Ausgabe: 04 / 2000
Seite: 138

Zwischen Glück und Verlust

Von

Viola Maria Michely: Glück in der Kunst? Das Werk von James Lee Byars. Reimer Verlag, Berlin. 284 Seiten, 56 Abbildungen. 98 Mark / James Lee Byars: Briefe an Joseph Beuys. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern. 256 Seiten, 172 Abbildungen, davon 150 in Farbe. 68 Mark

James Lee Byars gehört zu den schillerndsten Figuren der Nachkriegskunst. Wenn er in dunklem Umhang mit schwarzer Augenbinde oder in femininier Verkleidung auftauchte, seine Rituale feierte und schnell wieder verschwand, blieb oft nur eine Atmosphäre des Geheimnisvollen zurück. Nach dem Tod des Künstlers im Mai 1997 bemühen sich nun zwei Publikationen, die fortdauernde Bedeutung seines Werks zu dokumentieren.

Viola Maria Michely geht in ihrer Dissertation vom Stadtwanderer und Weltenbummler aus, der aus der eigenen Rastlosigkeit eine Kunst des Augenblicks entwickelte. 1932 in Detroit geboren und im mittleren Westen der USA ausgebildet, setzte sich Byars ab 1957 in Japan mit Zen-Philosophie auseinander und begann, mit Tüchern, Papieren und kleinen Objekten "die Schönheit an sich" einzukreisen.

Aus den Performances wurden Rituale, in denen der Künstler symbolische Formen wie Kegel, Kreis, Sichel oder Quader in feierlichem Rot, Gold und Schwarz zelebrierte. Ziel war es, einen utopischen Zustand von Vollkommenheit und Schönheit zu entwerfen - so wurde die Kunst zu einer Suche nach dem Glück, erfahrbar als gefährdeter Moment zwischen Verlust und Vollendung. Eine sprachliche Überarbeitung durch den Verlag hätte dem dichten Text allerdings gut getan - ihm sicherlich auch mehr Leser verschafft.

Welch sinnliche Vielfalt Byars zwischen Glanz und Trauer entfaltet, zeigen seine Briefe an Joseph Beuys, den er als eine Art Alter Ego verehrt hat. Sie sind im Museum Schloss Moyland (bis 7. Mai) erstmals zu sehen und im begleitenden Katalog vollständig abgedruckt und erläutert.

Bildunterschrift: Byars: "Der goldene Turm" (1990) im Martin-Gropius-Bau, Berlin /