Barbara Klemm - Interview

Das geeignetste Medium

Barbara Klemm hat von Alfred Hitchcock bis Willy Brandt die großen Figuren der Zeitgeschichte porträtiert. Mit art sprach sie jetzt zu ihrer Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau über ihre Arbeit.

Frau Klemm, Ihre Fotografien wie etwa "Der Bruderkuss" gelten als universelle Ikonen. Was sind die wichtigsten Elemente einer Fotoreportage?

Jedes gute Foto und jede gute Fotoreportage muss den Inhalt in einer guten Komposition wiedergeben.

Durch Ihren Vater, den Maler Fritz Klemm, sind Sie mit der Kunst aufgewachsen. Gab es besondere Male, die Sie in Ihrem Sehen beeinflusst haben?

Der Besuch von Museen und das Betrachten der verschiedenartigsten Gemälde schärfen den Blick für Kompositionen.

Was unterscheidet ein Künstlerporträt wie das von Joseph Beuys von einem Politikerporträt wie etwa das von Rudi Dutschke?

Künstlerporträts entstehen in einer Porträtsitzung. Die meisten Politikerporträts werden bei politischen Ereignissen aufgenommen.

Auf Ihren Bildern von zum Beispiel Leonid Breshnew dokumentieren sie immer auch die Nähe von Politik und den Medien. Welche Entwicklung hat das Genre der Pressefotografie hinter sich?

Da die Politiker die Wichtigkeit von Bildern in den Medien erkannt haben, wird von ihnen versucht, sich mehr zu inszenieren.

Wieso haben Sie sich für eine Schwarzweiß-Ästhetik entschieden, die doch von sich aus einen historischen Kontext suggeriert?

Die Schwarzweiß-Fotografie ist für mich immer noch das geeignetste Medium für die journalistische Fotografie.

Ihre Aufnahmen erzählen meist von gewaltfreien Situationen - selbst die Proteste gegen den Bau der Startbahn in Frankfurt sind von Ordnung und Abstand untermalt. Gab es auch Situationen, in denen sich ihr "nüchterner" Stil von Nachteil erwiesen hat?

Immer habe ich die Situationen so fotografiert, wie sie sich darstellten, auch gewalttätige Szenen von Polizisten und Demonstranten.

Als Fotografin müsse man immerfort in Bewegung bleiben, so werden Sie vielerorts zitiert. Müsste das nicht bedeuten, dass die Distanz zu den Porträtierten auch immer eine neue ist und sich Ihr Blick in den letzten 55 Jahren verändert hat?

Ich denke, mein Blick auf die Welt hat sich nicht viel verändert.

"Barbara Klemm – Fotografien 1968 - 2013"

16.11.2013 bis 09.03.2014 im Martin-Gropius-Bau. Katalog im Nimbus Verlag, Texte von Michael Koetzle und Durs Grünbein, 48 Euro

http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/veranstaltungsdetail_mgb_ausstellungen_56925.php

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