Gespräch mit dem Bildhistoriker Michael Diers

Die Gewalt der Geste

Vielerorts scheint die Welt derzeit aus den Fugen. Aber können die vielen Bilder, die täglich über unsere Bildschirme huschen, wirklich zur Klärung der Lage beitragen? Bildhistoriker Michael Diers ist überzeugt, man müsse vor allem lernen sie richtig zu lesen. Antje Stahl hat ihn nach den Medienbildern der Gegenwart befragt – auch nach der gestern als »Pressefoto des Jahres« ausgezeichneten Aufnahme des Attentats auf einen russischen Botschafter in Ankara.
Die Gewalt der Geste

"Allah ist groß!", skandiert der Attentäter nachdem er im Dezember 2016 Andrei Karlov, den russischen Botschafter, in einer Galerie im türkischen Ankara erschossen hat. Das Bild wurde als "Pressefoto des Jahres 2016" ausgezeichnet.

art: Michael Diers, trauen Sie Ihren Augen noch?

Michael Diers: Wenn das als Metapher gemeint ist: nein. Nach dem Fall der Berliner Mauer habe ich zwar nicht geglaubt, im politischen Paradies zu leben. Aber seit rund zwei Jahren stürzen politische Welten auf mich ein, die ich fast nicht mehr begreifen und schon gar nicht bändigen kann. Dennoch bleibt es meine Aufgabe als Kunst- und Bildhistoriker, die wichtigsten Bild-Ausschnitte davon zu verstehen.

Es scheinen gerade die Ausschnitte zu sein, die Chaos schaffen. Nach der Amtseinführung von Donald Trump gab es…

… einen kleinen, aber bezeichnenden Bilderstreit, das stimmt. Es gab Fotos, die eine nicht mit Publikum vollständig gefüllte Mall in Washington zeigten. Donald Trump präsentierte Journalisten im Weißen Haus daraufhin ein anders Foto und behauptete, seine Amtseinführung sei die publikumsmächtigste in der US-Geschichte gewesen. Entscheidend scheint hier nicht mehr zu sein, was wir vor Augen haben, es sind vielmehr die Worte, die dazu geäußert werden.

Aber was bedeutet das für die Bildpolitik und deren Kritik?

Mich beschäftigen vor allem die alltäglichen Bilder, die in einem rasanten Tempo produziert und veröffentlicht werden und die als Schlagbilder den Schlagzeilen entsprechen. Wir sind kaum mehr in der Lage, sie intensiver zu betrachten, deswegen versuche ich, zumindest einzelne auszuwählen und ihnen auf den Grund zu gehen. Die Frage, ob Bilder lügen, wurde längst beantwortet, ja, selbstverständlich, sie können gefälscht sein. Aber das gilt nicht für die Gattung oder das Medium generell. Seriösen Publikationen wie Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung etc. vertraue ich aber in der Regel, dennoch bleiben häufig Fragen zur Auswahl und Platzierung.

Dem Tod ins Angesicht geschaut
Das griechische Meisterwerk des »Sterbenden Galliers« ist von zurückhaltender Sinnlichkeit. Kunstkritiker Jerry Saltz über seine Begegnung mit der Skulptur und den Moment, in dem er seinen Glauben verlor

Können Sie mir ein Beispiel nennen?

Das Titelbild der Süddeutschen Zeitung vom 28. Dezember 2016 zeigte den Attentäter Anis Amri im Kreis seiner Freunde. Sie sitzen zu viert um einen Tisch, vermutlich in einem Berliner Flüchtlingsheim. Das Fladenbrot ist ausgepackt, ein Gericht steht auf dem Tisch und zwei der Jungs halten jeweils ihren gestreckten rechten Zeigefinger in die Kamera. Das Foto muss den Geheimdiensten bekannt gewesen sein, denn Amri hat es via Facebook seiner Familie geschickt, und genau das hat mich sehr beunruhigt. Eines der politischen Kenn- und Markenzeichen der Anhänger des sogenannten Islamischen Staates – der gestreckte Zeigefinger der rechten Hand, eigentlich eine Gebetsgeste – zeichnet sich hier so deutlich ab, dass man hier schon einiges über den Attentäter hätte ablesen können.

