Photo Weekend - Düsseldorf

Hier geht es um die Sache

Die Rheinstadt steht derzeit im Zeichen der Fotografie. Am Samstag laden zahlreiche Galerien und Institutionen zum Düsseldorf Photo Weekend ein. Eine Vorschau.

In Düsseldorf startet jetzt das erste Photo Weekend – eigentlich ist es ein Foto-Samstag: am 4. Februar zeigen Düsseldorfer Galerien und Institutionen Fotografie-Ausstellungen bereits etablierter Fotografen, aber auch von Künstlern der jüngeren Generation und haben zwischen 12 und 18 Uhr geöffnet. Die Veranstaltung soll in Zukunft fortgeführt werden und wachsen, stellen die Organisatoren in Aussicht. Auf den Weg gebracht wurde die Initiative zur Eröffnung der Ausstellung "State of the Art Photography" im NRW-Forum vom Ausstellungsleiter des Forums, Werner Lippert, zusammen mit Galeristin Clara Maria Sels.

"In Düsseldorf zeigt sich derzeit die ganze Geschichte der Fotografie", so Lippert. Die Stadt habe nicht nur eine "enorme Fotografie-Tradition, sondern auch Zukunft." Das ist der Rahmen, in dem jetzt zahlreiche Kunstschaffende mit sehr unterschiedlichen Ausstellungen gemeinsame Sache machen: Widmen sich dabei vorwiegend die Galerie-Ausstellungen der reichen Foto-Tradition, wagt "State of the Art Photography" im NRW-Forum einen Ausblick auf künftige Trends und eine "neue Fotografen-Generation".

Mitorganisatorin Clara Maria Sels fasst zusammen: "Es gibt sehr viel Unterschiedliches zu sehen, arrivierte Positionen, konzeptuelle Künstler und junge Fotografen." Sie selbst zeigt Alexander Chekmenev und Joseph Huber, die sich dem Menschlichen widmen und der Frage nach der Individualität im Kraftfeld von Politik, Religion und Wirtschaft. Die Arbeiten des 25-jährigen Joseph Huber sind in Ägypten kurz vor der Revolution entstanden, zeigen aber keine politische Bewegung, sondern Porträts privater Personen. "Es geht um das, was uns verbindet", sagt die Galeristin. "Fotografie ist das Medium des aktuellen Standes unserer Realität, und so ein Wochenende ist eine besondere Möglichkeit zur Kommunikation. Hier geht es um die Sache, es gibt etwas zu sagen."

Tradition: Becher-Schule

Wer einen chronologischen Einstieg bevorzugt, beginnt in der Akademie-Galerie mit "Die Erfindung der Wirklichkeit – Photographie an der Kunstakademie Düsseldorf von 1970 bis heute", nur noch bis zum 5. Februar zu sehen. Die Konrad Fischer Galerie zeigt neben selten gesehenen Industrielandschaften von Bernd und Hilla Becher einige der prominenten Schüler wie Andreas Gursky, Candida Höfer oder Thomas Struth. Die Ausstellung "Stadt und Land", die sich der Verzahnung von Natur und Urbanem, von Landschaft und Architektur widmet, geht aber auch darüber hinaus und integriert unter anderem Installationen von Richard Long und Wolfgang Laib.

Die Becher-Schülerin Katharina Mayer lädt in der Galerie Lausberg ins "Theatrum Familiae" und gewährt intime, dabei verwirrende Einblicke in Familienszenarien, die sich nicht nur im Verständnis davon, was als Familie gelten kann, vom klassischen Familienporträt unterscheiden. Porträts ganz anderer Art zeigt die Galerie Bugdahn und Kaimer: Gemeinschaftsarbeiten von Irene Andessner und Ingolf Timpner rücken Polaroids und analoge Fotografien, Unikate, in den Mittelpunkt, die malerische Strukturen zeigen und auf Ikonen der Kunstgeschichte wie das Dürer-Selbstbildnis von 1500 verweisen.

