Ausgabe: 10 / 2007
Seite: 84-85

Quader für die Ewigkeit

Von Astrid Mayerle

Das Kunsthaus widmet dem Schweizer Architekten eine Retrospektive BREGENZ: PETER ZUMTHOR. BAUTEN UND PROJEKTE 1986-2007

Der neue Bau sollte älter wirken als seine Nachbarn, so die Idee Peter Zumthors für seine Therme im Schweizer Vals. Diese Nachbarschaft aber ist nichts Geringeres als die schroffe Gebirgslandschaft des Graubündner Valsertals.

So klingt Zumthors Konzept fast schon nach Größenwahn, nach einer Herausforderung an die Ewigkeit. Erreicht hat der 1943 geborene Architekt jedenfalls, dass sich die Besucher in dem strengen Natursteinbau völlig anders verhalten als in anderen Bädern: kein darwinistischer Kampf um die Liegestühle, keine Wellness-Phrasen im Gespräch, sondern ein höchst angenehmer Grad an Aufmerksamkeit und Konzentration.

Eine Bregenzer Zumthor-Retrospektive zeigt nun Pläne, Modelle und Filme zur Therme und zu elf weiteren ausgeführten Bauten, unter ihnen das Wohn- und Atelierhaus des Architekten in Haldenstein, als jüngstes Projekt das Kunstmuseum Kolumba in Köln und natürlich das Kunsthaus selbst: Der vor zehn Jahren eröffnete Ausstellungsbau ist diesmal zugleich das eindrucksvollste Schaustück.

Jeder, der zur Südostspitze des Bodensees unterwegs ist, erfährt die Strahlkraft des Kunsthauses mit seinen durchleuchteten 700 Glasschindeln. Die geben jedem Kurator bereits einen Teil seiner Planung vor; unvermeidlich treten die Ausstellungen in einen Wettstreit mit den vier übereinandergeschichteten kubischen Räumen.

Doch die meisten Künstler behaupten sich selbstbewusst gegenüber dem Bau, etwa Michael Craig-Martin mit Lichtprojektionen quer über die Fassade oder Gerhard Merz mit teils transparenten, teils monochromen Glastableaus. Merz ist übrigens einer der ganz wenigen, die Zumthors Gebäude verächtlich kritisieren.

Sein Vorwurf: Kitsch.

Kaum je wird hier die Kunst durch den Raum vereinnahmt, meist gelingt eine großartige symbiotische Gesamtinszenierung.

In fast allen für den Bau konzipierten Ausstellungen haben die Werke von der unregelmäßigen Zeichnung des Sichtbetons profitiert, von der technisch eleganten indirekten Lichtführung - und von einer Sphäre, in der man für einen Moment tatsächlich der Ewigkeit vorausspüren kann.

Termin: 29. September bis 20. Januar 2008.

Internet: www.kunsthaus-bregenz.at

Preisgekrönt:

Peter Zumthors Thermalbad im Graubündner Kurort Vals