Wie meinen Sie das?

Es mag ein Berufsreflex sein, aber ich habe in dieser Vierergruppe unmittelbar das "Abendmahl in Emmaus"-Gemälde von Caravaggio als historischen Bezugspunkt assoziiert. Eine der Figuren macht hier ebenfalls eine explizit "politische" Geste – es ist Christus, der den Arm ausstreckt und mit seiner Hand das Brot segnet, demnach das Kreuzzeichen des christlichen (Geheim-)Bundes macht. Die beiden neben ihm sitzenden, bis dahin mit Blindheit geschlagenen Jünger erkannten ihn daran als ihren Herrn, so heißt es in der Bibel.

Die Gewalt der Geste

Du da! – US-Präsedent Donald Trump bei einer Pressekonferenz in New York

Mit anderen Worten: Ihre bild- und kunsthistorische Expertise kann dabei helfen, potenzielle Attentäter zu identifizieren?

Vergleiche hinken, ohne Frage. Aber sie können helfen, Bilder besser zu verstehen. Ich würde mich gern – und das meine ich ironisch und ernst zugleich - beim BKA erkundigen, warum sie mich nicht angerufen haben: Ich hätte sie vielleicht dabei unterstützen können, den Gefährder vorzeitig zu identifizieren ...

Das ist absurd.

Mag sein, richtig aber ist: Die Gestenpolitik ist zurück. Und Bilder "zeichensprechen" mit ihrer Hilfe. Auch der Populismus arbeitet ja wieder extrem gestisch. Anders als unsere demokratischen Politiker fuchteln dessen Vertreter bevorzugt in der Öffentlichkeit herum. Sehen Sie sich mal Björn Höcke an. Auch Donald Trump verfügt über ein sehr reiches Gesten- und Fingerrepertoire, das weit über das hinaus geht, was sich geziemt.

Er zeigt auch mit dem Finger auf Menschen.

Jedes Kind lernt, dass man nicht mit dem Finger auf Menschen zeigt: "Die da! Du da!". Auf Pressekonferenzen entscheidet Trumps Finger über Sprecherpositionen. Im übrigen zerteilt er die Welt, er schneidet sie in zwei Hälften, er zielt und richtet mit seinen Armen, Händen und Fingern und mimt dazu entsprechend herablassend und entwürdigend. Sich derart auf öffentlicher Bühne zu gerieren war lange Zeit Tabu. Wir sind das ernste Wort und die ernste Miene gewohnt. Trump hingegen ist eine rundum politisch sprechende Figur, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen. Er entwirft, inszeniert sich laufend als Bild. Selbst bei der Amtseinführung kommt er mit offen wehendem Mantel und Sakko daher. Seine Anhänger parieren und folgen ihm. Man muss sich das einmal vorstellen: Dieser Präsident verfasst Dekrete, setzt seinen Namenszug darunter, der wie ein Enzephalogramm eines – pardon – Autisten anmutet, und hält das Schriftstück anschließend stolz wie Oskar zum Beweis in die Kamera, so als wären wir Analphabeten.

Die Gewalt der Geste

Spielchen oder Kritik? Fotomontage mit Donald Trump

Das Publikum reagierte darauf mit zahlreichen Gegenbildern: Statt eines Dekrets sehen wir Comics, allerlei alberne Sprüche, Pokémon-Sammelkarten. Ist das schon ästhetischer Widerstand?

Nein, natürlich nicht. Man muss klar unterscheiden zwischen neckischen Spielchen, die dieses Polit-Theater veralbern und ernster politischer Kritik, denken Sie nicht zuletzt an die Golden Globe-Rede von Meryl Streep oder an Scarlett Johanssons Ansprache anlässlich des Women’s March im Januar. Es kursieren aber auch satirische Werbeclips, die all das recht geschickt verbinden: "Wir haben den Atlantik kreiert, um die Mexikaner davon abzuhalten, zu uns herüber zu kommen", heißt es in "The Netherlands second" zum Beispiel. Das ist einerseits amüsant und macht andererseits die Politik Trumps lächerlich.

