Die Becher-Klasse

Struffskys und Co

Man erkennt sofort, wer bei Bernd und Hilla Becher studiert hat. Aus ihren Schülern wurden Fotografen, von denen die Kunstwelt spricht.
Struffskys und Co

Candida Höfer: "Bibliothèque Nationale de France Paris XIII", 1998, Chromogener Farbabzug, 155 x 215 cm, Art Collection Deutsche Börse

Ein Fotograf der Becherschule zu sein garantiert gesteigerte Aufmerksamkeit. Kaum je waren Künstler so einflussreich wie das Fotografenpaar Bernd und Hilla Becher, das die Fotografie auf eine stille und doch bahnbrechende Weise revolutioniert hat.

Seit den späten fünfziger Jahren bereisten Bernd und Hilla Becher Europa und Nordamerika, um die Formenvielfalt von Industriebauten zu dokumentieren, deren Stilllegung und Abriss begonnen hatte: Hochöfen, Fördertürme, Kohlesilos, Gasbehälter, Wassertürme, frontal, nüchtern, in Schwarzweiß. Gemeinsam erarbeitete sich das Paar eine Grammatik der Grundformen, die an eine enzyklopädische Bestandsaufnahme erinnert.

Jene, die bei Bernd Becher (1931 bis 2007) an der Kunstakademie Düsseldorf studiert haben, sind zum großen Teil selbst berühmt: Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Thomas Struth, Thomas Ruff und Jörg Sasse. Sie eint eine intensive Auseinandersetzung mit dem Medium und dessen Weiterentwicklung, wie die Ausstellung im Städel-Museum mit mehr als 150 Werken zeigt.

Etwa von Candida Höfer (*1944), die in Schlössern, Bibliotheken, Museen oder Wartesälen fotografiert hat. Wie die Bechers arbeitet Höfer in Serien, auch ihre Fotografien sind sachlich und unprätentiös. Allerdings haben ihre Farbaufnahmen keinen zentralen Bildgegenstand und keinen wiederkehrenden Blickwinkel. Höfer fotografiert mit einem Weitwinkel aus einer Perspektive, die vom Raum viel zeigt und zugleich Distanz wahrt.

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Thomas Struth (*1954), von dem das Münchner Haus der Kunst derzeit eine Übersicht zeigt, fotografiert seit den achtziger Jahren in Serien, etwa in berühmten Museen. Seine Bilder zeichnen sich durch kalkulierte Bildausschnitte und strenge Komposition aus und zeigen die gebaute Welt als skulpturale Zeichen der Zivilisation.

Andreas Gursky (*1955) arbeitet wie ein Maler, auch wenn seine Fotografien zunächst wie Abbilder der Realität erscheinen. Gursky konstruiert sie zu einem großen Teil am Computer. Wenn er einen Supermarkt oder einen Börsensaal ablichtet, sind sie in der Regel nicht näher zu identifizieren, Gursky zeigt vielmehr deren Inbegriff.

Neben den Bildern der Fotostars sind in der Schau Werke der weniger bekannten Becher-Schüler Tata Ronkholz, Volker Döhne und Petra Wunderlich zu sehen.

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