Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 110-111
Was von der Reklame blieb
Von Carmela Thiele
Lingen: Mel Ramos
lm Kunstverein Lingen beginnt eine Wanderausstellung mit Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen aus allen Werkphasen zum 60.Geburtstag des kalifornischen Pop-Art-Künstlers Bikinistreifen, die Unterbrechung von Sonnenbräune durch Zonen unbestrahlter Haut, empfanden Männer in den fünfziger Jahren als erotisch.Also richtete sich das 1953 gegründete amerikanische Männermagazin "Playboy" danach, als es sein "Girlie" kreierte: Das Modell war nackt und sah dennoch angezogen aus.
Dieses saubere Sexidol wurde zum Lieblingsmodell des 1935 in Sacramento geborenen Malers Mel Ramos.Er machte es zu seinem Markenzeichen, und fortan gamierte aufseinen realistischen Gemälden eine kesse, unbekleidete Blonde oder Brünette mal einen Obstsalat oder saß im Schoß eines Pandabären. Mit ihrer Hilfe befreite sich der Sohn eines Rennfahrers, der zwischen 1956 und 1958 am Sacramento State College studiert hatte, vom Einfluß der Schule um den abstrakten Maler Richard Diebenkorn.Ramos entwickelte seine eigene Variante der Pop Art. 1961 malte er Porträts von weiblichen und männlichen Comic-Helden, darunter den Supermann "Captain Midnight", behängt mit Patronengürteln. Nackt turnte seine "Superwoman" durch die Welt der Werbung.Sie rekelt sich auf einer Käseecke, umarmt eine Zündkerze oder posiert als "Lucky Lulu Blonde" im roten NamenskreisderZigarette "Lucky Strike" "Mein Interesse galt dem, was von der visuellen Explosion der Reklame übrigblieb und wie das unser Denken beeinflußte", begründet Ramos seine plakativen Kontrafakturen. Ein Schwerpunkt der Wanderausstellung mit 27 Ölbildem, neun Aquarellen und 14 Zeichnungen ist die umfangreiche Bilderserie, mit der sich der Künstler in den siebziger Jahren dem Mythos von Leda mit dem Schwan genähert hat.Göttervater Zeus nimmt bei Ramos nicht nur die Gestalt eines Schwans an, sondern auch die anderer Säugetiere, vom Walroß bis zum Bison.Zeitgleich entstehen Gemälde nach berühmten Werken der neueren Kunstgeschichte, von der "Olympia" des Edouard Manet bis zur "Großen Odalisque" von Jean-Auguste-Dominique Ingres. Das galt lange als brisant. 1965 blockierte die Krefelder Kunstkommission Faul Wember, dem damaligen Direktor des Kaiser-Wilhelm-Museums, den Ankauf eines Ramos-Bildes, und 1967 wurde eine Ramos-Schau der Kölner Galerie Tobies & Silex vom Staatsanwalt geschlossen. Seit den achtziger Jahren beschäftigt sich Ramos mit dem Thema "Maler und Modell".Auf einem Gemälde konfrontiert er die Zeichnung eines Akts mit seiner fotorealistisch gemalten Wiedergabe.Der amerikanische Kritiker Robert Rosenblum entdeckte in solchen Arbeiten die "subtiler gewordene Darstellung des Kräftespiels zwischen Mann und Frau".Als Katalog zur Ausstellung ( 12.November bis 18.Dezember) dient das Buch "Mel Ramos.Pop Art Images" aus dem Taschen Verlag, Köln, 15 Mark.Weitere Stationen: Kunstverein Mannheim (15.Januar bis 5.März 1995) und Kunsthalle zu Kiel (6.April bis S.Juni 1995).