Aber spielen solche Parodien den Populisten nicht auch in die Hände? Wer sie nicht ernst nimmt, unterschätzt sie?

Es gibt ja auch ein hilfreiches befreiendes Lachen, das sehr wichtig ist. Das Magazin Charlie Hebdo zeigt auch, dass Witz und Humor mehr leisten können. Selbst in Deutschland kündigte ein ZDF-Moderator vor wenigen Wochen seine Nachrichtensendung fast satirisch als "Tag ohne Trump" an. Das war offenbar selbstkritisch gemeint, denn erst die Medien machen Trump zur Marke. Und er bedient sie wie kein anderer. Unsere Politiker sehen dagegen aus wie "Waisenknaben", die nicht begriffen haben, welche Rolle das Internet spielt. Aus einem potentiellen Tummelplatz für die Demokratie ist weithin ein Tummelplatz für die herrschende Autokratie geworden.

Schauen Sie sich Trump an: Er tritt im dunkelblauen Anzug mit leuchtend roter Krawatte über weißem Hemd auf, ein überlanger Schlips, der ihm bis zum Hosenschlitz reicht und wie ein Zeiger auf sein Geschlecht verweist. Das ist eine sehr wirkungsvolle emblematische Einkleidung in das US-amerikanische System. Die Allegorie ist sehr leicht und rasch zu verstehen: "Der Staat bin ich, ich verkörpere, ja ich bin Amerika". Andere Bilder wiederum bedürfen einer intensiveren Betrachtung und Beschreibung. Manchmal braucht es auch den Rat von anderen, nicht zuletzt denjenigen der Geschichte der Kunst und jenen der Künstler und Künstlerinnen, um sich einen Reim auf ein Bild zu machen und eine Schneise Richtung Wahrheit zu schlagen.

Vom absoluten Recht des Humors
Comicexperte Ole Frahm verteidigt im art-Interview das Recht des Humors gegen den heiligen Ernst des Islamismus

Die "Wahrheit" war auch schon vor Trump umstritten. In Ihrem neuen Buch ("Vor aller Augen – Studien zu Kunst, Bild und Politik", erschienen im Fink Verlag) widmen Sie sich einer Fotografie, die am 11. September 2001 entstanden ist. Die Interpretationen dieses Bildes liegen sehr weit auseinander. Können Sie sie kurz skizzieren?

Es handelt sich um eine Aufnahme von Thomas Hoepker. Sie zeigt fünf Jugendliche am Rand des East River, im Hintergrund sieht man die Rauchschwaden des World Trade Center. Der Himmel ist im übrigen strahlend blau, und es sieht aus, als würde sich die Gruppe in der Sonne baden. So jedenfalls fiel das Urteil vieler Betrachter und Journalisten aus, die das Bild zum ersten Mal gesehen haben. Hoepker hatte es erst fünf Jahre nach dem Anschlag veröffentlicht, und die öffentliche Diskussion wandte sich sehr schnell gegen ihn. Für viele Amerikaner war klar, dass er sie mit diesem Bild verletzten wollte: Hinten stürzt die Welt zusammen und vorn schert sich die Jugend einen Dreck darum.

Die Gewalt der Geste

"Vor aller Augen" von Michael Diers

Dann aber meldeten sich einige der Dargestellten zu Wort und klärten die Umstände auf

Ein vorbeikommender Radfahrer hatte an diesem Morgen verschlafen und wurde nun von den anderen über den Anschlag aufgeklärt. Auf der Mauer sitzen ein bildender Künstler und eine Fotografin, die sich entschlossen hatte, in dieser Situation ganz bewusst nicht zu fotografieren, sondern vielmehr ein Gespräch zu führen. Wenn man das Bild intensiver betrachtet, erkennt man aus den Haltungen und der Mimik durchaus, wie ernst ihre Unterhaltung ist.

Sie behaupten, es gäbe nur eine mögliche Interpretation des Bildes und die anderen Betrachter hätten sich geirrt?

