Angel Otero

Starter

Falsches Gold auf Ölhaut
Angel Otero: "Roya"l, 2011, Ölfarbenhäute collagiert auf Harzbeschichteter Leinwand, 137,2 x 152,4 x 7 cm (Courtesy Angel Otero und Lehmann Maupin Gallery, New York)

FALSCHES GOLD AUF ÖLHAUT

Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler – jede Woche in der Reihe "Starter". Angel Oteros Erfolgsrezept: Er zieht Häute aus getrockneter Ölfarbe auf Leinwand auf und kombiniert sie dort mit anderen Materialien
// CLAUDIA BODIN

Sieben Jahre ist es her, dass Angel Otero Humanwissenschaften in San Juan studiert und Versicherungen verkauft hat, um Geld zu verdienen. Damals malte er meist nachts und vor allem für sich selbst. Doch dann erhielt der junge Puertoricaner ein Stipendium an der School of the Art Institute in Chicago.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der heute 30-jährige Otero so gut wie keine zeitgenössische Kunst zu Gesicht be­kommen. Jackson Pollock war mehr oder weniger der einzige Vertreter moderner Malerei, den er kannte, und den er sich als sein Vorbild auserkoren hatte. Seine Unbefangenheit sollte seine Stärke werden.

Erste Arbeiten verkaufte er bereits während des Studiums, Galeristen klopften in seinem Atelier in der Kunstschule an. Inzwischen lebt Otero in New York und arbeitet in seinem Brooklyner Studio mit Assistenten an seinen Ölhäuten, die ihn bekannt gemacht haben. Eine Technik, bei der er Ölfarbe auf große Glasscheiben fließen und die Farbe über mehrere Tage trocknen lässt, um sie schließlich mit Klingen abzuschälen und auf Leinwände zu ziehen. Die Häute schlagen Falten und krümmen sich. Bruchstellen bearbeitet er mit dem Pinsel und Materialien wie Silikon oder Sprühfarbe. Und manchmal ergänzt er die rauen Oberflächen mit Worten, Buchstaben und Formen. Die Bilder haben so viel Struktur, dass sie wie aus Stoff wirken. Sie seien ein Spiel mit der Geschichte der Malerei, so Otero. Die von ihm entwickelte Technik produziere Überraschungen, nach denen er süchtig sei.

Wenn der Künstler die Ölhäute mit seinen Fingern zerbröselt, um aus den einzelnen Stücken einen Blumenstrauß samt Vase und Häkeltischdecke zu kreieren, der ihn an das Haus seiner Großmutter erinnert, oder Möbelarrangements mit dicken Goldhäuten überzieht, blitzt seine Heimat in den Arbeiten auf. Denn mit Bling und falschem Gold demonstriert der puertoricanische Mittelstand gern, dass er es geschafft hat.

Steckbrief

Geboren: Santurce, Puerto Rico, 1981

Wohnort: Brooklyn, New York

Ausbildung: School of the Art Institute of Chicago

Galerie: Galerie | Lehmann Maupin, New York; Kavi Gupta, Chicago

Initialzündung: Arbeiten über mich selbst zu machen ... und gegen mich selbst.

Höhepunkt: In der Lage zu sein, jeden Tag in meinem Atelier zu erscheinen.

Tiefpunkt: Jeden Tag in meinem Atelier zu sein (bis zu dem Punkt, dass ich darin leben musste, als ich mir anderswo keine Mieten leisten konnte). Ich erinnere mich trotzdem gern an die Zeit, die Dinge hätten sich sonst wahrscheinlich anders entwickelt.

Helden: Esperanza

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Arbeite mehr und rede weniger...

Warum Künstler, nicht Banker?: Ja, warum bin ich ein Künstler? Was könnte ich sonst sein?

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