Edward Burtynsky

C/O Berlin



AUSGEBEUTETE LANDMASSE

Der kanadische Fotograf Edward Burtynsky folgt den Spuren des Öls, von der Förderung über Verarbeitung und Vertrieb zum Verbrauch und schafft beeindruckende, teils dystopisch wirkende Landschaftsaufnahmen. Die großformatigen Fotos sind nun in einer Ausstellung bei C/O in Berlin zu sehen.
// KITO NEDO, BERLIN

Bis vor wenigen Jahren war der US-Autokonzern General Motors der größte örtliche Arbeitgeber in der Stadt St. Catharines im kanadischen Ontario. Diese lokale Industriedominanz sowie die Weite des kanadischen Hinterlandes sind als prägende Einflüsse im Werk des 1955 hier geborenen Edward Burtynsky bis heute lesbar.

Im fotografischen Studium der Kultur des industriellen Menschen und seiner Artefakte hat der Fotograf mit ukrainischer Abstammung sein Lebensthema gefunden. Für seine Werkgruppe "Oil" reiste Burtynsky zehn Jahre lang um die Welt und folgte der Spur des Öls: zu den Orten, an denen es gefördert und verarbeitet wird, entlang des Vertriebsnetzes bis zu seinen Verbrauchern. Die so entstandenen großformatigen Landschaftsaufnahmen von Ölfeldern, komplexen Raffineriearchitekturen, gigantischen Highways oder trostlosen Autofriedhöfen erzählen davon, wie der wirtschaftlich wichtige Grundstoff ganze Landstriche verändert hat und damit auch vom hohen Preis der Umweltzerstörung, den die Gesellschaften bereitwillig zahlen. An einer Überhöhung seines Tuns ist der Fotograf nicht interessiert. "Ein Drittel der Erdoberfläche ist schwer ausgebeutete Landmasse", sagt Burtynsky. "Als Bildproduzent ist es interessant, das zu beobachten." Manche seiner dystopisch wirkenden Bilder mögen beim Betrachter dennoch mehr Eindruck hinterlassen als 100 Manifeste von Greenpeace. Doch darum geht es dem Fotografen nicht, dessen Aufnahmen längst in Sammlungen etwa des New Yorker Guggenheim Museums oder des MoMA vertreten sind. Auf Agitation, Belehrung oder Simplifizierung verzichtet er, dafür ist ihm die Welt zu komplex. Stattdessen setzt er auf die Genauigkeit und Schonungs- losigkeit des fotografischen Blicks. Wie ein Forscher protokolliert Burtynsky kühl, in sorgfältig austarierten Kompositionen kollabierte Umwelten. "Wir müssen lernen, die uns gegebenen Ressourcen bewusster zu schützen." Das ist die unbequeme Botschaft seiner Bilder: Der Hunger nach Energie ist unstillbar – die Vorräte sind begrenzt, das Öl-Zeitalter neigt sich seinem Ende entgegen.

Diese und weitere Ausstellungsrezensionen finden sie in der August-Ausgabe von art, welche ab Freitag dem 27. Juli am Kiosk zu kaufen ist.


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Edward Burtynsky. Oil

Termin: 27. Juli bis 9. September 2012 im C/O Berlin. Zur Ausstellung ist ein Katalog bei Steidl erschienen.

Anlässlich der Ausstellung hält Edward Burtynsky am Freitag, den 27. Juli 2012, einen Vortrag bei C/O Berlin

http://www.co-berlin.info

info@co-berlin.com

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