Gib mir Fünf!

Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche
Valie Export / Peter Weibel, "Aus der Mappe der Hundigkeit", 1968 (Foto: Josef Tandl, Copyright: Valie Export. Courtesy Charim Galerie, Wien)

DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Unsere neue Serie "Gib mir Fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Ines Spenthof eine Mischung aus provokativem Feminismus, funktionsgetrenntem Free-Jazz und Alltagsbarrikaden.
// INES SPENTHOF

Vernisage: "Valie Export"
Die beiden Galeristinnen Miryam Charim (Wien) und Lisa Ungar (München) eröffnen gemeinsam eine neue Galerie in Berlin. In ihrer ersten Ausstellung zeigen sie Valie Exports bekannteste Werke: Die multimediale Installation "Kalaschnikow", die Serie "Genitalpanik", sowie Fotoarbeiten aus der "Mappe der Hundigkeit". Aus dieser stammt das bekannte Bild, auf dem sie, mit dem Künstler und Kurator Peter Weibel an der Leine Gassi geht. Ein gehaltvolles Statement eine Galerie mit dieser Ikone der feministischen Medienkunst zu eröffnen. Die Ausstellung in der Galerie CUC Charim/Ungar Contemporary beginnt am 19. März um 19 Uhr – und Valie Export wird anwesend sein.

Konzert: "Markus Lüpertz und Band"
Am Samstag, 15. März, um 20 Uhr, zeigt Markus Lüpertz, einer der bekanntesten deutschen Maler und Rektor der Kunstakademie Düsseldorf, im Leipziger Gewandhaus sein musikalisches Können. Die übrigen Mitglieder der Band beschreiben sein Pianospiel als "ausgesprochen leidenschaftlich", aber "fern von jeder Perfektion". Das klingt viel versprechend. Lüpertz sechs Mitspieler sind Teil des Projekts "Triple Trip Touch", einer Free-Jazz-Kombo – sie spielen groovige Rhythmik mit improvisierter Melodieführung. 1983 wurde das "TTT"-Projekt von A. R. Penck, eine weitere deutsche Malerlegende, mitbegründet. Die Grundidee dieser Improvisations-Jazz-Gruppe ist die bewusste Funktionstrennung von Rhythmik und Solospiel, um das "musikalische Ego der Künstler herauszuhalten", so der Gittarist Frank Wollny. Der Eintritt ist frei, und das Zusammentreffen der "TTT"-Virtuosen mit dem rüstigen Maler sollte man sich nicht entgehen lassen.

Ausstellung: "Hannah Dougherty – Settlement"
"Settlement bedeutet nicht nur die Ansiedlung oder das sich Niederlassen einer kleinen Gruppe, sondern auch das Befestigen bzw. Stabilisieren von Gegenständen. Auch die Einigung zweier Seiten bei Verhandlungen wird so genannt", erklärt die US-amerikanische Künstlerin Hannah Dougherty den Titel ihrer Ausstellung in der Berliner Galerie Klara Wallner. Ihre Arbeiten sind präzise angelegte Konglomerate von Fundstücken: Gegenstände, kleine Schriftstücke auf Bildträgern. "Genauso wie die Sprache in ihrem facettenreichen Gebrauch als Arbeitsgerät benutzt wird, um Ideen nicht nur zu kommunizieren, sondern auch um sie zu analysieren, funktioniert die visuelle Kommunikation!", sagt Dougherty. Die Vernissage findet am 14 März um 18 Uhr statt – und die Ausstellung läuft bis zum 26. April.

Releaseparty: "Gudberg"-Magazin
"Music, Drinks & Art ab 20 Uhr" – so die Ankündigung des Magazins für "Kunst, Grafik, Design, Fotografie & laute Gedanken". Gudberg ist ein Magazin im DIN-A 3 Format mit dekadent viel Platz für einzelne Arbeiten. Zum Beispiel zeigen zwei Doppelseiten Fotografien eines Parkplatzes aus immer gleicher Sicht, aber an verschiedenen Tagen. Gudberg erscheint vierteljährlich und zwar gratis, ist aber auch nur an ausgesuchten Orten zu finden – "immer irgendwo" sagt die Heftbeschreibung auf der Webseite. Außerdem ist Gudberg eine Agentur, ein Verlag und zeitweilig ein Ausstellungsraum, der seine Anschrift wechselt. Am 20. März wird eine Party das neue Frühlingsheft, mit dem Thema "Cut" in der Hamburger Botschaft vorstellen. Es lohnt sich die neue Spielwiese der Gudberger zu besitzen.

Vernissage: "André Greif und Matthias Hennig: A good cast is worth repeating"
"Das Leipziger Künstlerduo entwirft einen Plan für Barrikadenbauer, für Strolche, die am und im Staat gescheitert sind und transformiert diesen in eine mehrteilige raumgreifende, wie doppeldeutige Installation", so der Pressetext zu dieser Ausstellung in der Berliner Galerie Jette Rudolph. In Wirklichkeit drucken Greif und Hennig am Computer gebastelte, aus Alltagsmaterialien zusammengesetzte Flächen, die schwarz eingefärbt sind, auf Millimeterpapier. Dies sind also die Barrikaden für die Strolche. Wie schon in ihrer Serie "Theorie und Praxis" spiegelt sich auch hier der selbstreflexive Umgang mit der Differenz zwischen ursprünglicher Idee und letztendlicher Verwirklichung der Arbeit. "Das Spektakel ist nicht ein Ganzes von Bildern, sondern ein durch Bilder vermitteltes gesellschaftliches Verhältnis zwischen Personen. In seiner Totalität begriffen, ist das Spektakel zugleich das Erlebnis und die Zielsetzung der besteheden Produktionsweisen". Dieses Zitat von Guy Debord, dem Vordenker der französischen Situationisten, stimmt auf die leichtfüßige Umsetzung eines gewichtigen Themas ein. Die Vernissage findet am 14. März um 19 Uhr statt.

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