Sascha Weidner in Hannover

Das Magische des Augenblicks

Zerwühlte Laken in der Morgensonne. Finger, die über eine Wasserfläche streichen. Dazu eine Prise Romantik. Der Alltag mit all seinen verschiedenen Facetten lieferte Sascha Weidner seine Bildmotive. Der jung gestorbene deutsche Fotograf wird mit einer großen Ausstellung geehrt.
Das Magische des Augenblicks

Sascha Weidner: "Caché II", 2010, Digitaler Pigmentdruck, 110 × 110 cm

Zerwühlte Laken in der Morgensonne. Finger, die über eine Wasserfläche streichen. Oder der aufsteigende Rauch eines ausgebrannten Pkw. Der Alltag mit all seinen verschiedenen Facetten lieferte Sascha Weidner seine Bildmotive. 2015 wurde der deutsche Fotograf für den renommierten Prix Pictet nominiert und starb im selben Jahr mit nur 39 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt.

Weidner fand einen ganz eigenen Weg, das Lebensgefühl seiner Generation in seinen Aufnahmen einzufangen. Nicht so cool wie Ryan McGinley, nicht so experimentell wie Wolfgang Tillmans entwickelte der 1974 in Georgsmarienhütte geborenen Künstler eine konsequent persönliche und intime Bildsprache, in der Fotografie und Leben untrennbar miteinander verbunden waren. Jede Facette, jeder Ausschnitt des Alltags schien es für Sascha Weidner wert, festgehalten zu werden. So als habe er sich der Riesenaufgabe gestellt, den ganz großen Zusammenhang abzubilden, den wir Leben nennen.

Beiläufig, aber nicht banal

So entstand ein Archiv von Tausenden Fotos, die Weidner zu Lebzeiten immer wieder in neuen Kombinationen präsentierte. Das Sprengel-Museum Hannover widmet ihm jetzt eine große Ausstellung, deren Grundlage eine umfangreiche Schenkung aus dem Nachlass des Künstlers bildet, ergänzt von Werken aus der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Dass Weidners Aufnahmen, trotz der Flut an Bildern, dennoch niemals banal wirken, sondern dass sie immer wieder das Magische in den kleinen Augenblicken zeigen, die Beiläufigkeiten, in denen gleichzeitig das Besondere und Aufregende mitschwingt, ist die große Qualität seiner Fotografie.

Es ist keineswegs süße oder gar oberflächliche Leichtigkeit, die diesen Bildern anhaftet. Vielmehr sind die Aufnahmen stets brüchig, melancholisch und voll Sehnsucht. Sie stehen für einen besonderen, unwiederholbaren Augenblick. Und weil jeder dieser Momente für Sascha Weidner ein einzigartiges Erlebnis zwischen ihm und dem Motiv darstellte, bekam jede aus diesem Moment entstandene Reproduktion den kleinen Zusatz "II".

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.

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