State of the Art Photography

Düsseldorf



NEUE FREIHEIT BRICHT SICH BAHN

Die Zukunft der Fotografie: Experten nominieren 41 Künstler, die neue Trends prägen.
// MICHAEL KOHLER

Es scheint Teil der menschlichen Natur zu sein, an bestimmten Punkten der Geschichte innezuhalten und zu fragen: Wo stehen wir? Im Rahmen der Fotografiegeschichte kamen diese Momente meistens, nachdem wichtige und entsprechend umkämpfte Perspektivwechsel vollzogen waren: die Einführung der Kleinbildkamera, die "Entdeckung" von Schwarzweiß als privilegierter Ausdrucksform, die späte Ehrenrettung der Farbe, die digitale Technik. In der Düsseldorfer Ausstellung "State of the Art Photography" geht es eher um die Frage, was kommt, wenn die Kulturkämpfe abgeklungen sind und das Neue – in diesem Fall die Digitalisierung der Fotografie – als Paradigma akzeptiert ist. Die Antwort: Eine neue Freiheit bricht sich Bahn.

41 internationale Künstler hat das Expertengremium des NRW-Forums, bestehend aus Andreas Gursky, Thomas Weski, Klaus Biesenbach, Udo Kittelmann, F.C. Gundlach, Thomas Seelig, Andrea Holzherr und Werner Lippert, ausgewählt, von denen es glaubt, dass sie die Fotografie der nächsten Jahre prägen werden. Jeder dieser Hoffnungsträger ist mit vier bis fünf Werken in der Ausstellung vertreten: Es gibt geradezu klassische Schwarzweißstudien (Jacob Aue Sobol), farbige Landschaftspanoramen (Olaf Otto Becker), Collagen (Daniel Gordon, Jeremy Kost), im Computer zusammengefügte Pixelpuzzle (Alex Grein), reportagehafte Erzählungen (Maziar Moradi) oder konzeptionelle Abwandlungen der Straßenfotografie (Edgar Leciejewski, das Künstlerduo Wassinklundgren).

Aus dieser Stilvielfalt hat Werner Lippert, Ausstellungsleiter des NRW-Forums, zwei thematische Trends destilliert: der Mensch als Bildmotiv und der "inhumane" Blickwinkel wissenschaftlicher Apparaturen. Insbesondere der zweite Punkt hat Zukunftspotenzial. So betreiben Mischa Kuball und Harry Gruyaert jeweils auf ihre Weise Grundlagenforschung, indem sie auf das Zusammenspiel zwischen Licht und Apparat zurückgehen. Bereits in den siebziger Jahren fotografierte Gruyaert alltägliche Fernsehbilder und fand dabei Farbkompositionen, die dem menschlichen Auge alles andere als natürlich erscheinen; Kuball legt Sofortbildkameras unter den Computertomografen und erhält durch diesen scheinbar objektiven Blick Lichtspuren voller Poesie.

State of the Art Photography

bis 6. Mai, NRW-Forum, Düsseldorf
zur Ausstellung erscheint ein Bildband im Feymedia-Verlag, er kostet 35 Euro

http://www.nrw-forum.de

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