Candida Höfer - Düsseldorf

Die Magie eines Lesesaals

"Fotografisch und alltäglich" – Candida Höfer beleuchtet in ihrem Werk Räume, denen wir für gewöhnlich keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Ihre Ansichten von öffentlichen und halböffentlichen Räumen der Deutschen zeigt der Düsseldorfer Kunstpalast.

Als Klaus Honnef 1979 die Ausstellung "In Deutschland. Aspekte gegenwärtiger Dokumentarfotografie" für das Rheinische Landesmuseum organisierte, stellte er allen Teilnehmern dieselbe Frage nach Vorbildern und wie diese ihre Arbeit beeinflusst hätten.

Die Becher-Schüler Axel Hütte und Thomas Struth etwa gaben Walker Evans, August Sander, Wols, Werner Mantz oder ihre Lehrer, Bernd und Hilla Becher, an. Candida Höfer (Jahrgang 1944) aber antwortete lako­nisch auf die Frage, welchem fotografischen Vorbild sie sich verpflichtet fühle: "dem Alltag". Und gefragt, wie sie sich ihre zukünftige Arbeit wünschen würde: "fotografisch und alltäglich".

Mit diesen knappen Aussagen hat sie selbst ihre Arbeit aufs Trefflichste charakterisiert. Ihrer "Vorliebe für präzise und nüchterne Formulierungen", so Gunda Luyken, Leiterin der Graphischen Sammlung der Stiftung Museum Kunstpalast in Düsseldorf, sei sie bis heute "treu geblieben". Das Museum zeigt eine Ausstellung, die sich erstmals auf Werke konzentriert, die während eines Zeitraums von insgesamt etwa vier Jahrzehnten in Düsseldorf entstanden sind.

Als Motive wählt Höfer stets alltägliche, öffentliche oder halböffentliche Räume, denen man als Besucher keinerlei Aufmerksamkeit schenken, sie eher achtlos durchqueren würde oder, wenn es sich etwa um Vorlesungssäle oder Bibliotheken handelt, sie nicht wegen ihrer ästhetischen Qualität, sondern wegen ihres praktischen Nutzen zu schätzen wüsste.

Candida Höfer erfasst in ihren Fotos exakt und genau die inneren Strukturen, die etwa dem Lesesaal in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, einem Bahnhofswartesaal oder dem Düsseldorfer Dreischeibenhaus innewohnen. Sie fotografiert die Räume so, wie sie sie vorgefunden hat, arrangiert nichts um, lässt aber auch Dinge, die die abwesenden Benutzer der Räume zurückgelassen haben, an Ort und Stelle. Banale Räume erhalten so eine fast magische Aura.

Bisweilen fotografiert sie auch ausgewählte Ausschnitte – etwa die Stufen einer Treppe, ein verhängtes Schaufenster oder die Leuchtreklame an einem hässlichen Klinkerbau. Dabei ergeben sich auch beinahe abstrakte Bildkompositionen, wie das spiralförmig gewundene Treppenhaus im Düsseldorfer "Stahlhof".

Hatte Candida Höfer in den Jahren 1973 bis 1979 in großen Bildfolgen das Leben von türkischen Gastarbeitern in Deutschland dokumentiert, so spielt der Mensch heute kaum noch eine Rolle. Den lapidaren Titel der Ausstellung, hat die Fotografin bewusst gewählt: "Düsseldorf steht für mich für Anfang", sagt sie, die Ausstellung sei "eine Auseinandersetzung mit dem Anfang meiner Arbeit" und eine "Einladung, mir Fragen zu meiner Arbeit in der Zeit und über diese Zeit hin­aus zu stellen".

Candida Höfer: "Düsseldorf"

14. September bis 9. Februar,
SMKP Stiftung Museum Kunstpalast,
Düsseldorf,
Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog zur Ausstellung ist im Richter|Fey Verlag erschienen, er kostet 39 Euro.
http://www.smkp.de/

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