Walker Evans

Linz



DER LYRISCHE DOKUMENTARIST

Er prägte das Bild von Amerika: Walker Evans war ein Pionier der Reportagefotografie als Kunst. Das Landesmuseum zeigt nun eine überzeugende Überblicksschau.
// ALMUTH SPIEGLER

Sie haben sich längst eingenistet in unser kollektives Bildgedächtnis: Die ärmlichen Hütten irgendwo im weiten Herzen Amerikas, das verkniffene Lächeln der jungen Siedlerin, das offene Hemd und die Latzhose des sonnengegerbten Arbeiters, das hölzerne Ladenschild des "Southern Seed and Feed Store".

Diese ganzen betont unaufgeregten Schwarzweißaufnahmen des ländlichen Amerikas der dreißiger Jahre. Obwohl, man glaubt es kaum, es zum Beispiel in Österreich noch nie eine repräsentative Retrospektive auf Walker Evans gab, den Urvater der späteren Street Photography, der sich selbst so nie genannt hätte.

Seit 2012 aber tourt eine vom Cincinnati Art Museums zusammengestellte Überblicksschau durch Europa. Begonnen hat sie in der SK Stiftung Kultur Köln, jetzt macht sie im Oberösterreichischen Landesmuseum Linz Station. Rund 230 Vintage-Prints, vorwiegend aus der Sammlung Clark und Joan Worswick, bilden "Decade by Decade" die Laufbahn des 1903 geborenen, 1975 gestorbenen Fotokünstlers ab. Der übrigens ursprünglich Schriftsteller werden wollte, woraus sich erklärt, warum er seinen Stil "lyrische Dokumentation" genannt haben wollte.

Evans sah sich als Künstler und seine provokativ ruhigen, sozialkritischen Aufnahmen der wenig spektakulären Nebenstraßen des amerikanischen Lifestyles als Kunst. Als solche wurden sie vier Jahre vor seinem Tod auch im Museum of Modern Art in New York ausgestellt, Evans war der erste Fotograf, der hier eine Einzelausstellung bekam. Und jetzt also Köln, Linz und zu guter Letzt noch Amsterdam. Ein wenig Entwicklungsarbeit für Europas Fotografieverständnis also.

Worauf Linz allerdings aus konservatorischen Gründen verzichten muss, sind die allerletzten Arbeiten von Evans, der sich kurz vor seinem Tod tatsächlich der neuen Technik der Polaroids zuwandte. In Farbe! Was ihn, hier ein typischer Vertreter seiner Fotografengeneration, wohl einige Überwindung gekostet haben muss. Dennoch ist es das Verdienst dieser Schau, dass sie den Fokus nicht nur auf sein berühmtes Hauptwerk legt, auf sein Amerikabild während der Großen Depression. Sondern auf sein späteres. Es ist einfach schön zu sehen, schwärmt die in Linz verantwortliche Kuratorin Gabriele Hofer-Hagenauer, "wie kontinuierlich er an seinen Lieblingsthemen weitergearbeitet hat – und sich trotzdem nicht wiederholte".

Walker Evans, Decade by Decade

Oberösterreichisches Landesmuseum Linz 28.02.2013 - So, 26.05.2013,

http://www.landesmuseum.at

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