Polaroid-Collection - Wien

Teilrettung geglück­t

Als die amerikanische Polaroid Collection zerschlagen und versteigert wurde, hagelte es Künstlerproteste – der europäische Teil der Sammlung aber blieb zusammen und ist jetzt in Wien zu sehen
Fotoschatz:Der europäische Teil der Sammlung ging nach Wien

Peter Coeln kaufte den europäischen Teil der Polaroid Collection und zeigt die Bilder nun im Fotomuseum WestLicht in Wien

Eine nackte Frau ist mit Polaroidfotos eines nackten Mannes beklebt; ein nackter Mann mit den Polaroids einer nackten Frau. "Ein tolles Konzept, technisch großartig gelöst, von Wallace Wilson, einem mir bisher unbekannten Künstler", schwärmt Peter Coeln. Erst vor ein paar Tagen hat er dieses Foto in der Sammlung der in Konkurs gegangenen Firma Polaroid entdeckt, die er für sein Wiener Fotomuseum "WestLicht" gesichert hat.

Tag für Tag sieht er sich nun bis zu 200 der insgesamt 4400 Bilder von 800 Künstlern an. "Man ist immer so auf die gro-ßen Namen wie Warhol, Newton, Mapplethorpe fixiert, aber es gibt unglaubliche Konzeptkunst auch von völlig unbekannten Fotografen." Dabei hat Coeln selbst erst 30 Prozent der Sammlung gesichtet, erzählt der Wiener Pionier für Fotokunst und historische Kameras – er führt nicht nur den Leica-Shop und organisiert international erfolgreiche Kamera-Auktio-nen, sondern betreibt mit dem "WestLicht" auch seinen eigenen Ausstellungsraum, eine Bibliothek, ein Archiv und ein Kulturzentrum.

Zu dessen zehnten Geburtstag wird ab 17. Juni bis 21. August auch der erste große Überblick über diesen bisher praktisch unter Verschluss gehaltenen Teil der "Polaroid Collection" zu sehen sein: Die letzten zwei Jahrzehnte waren die Aufnahmen zwar als Leihgabe im Musée de l’Elysée in Lausanne untergebracht. Aber bis auf eine kleine Ausstellung ist mit dem Konvolut gar nichts passiert. "Man hat sich in der Schweiz, mir völlig unverständlich, nie darum gekümmert", so Coeln.

Und fast wäre auch dieser europäische Teil der zwischen 1970 und 1990 entstandenen "Polaroid Collection" zerrissen worden. 2010 hat Sotheby’s im Auftrag der Konkursverwalter schon die Highlights des amerikanischen Teils verkauft. "200 Werke waren auch schon in Lausanne für Sotheby’s ausgesucht gewesen. Doch ohne die hätte mich der Ankauf nicht mehr interessiert“, erzählt Coeln. Und das Schweizer Museum selbst? "Das hatte nur einen Investor für 500 Werke gefunden." Also durfte die Fachwelt jubeln, für rund 550 000 Euro ging der Fotoschatz damit komplett nach Wien.

Dem 1991 gestorbenen Polaroid-Konzernchef Edwin Herbert Land hätte das sicher gefallen: Er war ein schlauer Geschäftsmann und ein Kunstkenner. In seinem Auftrag reiste in den siebziger und achtiger Jahren der tschechische Fotograf Jan Hnizdo mit einer Großformatpolaroidkamera zu ausgewählten Künstlern. Und prompt nahm das Experiment auf Knopfdruck seinen Lauf.

"POLAROID (IM)POSSIBLE - THE WESTLICHT COLLECTION"

Daten: 17. Juni bis 21. August, WestLicht -Schauplatz für Fotografie, Westbahnstraße 40, Wien
http://www.westlicht.com/index.php?id=12879&lang=default

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