Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 123
Schlichte Hülle mit Clou
Von Till Briegleb
Architektur: Kölns neues Diözesanmuseum von Peter Zumthor
Die Behauptung des Kölner Kardinals Joachim Meisner, dass Kultur, die sich nicht mehr auf Gottesverehrung beziehe, zu "entarten" drohe, rief einen Sturm der Entrüstung hervor. Die Predigt, in der das böse Wort fiel, hatte Meisner anlässlich der Eröffnung des Diözesanmuseums Kolumba gehalten. Nun ist der 43,4 Millionen Euro teure Neubau für die Kunstsammlung seines Bistums aber selbst alles andere als ein christliches Verherrlichungswerk.
Das Gebäude von Peter Zumthor zeigt vielmehr eine abstrakte Klarheit, die ihre Wurzeln eindeutig in der Ideengeschichte des Rationalismus hat. Äußerst streng und asketisch komponierte Flächen aus hellem Backstein mit großen Fensteröffnungen ummanteln nicht nur die Museumsräume, sondern auch ein großes Ausgrabungsfeld in höchster Nüchternheit. Die kriegszerstörte Kolumba-Kirche in der Kölner Innenstadt offenbarte nach Ausgrabungen in den siebziger Jahren Gebäudereste bis zurück in die spätrömische Zeit, die der Schweizer Architekt nun mit einer großen, zwölf Meter hohen Halle überbaut hat.
Der Clou seiner schlichten Hülle besteht in drei perforierten, gegeneinander verschobenen Ziegelfriesen, durch die das Licht gedämpft wie durch eine Blätterkrone fällt. Das eigentliche Museum befindet sich über dieser Halle und ist strukturiert in einer abwechslungsreich komponierten Folge von 16 Raumkuben.
Auch hier dominieren kantige Geometrie und eine Materialität, die man sowohl demütig wie trist finden kann. Weißer Terrazzoboden, der fugenlos durch alle Stockwerke fließt, graue Wände und Decken aus planem Mörtel vermitteln fröstelnde Kühle, vor der die Kunstwerke für geistige Temperatur sorgen müssen.
Konfrontiert mit Kirchenschätzen werden Arbeiten vieler lokaler Maler gezeigt, ergänzt um Stücke berühmterer Kollegen wie Rebecca Horn oder Jannis Kounellis.
Holz, mit dem Zumthor so geschickt umzugehen weiß, kommt nur sehr zurückhaltend zum Einsatz, setzt lediglich Akzente in der Vitrinen-Architektur so wie in einem erhabenen Leseraum mit rotem Furnier.
Dort, wo man der Architektur spirituelle Qualitäten nachsagen könnte, erreicht sie diese durch Einbezug des Lichts. Seitenlicht, Oberlicht, elektrische oder indirekte Beleuchtung wechseln sich durch die Organisation der Raumfolge ab, die in drei turmhohen Sälen mit himmlischer Lichtöffnung gipfelt. In einem dieser Türme wird eine Monstranz für einen Splitter aus der Dornenkrone von Jesus gezeigt, aber das ist schon das katholischste Element an diesem Museum. Ansonsten zeugt das abstrakte Konzept von Architekt und Kuratoren höchstens von einer generellen Offenheit für Kontemplation. Doch das scheint dem Bauherren gottgefällig genug. Internet: www.kolumba.de
Kasten:
Peter Zumthor, 64, schätzt es spartanisch:
Der renommierte Architekt entwickelt mit minimalen Mitteln maximale Effekte. Die Gebäude des Schweizers sind streng und trotzdem sinnlich, verbinden überraschende Raumlösungen mit einem besonderen Gespür für Materialien und Details. Sein berühmtestes Bauwerk, das Thermalbad in Vals (1996) aus geschichteten Steinplatten, wurde schon kurz nach Eröffnung unter Denkmalschutz gestellt.
Zumthors Werk ist sehr überschaubar, da er jahrelang mit einem kleinen Büro bei Chur in der Schweiz intensiv an kleinsten Details feilt. Dafür gelten seine bekanntesten Bauten bereits heute als Architekturikonen: Kunsthaus Bregenz (1997), Kapelle Sogn Benedetg in Sumvitg (1989), Feldkapelle für den Heiligen Bruder Klaus, Mechernich-Wachendorf (2007).
Die Restmauern der alten Kolumba-Kirche hat Zumthor in seinen Bau integriert - über dem Ausgrabungsfeld errichtete er eine zwölf Meter hohe Halle



