Gib mir fünf!

Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche
Marc Räder, "Pool Magaluf", aus der Serie "Mallorca – Island in Progress", 1998 – ein Glanzstück aus der Sammlung des neuen Cottbuser Kunstmuseums Dieselkraftwerk (Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus)
DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE
Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Karen Bofinger empfiehlt diese Woche eine Endlosschleife, einen Abenteuerspielplatz und ein echtes Kunstkraftwerk.
// KAREN BOFINGER

Cottbus: Kunstmuseum Dieselkraftwerk – Neueröffnung
Zur Abdeckung von Energiebedarfsspitzen wurde von 1926 bis 28 in Cottbus ein Dieselkraftwerk gebaut – jetzt stillt der neusachliche Klinkerbau von Werner Issel den Raumbedarf der Kunst. Am 8. Mai eröffnet hier das "Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus", ehemals "Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus". Unter dem Titel "Angelandet. Die Sammlung im neuen Haus" zeigt das Museum unter anderem Arbeiten von Cornelia Schleime, Andreas Gursky und Barbara Klemm. Seit Mitte der neunziger Jahre liegt ein Sammlungsschwerpunkt auf den Themen Landschaft und Umwelt; viele Werke sind zum ersten Mal zu sehen. Ein Umbau für 8 Millionen Euro, 1250 Quadratmeter Austellungsfläche mit teils acht Meter hohen Räumen, mehr als 22 300 Objekte in der Sammlung: Es verspricht ein energiereiches Kunsthaus zu werden. Auf das neue Kunstkraftwerk kann man am Donnerstag, 8. Mai, ab 14.30 auf der Cottbusser Mühleninsel anstoßen, gefeiert wird auch über die Pfingsttage mit Sonderführungen zu Architektur und Sammlung.

Barcelona: Loop '08 – International Festival & Fair for Videoart
In der Erfolgsschleife: Zum sechsten Mal findet vom 8. bis 10. Mai in Barcelona die Loop-Messe für Videokunst statt. 2003 gegründet, war "Loop" die erste Messe, die sich ausschließlich der Videokunst widmete; inzwischen ist sie der wichtigste Treffpunkt für Kuratoren und Künstler. Das mag auch am Ambiente liegen: Nicht in schnöden Messehallen präsentieren sich die 44 Galerien aus 14 Ländern, sondern in den Zimmern des "Hotel Catalonia Ramblas" im historischen Zentrum. Da flimmern Videos auf den Wänden, stehen Flachbildschirme neben Badewannen. Ein Raum, ein Werk, diese Beschränkung kommt der Qualität der Messe zugute. Zudem stehen insgesamt 14 Premieren auf dem Programm. Liebhaber der Videokunst sollten also für ein paar schöne Stunden ins Hotel fliehen – oder ab Freitag auf art den Bericht unseres Korrespondenten Merten Worthmann lesen und weitere, exklusive Videos anschauen. Schon heute: Ein Ausschnitt aus dem Video "Intruders" des deutschen Künstlers Niklas Goldbach.

Ein Höhepunkt der Loop '08: Niklas Goldbach, "Intruders"; Galerie Anita Beckers

Berlin: Greg Bannan – Bullfights in Tijuana
Im mexikanischen Tijuana, an der Grenze zu den USA gelegen, wird der Stierkampf heute genau so praktiziert wie im frühen 18. Jahrhundert in Spanien, die Kampfarena der Stadt ist legendär. Für die einen ist das brutale Tierquälerei, für die anderen anmutige Kunstform und Tradition. Den kraftvollen Matador und die toten Stiere – der US-amerikanische Fotograf Greg Bannan zeigt beides. Im Stierkampf sieht er alle Facetten des Lebens, im Stier einen respektierten König, der zum Tode verurteilt ist. Die Schwarzweißfotografien sind teils schonungslos, teils verklärend. Vernissage in der Galerie MFK ist am 9.5. um 19 Uhr, die Ausstellung läuft bis zum 26. Juni.

Frankfurt: Frankfurter Kunstverein – The great game to come
Der Frankfurter Kunstverein ist zum Spielen da! – Jedenfalls in der Aktionswoche vom 13. bis 21. Mai. Unter dem Titel "The great game to come" verwandeln sich die Ausstellungsräume in ein großes Spiel- und Experimentierfeld für Kinder. Zwei historische Künstlerprojekte werden dabei neu aufgelegt: 1968 installierte der dänische Künstler Palle Nielsen einen Abenteuerspielplatz im Moderna Museet in Stockholm, 1971 verwandelte sich die Messe Frankfurt bei einem Projekt von Thomas Bayrle und Schülern der Hochschule für Gestaltung Offenbach in den "Kinderplaneten". Beide Künstler werden diese Projekte wiederholen, zusammen mit Studenten der Frankfurter Städelschule und der Kunstakademie Kopenhagen sowie deren Dozenten Tobias Rehberger und Nils Norman. Alle Besucher sind eingeladen, sich an der Gestaltung zu beteiligen – denn Kunst soll Spaß machen. Der Eintritt ist während der Aktionswoche frei.

Buxtehude: Stille – Dirk Reinartz und Schüler
Dirk Reinartz (1947 bis 2004) hat als Reportagefotograf für Magazine wie "Stern", "Spiegel" oder "Life" die deutsche Dokumentarfotografie entscheidend geprägt. Für art hat er über 400 Künstler porträtiert. Kurz vor seinem plötzlichen Tod hatte er mit seinen Studenten an der Muthesius-Hochschule in Kiel ein Ausstellungsprojekt begonnen. Posthum vollendet, wird es noch bis zum 18. Mai im Buxtehude-Museum für Regionalgeschichte und Kunst gezeigt. Zum Teil unveröffentlichten Bildern von Reinartz stehen Arbeiten seiner Schüler gegenüber. Auf Entdeckungstour rund um Buxtehude begab sich etwa Thies Raetzke: er folgte den Spuren seines Lehrers, fotografierte den Schiffsanleger, an dem dieser immer gerne eine Currywurst aß, den Lieblings-Eis-Italiener und Details aus Dunkelkammer und Wohnung. Der Austellungstitel "Stille" steht für die behutsame Art der Reportagefotografie, die Reinartz – und viele seiner Schüler – auszeichnet.

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