Gib mir Fünf!

Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche
F. W. Bernstein "St. Beuys", 2008, Aquarell auf Pappe

DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Unsere neue Serie "Gib mir Fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Redakteur Alain Bieber eine Mischung aus hessischem Unsinn, kalifornischen Nonnen und sächsischem Glück
// ALAIN BIEBER

Vernissage: "F.W. Bernstein – Jubiläumsausstellung: Hesseköpp"
"Sinn gegen Unsinn. Den Unsinn bevorzuge ich, aber das ist eine rein persönliche Angelegenheit. Mir tut der Unsinn leid, da er bislang so selten künstlerisch geformt wurde. Deshalb liebe ich Unsinn", sagte der Dadaist Kurt Schwitters. Der Dichter und Karikaturist F. W. Bernstein formt den Unsinn mit sprachlicher Virtuosität und zelebriert formvollendeten "Sinnschwund": "Eisschrank summt die Uhr die tickt / da bin ich bin ich eingenickt / schlaf auf der Küchenbank ja auf der Küchenbank. / La Tiefkühltruhe kühlt so tief, / so tief wie ich Küche schlief; / dort auf der Dings der Bank / Längelang. * Mir träumt ich bin ein Apparat, / der oben so ein' Knopf dran hat. / Ein Knopf? Nein, Kopf! Mein Köpfchen! Ach – / da ist es – wigelwugelwach. * Und dort am herd ein Lämpchen blitzt, / Freund Auflauf in der Röhre schwitzt; / Er muss noch etwas ziehen. Das zieht sich hin." Und bei der Vernissage am Freitag, den 7. März, wird der "Titanic"-Redakteur Bernstein anwesend sein. Die über 100 Karikaturen auf Papier, Holz, Pappe, Schleif- oder auch Packpapier sind noch bis 12. Mai in der "Caricatura Galerie für Komische Kunst" in Kassel zu sehen.

Ausstellung: Sister Corita
Das Kloster der Avantgarde: In den sechziger Jahren schuf die kalifornische Nonne Schwester Mary Corita Kent (1918 bis 1986) Siebdrucke aus Fragmenten von Werbeslogans, Songtexten und Bibelauszügen in leuchtenden Farben und gab ihnen Namen wie "Somebody has to break the rules" (1967). Sie wurde dafür stark von der katholischen Kirche kritisiert, musste das Kloster verlassen – aber jetzt wurde sie endlich selig gesprochen: Die Berliner Galerie Circleculture zeigt noch bis in den Mai eine gelungene Auswahl der katholischen Pop-Art-Künstlerin. Genau das Richtige für einen besinnlichen Sonntagsausflug.

Ausstellung: Glück – Welches Glück
Mitmachen, Spaß haben, glücklich sein: Das Hygiene-Museum in Dresden widmet sich dem Thema Glück und umkreist in sieben Themenräumen (Liebe, Restaurant, Sport, Neuronen, Musik, Körper, Fortuna) das große, universelle Thema. Im "Neuronen-Raum" dürfen Düfte ausprobiert werden – und mittels Schokolade wird dort das Hirn stimuliert. Auch das "Musikzimmer" lädt mit einer (schalldichten!) Karaoke-Kabine zum Mitmachen ein. Ob die Ausstellung wirklich geglückt ist? Hingehen! Essen, singen, sehen – bis zum 2. November läuft die große Glück-Schau.

Dokumentation: "Neo Rauch – Ein deutscher Maler"
Sehr Neo ist Neo Rauch eigentlich nicht mehr. Er ist eine feste Größe im Kunst-Establishment, gilt als bedeutendster Vertreter der "Neuen Leipziger Schule" und zählt schon heute zu den wichtigsten deutschen Malern seiner Generation. Sein Bilderuniversum aus Sozialistischem Realismus und amerikanischer Comicwelt begeistert nach wie vor. Rauch arbeitet als Professor an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, hat unlängst sogar Kirchenfenster gestaltet und kuratiert manchmal selbst Ausstellungen. Für die Arte-Dokumentation (Sonntag, 9. März, 20.15 Uhr) öffnete der medienscheue Star sein Atelier – und spricht mit Kunstkritiker und Filmemacher Rudij Bergmann über seine Werke, die Kunst und sein Leben.

Konzert: "The Raindrops – Der Ball der toten Ratte"
Garantiert: Das wird bunt, laut und durchgeknallt. Am Freitag, 7. März, findet die Vernissage der Ausstellung "The Raindrops" in der Berliner Galerie Neurotitan statt – es geht um Karneval, Anarchie und Kunst. Zur Eröffnung gibt's den ersten öffentlichen Auftritt der "Bilderband" in Berlin: "Am Schlagzeug wird der exzellente Comic-Künstler CX Huth raffiniert ausgeklügelte Figuren wirbeln. Sein Rhythmus wird von der bekannten Designerin Kathi Käppel auf dem Keyboard mit ihrer progressiven Wall of Sound verstärkt. An der Bassgitarre begleitet der Illustrationsprofessor ATAK den Klangteppich mit seinen markanten Strukturen und riesigen Skulpturen. Zusammengehalten wird der karnevalistische Mix von der Frontsängerin Doerte Eisterlehner am selbst gestrickten Mikrophon." Und die Ausstellung in dem sympathischen Berliner Off-Space läuft danach noch bis zum 28. März.

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