Unter der Voraussetzung, dass man das Bild intensiv betrachtet und nicht nur oberflächlich – ja. Nur weil die Mitglieder der kleinen Gruppe nicht als Rückenfiguren auftreten heißt das noch lange nicht, dass sie sich nicht um die Vorgänge im Hintergrund scheren. Im Gegenteil: Hier findet so etwas wie eine Mauerschau statt, das Bild zeigt eine politische Bühne mit Darstellern, die handeln, indem sie über das Hintergrundgeschehen sprechen.

Ihre Analyse hinterlässt bei mir den Eindruck, als hätten Sie sich eher von den Zeugenaussagen leiten lassen, also von den zusätzlichen Informationen als vom Bild selbst?

Als ich die Aufnahme zum ersten Mal in einer Ausstellung in München gesehen habe, hat sie mich ebenso angezogen wie inhaltlich irritiert und zugleich dazu getrieben, dem Bild, seinem Gehalt und seiner Komposition nachzuforschen. Ich konnte den Rezensenten nicht folgen, die alle behaupteten, die gezeigten Jugendlichen hätten nichts anderes als Pop und Shop im Kopf. Die Informationen, die ich mir beschafft habe, sind das Ergebnis einer Recherche, die jeder – Journalist, Wissenschaftler oder Zeitungsleser – vornehmen kann und muss, wenn er oder sie es ernst meint mit denjenigen Fragen, die Bilder gelegentlich an ihn oder sie stellen.

In Ihrem Vorwort bezeichnen Sie die Trennung zwischen Bild und Mensch, zwischen Objekt und Subjekt als wichtigste Errungenschaft der Aufklärung und damit auch als wichtigste Voraussetzung für den Umgang mit Bildern.

Der IS-Terrorismus versucht uns mit unseren eigenen übersteigerten Bild-Interessen zu geißeln. Er liefert Bilder, die uns im Mark erschüttern. Er tötet, um an ein wirkmächtiges Bild zu kommen. Das ist eine perverse Situation, über die meines Erachtens nicht genug oder jedenfalls noch nicht zu Ende diskutiert ist: Sollen wir uns solche Bilder und Videos ansehen? Zugleich erkennt der vermeintlich bilderfeindliche IS-Anhänger die kategoriale Differenz zwischen Bild und Mensch nicht mehr an: Die Redaktion von Charlie Hebdo musste mit ihrem Leben büßen, weil sie kritische, unangepaßte Bilder in die Welt gesetzt hatte. Islamisten strafen nicht mit (Gegen-)Bildern ab, sondern rücken den Zeichnern unmittelbar zu Leibe. Sie gehen über Leichen. Das ist eine radikale Entwicklung, vor der wir mit größtem Schauder stehen. Wir wissen kaum, wie wir aus diesem Zirkel der Gefahr und des Wahns herauskommen.

Es handelt sich nicht mehr um einen Bilderstreit.

Die Islamisten wüten ja nicht nur in den entfernten antiken Stätten von Palmyra, sondern auch auf unseren Weihnachtsmärkten oder in unseren Kulturtempeln. Kürzlich gelangte ein Attentäter mit einer Machete bewaffnet in den Pariser Louvre und schlug um sich. In der jüngsten (deutschen) Ausgabe von Charlie Hebdo fragt daraufhin verschreckt eine Gestalt der napoleonischen Reiterarmee eines Louvre-Historiengemäldes auf die Gegenwart bezogen aus dem Bild heraus: "Wie lange noch, meine Freunde, müssen wir in einem solchen Klima der Gewalt leben?"

Anläßlich der Vernissage einer Fotoausstellung in Ankara wurde am 19. Dezember des vergangenen Jahres der russische Botschafter auf offener Bühne einer Galerie ermordet. Der Mörder im feinen Anzug streckte zum Zeichen seiner Identität Arm und Zeigefinger in die höchste Höhe, die Fotografien sprechen in ihrer Kinoszenenhaftigkeit Bände von einem blutigen Geschehen, das uns wie einem Spielfilm entsprungen erscheint.

