Gib mir fünf!

Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche
Psychedelisches von dem israelischen Künstler Tal R zeigt die Galerie Contemporary Fine Arts zum "Gallery Weekend" in Berlin: Tal R, "Adieu Interessant" (green), 2005/08, Mischtechnik (Foto: Jochen Littkemann; Courtesy: Contemporary Fine Arts)

DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Judith Scholter empfiehlt diese Woche Fragen über Gott und die Welt, einen Film über das Pekinger Olympiastadion und Galeriebesuche in Berlin und Leipzig.
// JUDITH SCHOLTER

Berlin / Leipzig: Gallery Weekend und Frühlingsrundgang der SpinnereiGalerien
Nur eine gute Stunde braucht der Zug von Berlin nach Leipzig, die Freunde von Galerie-Rundgängen wird’s freuen. In beiden Städten eröffnen an diesem Wochenende 49 Galerien gleichzeitig neue Schauen. Die Berliner Galerie neugerriemschneider etwa zeigt eine Arbeit von Olafur Eliasson. Koordiniert wird das "Gallery Weekend" (Beginn: 2. Mai um 18 Uhr) von dem Frankfurter Galeristen Michael Neff, der im Herbst den Rundgang mit einer hochkarätigen Sonderschau zum messeähnlichen Event erweitern möchte. Auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei, wo der Aufstieg der Leipziger Schule seinen Anfang nahm, beginnt der traditionelle Frühlingsrundgang bereits am 1. Mai um 11 Uhr – unter anderem mit der Objektkünstlerin Stella Hamberg in der Galerie Eigen + Art.

Bundesweit: Bird’s Nest. Herzog & de Meuron in China
China wächst und leistet sich dafür die renommiertesten Architekten. Die Schweizer Jacques Herzog und Pierre de Meuron gehören dazu, und haben den Regisseuren Christoph Schaubs und Michael Schindhelm erlaubt, einen Film über ihre Arbeit in China zu drehen. "Bird’s Nest" ist eine, etwas langatmige, Dokumentation über den Bau-Boom im Reich der Mitte, erzählt anhand des vogelnestartigen Olympiastadions in Peking. Dass die Vorstellungen der Auftraggeber und Architekten nicht immer übereinstimmen, ist nur eine Erkenntnis des Films. "Man muss sehen, dass gute Architektur nicht nur in Demokratien entstanden ist, und dass sicher unser Stadionprojekt in dieser Geschwindigkeit und dieser radikalen Ausformung in einer Demokratie wie der Schweiz sehr schwer gewesen wäre", sagt Jacques Herzog am Ende. Und so zeigt der Film vor allem, wie Architektur in Zeiten der Globalisierung funktioniert. Ab dem 8. Mai läuft "Bird’s Nest" bundesweit in den Kinos.

Berlin: lili #6 – Der UdK-Gestalterinnenpreis
Sylvia Schön hat den menschlichen Traum vom Fliegen in Kleidung umgesetzt. Altmodische Fliegermode sieht bei ihr aus, als würde sie in federleichten Stoffen zerfließen. Viktoria Kirjuchina interessiert sich für Räume und dafür, dass jeder Mensch sich ein anderes Bild von ihnen macht. Die beiden und noch sechs weitere Kommilitoninnen erhalten nun den "lili", den Gestalterinnenpreis der Universität der Künste (UdK) in Berlin. Der wird seit 2002 für herausragende Abschlussarbeiten in den UdK-Studiengängen vergeben. Die Preisverleihung beginnt am 8. Mai um 19 Uhr in der Quergalerie der UdK, die Ausstellung der prämierten Arbeiten ist bis zum 16. Mai zu sehen.

München: Julien Friedler – BeBOZ
"Gibt es einen Gott?", "Wie kann man dieses Zeitalter charakterisieren?", "Wie sehen Sie die Zukunft?", "Sind Sie glücklich?", "Ist Sexualität wichtig?", "Wer bin ich?" – diese sechs existenziellen Fragen stellt der französische Künstler und Psychoanalytiker Julien Friedler und will so den Seelenzustand der Welt erforschen. An mehr als 10 000 Menschen auf der ganzen Welt hat er seinen Fragebogen bereits verteilt, nun stellt er das Projekt "BeBOZ" in der Münchner Heilig-Kreuz-Kirche vor. Los geht es mit der Vernissage am 8. Mai um 19 Uhr, die Ausstellung dauert bis zum 29. Juni.

Berlin: Bettina Witteveen – Der Tod und das Mädchen
Die deutsche Künstlerin Bettina Witteveen forscht nach dem weiblichen Verhältnis zur Macht und zeigt Frauen im Krieg: Mal sind sie Opfer von Gewalt, mal Täterinnen. Beide Seiten berücksichtigt die in New York lebende Künstlerin in ihrer Berliner Fotoinstallation. Mit Bildern aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen, aus sowjetischen Arbeitslagern und dem Vietnamkrieg verweist sie auf die großen Krisen des 20. Jahrhunderts und auf ganz unterschiedliche Frauengestalten: Die Schriftstellerin Anna Achmatova durfte in der Sowjetunion jahrelang nicht publizieren, die 1932 geborene Helga Susanne Goebbels war die älteste Tochter von Magda und Joseph Goebbels und wurde am Ende des Krieges von ihrer Mutter umgebracht. Witteveen präsentiert die Installation in einem unterirdischen Fabrikgewölbe, in dem ukrainische Zwangsarbeiterinnen im Zweiten Weltkrieg V2-Raketen montieren mussten. So gehören das Thema der Installation und der Ort, an dem sie gezeigt wird, unmittelbar zusammen. Die Vernissage beginnt am 3. Mai um 11 Uhr im Gewerbehof der alten Königstadt-Brauerei Prenzlauer Berg. Die Ausstellung ist bis zum 14. Juli zu sehen.

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