Akt Now!

Aktfotografie

Akt Now: Tore Kersten
Tore Kersten: "Nera"

AKT NOW: TORE KERSTEN

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Tore Kersten

Was reizt Sie am Thema Akt?

Zum einen – man möge mir das torkelnde Wortungetüm verzeihen –, die "Unerschöpflichkeit der Faszination Frau".

Zum anderen liegt natürlich eine gewisse Unzufriedenheit im Bezug auf vorhandenes Bildmaterial vor. Wäre nach meinem Dafürhalten dort bereits alles gesagt worden, gäbe es keinen Grund, oder besser: Es läge keine große Freude darin, es lediglich zu wiederholen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Es gibt Aspekte von Sexualität und Körperlichkeit, die mich fotografisch nicht reizen, aber es gibt keine Grenzen im Sinne einer zu gewagten Darstellung. Oft wird es für mich im Gegenteil erst dort interessant, wo viele andere bereits das Label "Pornografie" aus der Tasche holen. Menschen sind subjektiv schön oder nicht, ihre freiwillige Interaktion ebenso, und ich betrachte das ganze Spektrum dessen, soweit es eben meinen Geschmack trifft, als meine fotografische Spielwiese.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Wann immer jemand den Tatbestand erfüllt sieht und die Begriffszuweisung für angemessen hält. Objektiv handelt es sich um Energie im Schwingungsspektrum des sichtbaren Lichtes, das auf Nervensysteme trifft. Ausgang ungewiss.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Fotografisch Corbijn, Newton, von Unwerth, Shulman. Richardson hat der "Akt"-Fotografie die Energie und den Spaß am Zwischenmenschlichen von Neuem erschlossen, die sie im Laufe einer stilistisch beziehungsweise inhaltlichen Kalzifizierung weitestgehend verloren hatte. Cudos dafür. In den letzten Jahren ist die Frage des konzeptuellen Ansatzes für mich jedoch interessanter geworden als das Assimilieren von rein visuellen Versatzstücken. Haupteinflüsse in dieser Hinsicht sind Frank Zappa, Miles Davis, Bobby McFerrin, Robert Fripp, Orson Welles, Robert Anton Wilson, Steve Jobs und Chick Corea.

Was war der peinlichste Moment?

Es gibt zumindest Angenehmeres, als mitten im Shoot zu bemerken, dass man die speziellen Ersatzbatterien für DIESE Kamera DOCH vergessen hat.

Welche Rolle spielt die Inszenierung und der Zufall in Ihren Fotografien?

Ich möchte meine Ideen verwirklichen, so dass der Rahmen dahingehend natürlich immer inszenatorischer Natur und keinesfalls beliebig ist. Und eine Person "wie sie wirklich ist" abbilden zu wollen, halte ich für einen wenn nicht naiven, so doch für mich recht witzlosen Ansatz. In letzter Zeit ist ein Shooting eher ein Prozess, ähnlich einer Jazzimprovisation, und ich arbeite viel mit Schnappschusskameras. Man bereitet eine Party vor, lädt Gäste ein, nennt ein Kostümierungsthema, kauft Luftschlangen und so weiter, aber was dort dann passiert, passiert weitestgehend spontan. Man hofft natürlich auf viel Gelächter, "Hoch das Bein" und Polonaise mit roter Pappnase.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Das Porn Valley in Los Angeles hat viel unausgeschöpftes Potential. Es gibt zu dem Thema noch keinen Bildband, wie ich ihn mir vorstelle.

Steckbrief

Hochschule/ Ausbildung: Fotografie und Medien an der Fachhochschule Bielefeld

Alter: 36

Nächste Ausstellung: In Planung

http://www.torekersten.com

office@torekersten.com

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