Trump als Metapher
Er bricht die Regeln des guten Geschmacks und bringt gewohnte Sicherheiten ins Wanken – beinahe wie ein Künstler. Wie Donald Trump die Methoden der Kunst kopiert und warum sie in der Politik nichts zu suchen haben

Der amerikanische Kunstkritiker Jerry Saltz widmete sich den Aufnahmen, die während des Attentats in Ankara entstanden sind. Er arbeitete sich wie ein Kunsthistoriker durch eine sachliche Beschreibung und Bildvergleiche an das Bild heran. Dafür wurde er im Netz heftig abgestraft. Die Kommentatoren überschlugen sich mit der Kritik an seinem Vorgehen, warfen ihm mangelnde Empathie für die Opfer vor. Zwischen Bild und Opfer wird auch im Westen nicht immer klar differenziert.

Dann muss das verehrte Publikum in eine Schule des Sehens gehen und lernen, zu unterscheiden zwischen Mensch und Bild, Bild und Realität. Es scheint hier und da die Orientierung verloren zu haben durch den massenhaften Konsum virtueller Räume. Es ist kein Wunder, dass die Dauerberieselung mit Live-Berichterstattungen, Instagram-Bildern und so weiter irritiert. Die Menschen verausgaben sich teils so sehr im Internet, dass sie unter Realitätsverlust leiden.

Es bringt aber auch nichts, an einer Unterscheidung zwischen digital und analog festzuhalten, die sich im Alltag zusehens verflüchtigt.

Sie behaupten, Sie können nicht mehr unterscheiden zwischen dem, was zum einen auf der Straße passiert und zum anderen in den Medien vor sich geht? Sie würden hinter Ihrem warmen Ofen nicht mehr wissen, dass es draußen kalt und frostig ist? Bei Brecht heißt es in einer seiner Keuner-Geschichten: "Befragt über sein Verhältnis zur Natur, sagte Herr K.: 'Ich würde gern mitunter aus dem Haus tretend ein paar Bäume sehen. Besonders da sie durch ihr der Tages- und Jahreszeit entsprechendes Andersaussehen einen so besonderen Grad von Realität erreichen.'“

Aber wenn ich aus dem Fenster meiner Wohnung schaue, könnte man meinen die Welt sei in allerbester Ordnung. Wenn ich dann aber zurück zu meinem Schreibtisch kehre und den Laptop öffne …

… und ein anderes Fenster öffne, das sich kaum zufällig Windows nennt …

… dann sehe ich Attentate auf Weihnachtsmärkten, Donald Trump, die AfD und so weiter. Das bestimmt über Weltsichten, Weltempfinden oder wie auch immer Sie es nennen möchten.

Man kann ja auch mit den Ohren sehen. Ich höre jedenfalls, um nur ein Beispiel zu nennen, in der Großstadt oft Polizeisirenen, in der Nähe oder Ferne, und dann frage ich mich, was da geschehen sein mag. Den Berliner Breitscheidplatz überquere ich häufig, er kommt mir jetzt regelmäßig in den Sinn, wenn ich diese Klänge höre. Jeder "Tatort" ist inzwischen zu einem Ort terroristischer Grausamkeit geworden. Die Leichenberge, die uns jeden Tag im Fernsehen angeboten werden, sollten keine Auswirkungen auf das Bewusstsein und Empfinden unserer Gesellschaft haben? Ich kann mir das nicht vorstellen. Aber ich bestehe auf der kategorialen Unterscheidung zwischen Bild und Realität, so sehr Sie vielleicht auch meinen, die Differenz schwinde zusehends dahin. Es gibt die Wirklichkeit der Bilder, die Bildrealität und die Bilder der Wirklichkeit, aber eben auch die Wirklichkeit, die noch nicht Bild geworden ist, so sehr wir uns auch bemühen, sie immerfort und jederzeit abzulichten, zu speichern und wegzusperren. Auch Sie müssen unbedingt gegen die Schwundstufenthese anschreiben, sonst stiften wir alle nur noch mehr Verwirrung und lassen uns von den Bildern der falschen Agenten oder Propheten in den Bann schlagen.

Postkartenidylle außer Betrieb
Drei hochkant aufgestellte Autobusse versperren die Sicht auf die wiederaufgebaute Frauenkirche und machen das Ensemble zu einem aktuellen Mahnmal der Zerstörung. Geschaffen hat das beeindruckende Monument ein Deutschsyrer