In den Bildern von Marc Räder in der TZR Galerie Kai Brückner ist der Mensch zumeist abwesend. Räders Inszenierungen unwirklicher, menschenleerer suburbaner Siedlungen in der kalifornischen Wüste wirken durch Perspektive und Schärfe-Unschärfe-Technik wie artifizielle Miniaturwelten. Tatsächlich mit Miniaturen arbeitet hingegen Thomas Wrede, der bei Beck & Eggeling zu sehen ist. Surreale Orte, die erst bei genauem Hinsehen das Geheimnis ihrer Unwirklichkeit preisgeben: Die Spuren menschlichen Lebens, Häuser, Autos, Straßen, sind kleine Modelle, die er etwa in einem Braunkohlewerk in der Lausitz aufbaut.

Wegweisende junge Künstler

Besondere Aktualität verspricht das NRW-Forum und gibt mit "State of the Art Photography" den Startschuss zum Photo Weekend. Hier sind auch viele sehr junge Künstler zu sehen, die "an etwas anderem interessiert sind als die Becher-Generation, einen anderen Blick haben", so Lippert. Wie beispielsweise ein stärkeres Interesse am Subjektiven. Mit Raum für die unterschiedlichsten Positionen: Sublime Landschaften, Menschenbilder, Collagen, anthropologische aber auch geradezu wissenschaftliche Studien sowie Reflexionen über die Apparatur sind nur einige Stichworte. Klassische fotografische Themen wie das Stillleben, die Landschaft oder das Porträt tauchen in den unterschiedlichsten Inszenierungen und Medien auf.

Die in Düsseldorf lebende Alex Grein ist mit malerischen Landschaften vertreten, die aus Google-Earth-Bildausschnitten zusammengesetzt sind und die dabei an Caspar David Friedrich erinnern. Oder Andreas Mühes Fotografien vom Obersalzberg, die Werner Lippert "auratisch" nennt. Mischa Kuball geht dem fotografischen Apparat auf den Grund, indem er eine Polaroid-Kamera mithilfe der Computertomographie durchleuchtet. Und Edgar Leciejewski macht Porträts aus anonymen Google-Street-Aufnahmen. Fotografiehistorisch sei es gerade ein interessanter Zeitpunkt, an dem man viele Probleme wie die Frage nach analog oder digital hinter sich gelassen habe und sich mit den vielfältigen Möglichkeiten des Bildermachens beschäftige, so Lippert. "Für die Künstler dieser Generation stellt sich die Frage nach Kunst oder Fotografie gar nicht mehr."

Insgesamt sieben Düsseldorfer sind unter den 41 internationalen Künstlern vertreten, die unter anderem von Andreas Gursky, F.C. Gundlach und Thomas Weski ausgesucht wurden, unter dem Gesichtspunkt, wen sie für wegweisend halten. Und wegweisend soll auch die Stadt bleiben. Das sagt Werner Lippert, der sich besonders für die Fotografie in der freien Kunst einsetzt: "Düsseldorf hat die Geschichte der künstlerischen Fotografie mit definiert und wir wünschen uns, dass in dieser Stadt auch neue Geschichte mitgeschrieben wird."

Innerhalb dieses enormen Bogens, den das Photo Weekend aufspannt, sind viele weitere Institutionen und Galerien beteiligt. Das ganze Programm gibt es auf der Webseite des Photo Weekend. Und in Zukunft soll es weitergehen: Wieder im Februar, aber in größerem Umfang, dann vielleicht in einem thematischen Rahmen, so die Organisatoren.

Düsseldorf Photo Weekend

am 4. Februar, 12 bis 18 Uhr. Der Katalog zur Ausstellung "State of the Art Photography" ist bei Feymedia erschienen und kostet 35 Euro.
http://www.duesseldorfphotoweekend.de/

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