mir einen Film ansehe, in dem ich mitgespielt habe, sehe ich Freunde. Geschichten, die in sich selbst hätten Filme sein können und manchmal denke ich auch nur: Gee, Francis (Ford Coppola) hat uns danach eine großartige Lasagne gekocht. "

Tipps von Jeff Bridges

Tipps von Jeff Bridges zum Einsatz der Widelux-Kamera, die man, so Bridges, in keiner Gebrauchsanweisung findet, auf seiner Website:
http://www.jeffbridges.com/widelux.html